Treibhausgas: Ist der Peak erreicht?

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In Deutschland wurde 2019 weniger Kohle verbrannt. Hier zu sehen ein Schaufelradbagger im Braunkohle-Tagebau Inden. Im Hintergrund das Braunkohlekraftwerk Weisweiler. © Federico Gambarini/AP

Die dieser Tage verbreitete Meldung tönt zu schön, um wahr zu sein: «Hoffnung für den Klimaschutz: CO2-Emissionen global gebremst». Kann das sein? Richtig sei dieser Titel schon, sagt Dave Jones, Strom- und Kohleanalyst auf Anfrage bei der Berliner Denkfabrik Agora Energiewende. Die Emissionen stagnierten weltweit 2019 bei 33 Milliarden Tonnen, wie die Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) zeigen. Und gemäss Jones gehören da alle Emissionen aus Kohle und Öl dazu – verbrannt für Strom, für das Heizen, die Industrie und alle anderen Anwendungen.

Weniger CO2 bei der Stromerzeugung

«Zurück gingen nach Angaben der IEA vor allem die Emissionen für die Stromerzeugung, was aber durch einen Anstieg bei der Öl- und Gasverbrennnung für Verkehr und Industrie wieder wettgemacht wurde», sagt der Energiespezialist Jones. Immerhin sind die CO2-Emissionen somit nach zwei Jahren Anstieg nicht weiter gewachsen.

Grob zusammengefasst lauten die Gründe für die Stagnation des Ausstosses im Jahr 2019 wie folgt: Weniger Kohle, mehr erneuerbare Energien, mehr Atomstrom, mildes Wetter und zum Teil schwächere Volkswirtschaften. Die regionalen Unterschiede sind dabei beträchtlich wie die robusten und nach detaillierten Regeln erfassten Daten der IEA zeigen.

Deutlich weniger in der EU und in den USA

In der EU sind die Kohlendioxid-Emissionen bei der Stromgewinnung um fünf Prozent und damit um 160 Millionen Tonnen zurückgegangen. Dies dank der stärkeren Nutzung von Gas und Windkraft anstelle von Kohle. In den USA gingen sie um 2,9 Prozent zurück, weil statt Kohle Erdgas verbrannt wird. Erdgas hat in den USA die Nase vorn, weil das Gas günstiger ist als Kohle. Gas ist zwar auch ein fossiler Treibstoff, produziert aber bei seiner Verbrennung weniger CO2 pro erzeugter Kilowattstunde Strom als Kohle. Und in Japan und Südkorea wurden wegen der Mehrnutzung von Kernenergie statt Kohle rund 50 Millionen Tonnen weniger Kohlendioxid ausgestossen.

Fortschritte gehen in Entwicklungsländer verloren

Pech fürs Klima ist allerdings, dass diese Reduktion in den Industrieländern durch Zuwächse in Entwicklungs- und Schwellenländern wieder wettgemacht wurden. 400 Millionen Tonnen Kohlendioxid wurden im Rest der Welt mehr produziert als 2018. Davon allein in Asien knapp achtzig Prozent durch Kohlekraftwerke. Immerhin stieg in China der CO2-Ausstoss etwas langsamer als zuletzt – wegen eines schwächeren Wirtschaftswachstums, der verstärkten Nutzung von erneuerbaren Energien und neuen Atomkraftwerken.

Wichtig für die CO2-Emissionen dieser Welt ist auf jeden Fall die Kohle und diese hat sich – zumindest im Sinne des Klimas – positiv entwickelt. «Die weltweite Stromerzeugung aus Kohle ist 2019 um rund drei Prozent gesunken», sagt Jones, der Autor des «CarbonBrief» ist, in dem er den Rückgang der Kohlekraft im 2019 analysiert. Die drei Prozent weniger Kohle weltweit entsprechen 200 Millionen Tonnen weniger Kohlendioxid gegenüber 2018. Die grösste Reduktion fand dabei in den USA statt, wo mehrere grosse Kohlekraftwerke geschlossen wurden. In Südostasien legt die Kohle aber weiterhin zu.

Haben wir einen Peak erreicht?

Da stellt sich die Frage, ob wir mit der Stagnation einen Peak erreicht haben. Wird 2019 das Jahr der Wende? So weit geht kein Experte. Es sei ziemlich klar, dass wir uns dem Höhepunkt der CO2-Emissionen näherten. «Aber niemand erwartet einen grossen Rückgang in den nächsten Jahren, den es für die Erreichung der Klimaziele braucht. Also um mehr als zwei Grad Erwärmung zu verhindern», sagt Jones.

Das bestätigt auch Reto Knutti, Klimatologe an der ETH Zürich. Nur wegen eines einzelnen Jahres ohne Anstieg, sei es zu früh, von einem Peak zu sprechen. Eine Stagnation habe es vor ein paar Jahren schon einmal gegeben. «Warme Winter oder die Wirtschaftslage können leichte Variationen verursachen», sagt Knutti.

In 30 Jahren sollte die Null stehen

Das sei noch lange kein klarer Trend zu einer Entkarbonisierung. Um die Klimaziele zu erreichen, müssten die Emissionen nicht konstant bleiben, sondern sinken, sagt der ETH-Klimatologe. So darf man sich zwar darüber freuen, dass die erneuerbaren Energien relativ schnell wachsen. Aber deren Anteil ist immer noch sehr klein. Und zudem wachsen die fossilen Energieträger je nach Weltgegend parallel dazu auch. Der Anteil der Fossilen ist zwischen den Jahren 2000 und 2018 von 87 lediglich auf 85 Prozent gesunken. In 30 Jahren sollte dieser Anteil aber bei Null sein, will man die Klimaziele erreichen. Eine Prognose wagt Dave Jones noch für dieses Jahr: Das Corona-Virus wird 2020 wohl zu einem Absinken der Emissionen führen.

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