Dieses Mineralwasser macht betrunken – Sucht Schweiz warnt vor dem Alcopop 2.0

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Sieht aus wie Mineralwasser, hat aber mehr als nur das drin: Hard Seltzer von White Claw. © Instagram/WhiteClaw

Verkauft werden sie in weissen stylischen Dosen, versetzt mit einem bunten Farbtupfer – und sie könnten das Trendgetränk des Sommers werden: Die alkoholhaltigen Sprudelwasser, versetzt mit einem Sprutz Ananas-, Mango- oder Passionsfruchtaroma und einem Schuss Alkohol.

In den USA gehen die Verkäufe der sogenannten «Hard Seltzer» gerade ab durch die Decke. White Claw, eines der marktführenden Unternehmen in den USA, konnte seine Verkäufe bis Juli um 238 Prozent steigern. Der Boom führte zeitweilen gar zu Lieferengpässen im heimischen Markt, wie der Guardian berichtete.

Wann das alkoholhaltige Sprudelwasser auch in der Schweiz erhältlich ist, ist noch offen. Laut White Claw sei ein Export nach Europa sicherlich interessant, derzeit aber nicht geplant. Auch bei Coop sei eine Aufnahme ins Sortiment noch nicht geplant, heisst es auf Anfrage von watson.

Die Gefahr liegt im Marketing

Trotzdem warnt Markus Meury, Mediensprecher von Sucht Schweiz, bereits jetzt vor den Hard Seltzers. Er ist sich sicher, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis die Getränke auch hier erhältlich sind. «Das hat sich schon bei dem E-Zigaretten-Trend gezeigt. Die Mechanismen bei den Hard Seltzers sind ähnlich. Die Schweiz ist ein beliebter Absatzmarkt für solche Produkte.»

Gefährlich bei dem alkoholhaltigen Sprudelwasser sei vor allem das Marketing dahinter. «Die Dosen werden als Wellnessdrinks und gesündere, weniger kalorienhaltige Alternative zu Alkohol angepriesen», sagt Meury. «Viele Jugendliche meinen dann, der Alkohol in Form der Hard Seltzer sei weniger ungesund.»

In einer Dose Hard Seltzer sind etwa 90 bis 100 Kalorien drin. Ein Bier in der gleichen Grösse enthält 130 bis 140 Kalorien:

Das sei jedoch ein Irrglaube: Eine Dose des alkoholhaltigen Mineralwassers enthält gleich viel Alkohol wie ein Bier. «Wir wissen aus Studien, dass man mehr davon trinkt, wenn man glaubt, es schade einem weniger.»

Politik soll bereits jetzt handeln

Meury fordert, dass bereits jetzt auf die Hard Seltzers reagiert werden müsse – um eine Alcopop-Krise 2.0 zu verhindern. In den Jahren 2000 bis 2002 stieg der Absatz von Alcopops von zwei Millionen auf fast 40 Millionen Flaschen an. Besonders unter 18-Jährige konsumierten damals die süssen alkoholhaltigen Limonaden. Die Politik reagierte mit einiger Verzögerung: Erst 2004 wurde eine Sondersteuer auf Alcopops erhoben.

Meury findet eine Sondersteuer eine gute Möglichkeit, um für einen massvollen Konsum zu sorgen. «Jugendliche reagieren sehr preissensibel. Auch bei den Alcopops ist der Konsum nach der Einführung der Sondersteuer abgeflacht.»

Es sein nun an der Politik, bereits vorausschauend auf diesen Trend zu reagieren. «Und nicht erst dann, wenn es bereits zu spät ist», so Meury.

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