«Huit Femmes»: Der Mord, der einer war

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Atmosphäre des Misstrauens und Verteidigung der Ansprüche: Hausherrin Gaby (Gabriela Graf, ganz rechts) im Clinch mit den Bediensteten, den Töchtern und ihrer Mutter. (Bild: mif)

Der Hausherr ist tot – es lebe der Hausherr. Der Fabrikunternehmer Marcel wird an einem verschneiten Morgen zu Zeiten der 50er-Jahre in einem französischen Ort mit einem Messer im Rücken tot aufgefunden. Entdeckt hat ihn das Hausmädchen Louise (Dagny Dewath). Für die im Haus zum Weihnachtsfest versammelten acht Frauen ist rasch klar: Niemand darf das Zimmer betreten, bis die Gendarmerie eintrifft.

Das Bühnenbild der Komödie «Huit Femmes» im Zofinger Stadtsaal im Rahmen einer Aufführung von Musik und Theater Zofingen wird von einer beidseitig begehbaren Treppe ins Obergeschoss dominiert. Die Treppe steht für die patriarchalische Gesellschaft der 50er-Jahre. Die einen sind oben, die anderen sind unten. Über allem thront der Pater Familias, der von oben regiert, ernährt, begünstigt, beschützt.

Der Mord geht an die Existenz

Die Nachricht vom Tod des Hausherrn trifft die acht zum Weihnachtsfest versammelten Frauen existenziell. Sie bringen sich in Position, intrigieren und täuschen vor, dass sich die Balken biegen. Alle hätten sie ein Motiv gehabt, den Hausherrn umzubringen.

Mamy (Christa Pillermann) zum Beispiel, die bloss geduldete Mutter der Hausherrin, gerät in den Streitigkeiten derart in Rage, dass sie unversehens aus dem Rollstuhl aufjuckt, und plötzlich beschwerdefrei gehen kann. So hilfsbedürftig ist sie, die ein geerbtes Aktienpaket unter ihrem Kopfkissen hortet, also nicht.

Was verbindet Hausmädchen und Hausherr?

Augustine (Anja Klawun), die Schwester der Hausherrin, eine von Selbstmitleid triefende alte Jungfer ist es schon eher, ihre boshafte Rachsucht mischt die Übrigen dann aber gehörig auf. Zum Beispiel das Hausmädchen Louise, die wohl in erweiterten sinnlichen Diensten stand und den Hausherrn als Letzte gesehen haben soll. Und was macht plötzlich Pierrette (Nathalie Schott), die Schwester von Marcel, im Haus. Noch keine der Bewohnerinnen hatte sie zuvor gesehen. Woher weiss sie denn, wo das Arbeitszimmer ist? Die Köchin Chanel (Mirjam Kendler) scheint dieser Pierrette darüber hinaus weit mehr als nur platonisch zugewandt zu sein.

Ob all der Leidenschaft wird klar: Hinter der bürgerlichen Fassade bröckelt es gewaltig. Zumal auch Louise enthüllt, dass die Hausherrin Gaby (Gabriela Graf) sich des Abends öfter aus dem Haus stiehlt. Um einen Liebhaber zu treffen? Und welch Erstaunen erst, als klar wird, dass die sich als Kriminalistin aufspielende Tochter Suzon (Marget Flach) nicht erst am Morgen zur Leichenfundzeit eingetroffen ist, sondern bereits in der Nacht zuvor im Haus war.

Hässliche Fratze des Pater Familias

Das an Enthüllungen drehfreudige Stück lässt die Frauen nur zu menschlich erscheinen: Schliesslich müssen sie in diesen patriarchal geprägten Abhängigkeiten ihren Weg finden. Vollkommen entwaffnet ist der Hausherr. Hinter seiner Fürsorglichkeit und Wohlanständigkeit lauert die hässliche Fratze eines schamlosen Ausbeuters, der Frauen nach Gutdünken in geschlechtliche Beziehungen zwingt.

Der Triumph der jüngeren Tochter Catherine (Anouschka Tochtermann) währt kurz, als sie erklärt, der Vater hätte sich nur tot gestellt, um die Wahrheit über seinen Frauenhaushalt zu erfahren. Ein Rumpeln aus dem Arbeitszimmer zeigt, dass der Wiedererweckte sich gerade das Leben genommen hat.

Theaterlust ist mit der Inszenierung des Stücks von Robert Thomas eine Komödie gelungen, deren Schmiss weit über die Situationskomik hinausgeht. Die eigens für jede Protagonistin komponierten Lieder verleihen individuelle Seelentiefe. Die Schauspielleistungen sind eindrücklich, das Geschehen ist mit viel Tempo und Witz inszeniert. Die Kippmomente zwischen Situationswitz und Tiefblick sorgfältig austariert. Mit «Huit Femmes» schafft es Theaterlust, auf feinsinnig-hintergründige Art an die «MeToo»-Debatte anzuknüpfen.

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