Von der Ringier-Villa am Rebberg in eine Mietwohnung

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Knochen waren während des Weltkriegs ein wichtiger und gesuchter Rohstoff.
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Sie ist gegenwärtig in den lokalen Schlagzeilen: die ehemalige Ringier-Villa an der Oberen Rebbergstrasse. Ein Investor macht Park und Baumbestand mit Kettensäge und Bagger für sein Bauprojekt flach. Auch diese Woche gingen die Arbeiten weiter.

Im ersten Artikel über den «Baumfrevel» (Zitat Einwohnerrat Michael Wacker) wurde die Baugeschichte der Villa skizziert – um aufzuzeigen, weshalb die heutige Bausubstanz nicht (mehr) schützenswert ist. Gelesen hat den Artikel auch der in der Surselva lebende Hobbyhistoriker Christoph Berger. Er ist Urenkel des Industriellen Hermann Daetwyler, welcher 1917 den Kernbau der späteren Ringier-Villa erstellen liess. Über den Architekten des Hauses war nur in Erfahrung zu bringen, dass es sich um «P. Rickert, Basel» handelt – Vorname unbekannt.

«Das war Paul Rickert», sagt nun Berger. Er war ein Schwager von Hermann Daetwyler. Ja, der war ein Industriepionier und sehr wohlhabend. Der Familie gehörten in Zofingen bedeutende Latifundien. Berger: «Südlich vom Bahnhof hatte Hermann Daetwyler grosse Grundstücke. Das Land, auf welchem heute die Bezirksschule steht und das Oberstufenschulhaus geplant wird, war im Besitz seiner Schwester.»

Zu Beginn der Motorisierung hatten in Zofingen zwei Männer ein Auto: Paul August Ringier und Hermann Daetwyler. «Er schaffte sich einen Ford an, den mein Grossvater Kurt – Jahrgang 1912 – bereits mit 14 Jahren chauffieren durfte.»

Hermann wurde 1877 geboren, war mit Rosa Lüscher verheiratet und Vater von vier Söhnen und zwei Töchtern. Das Foto zu diesem Artikel zeigt ihn als Offizier. Dazu weiss Berger zu berichten, dass er am Eidgenössischen Schützenfest 1907 eine goldene Taschenuhr gewonnen hat.

Beruflich hatte Hermann Karriere als Fabrikant gemacht – so 1906 in Oftringen eine Firma für den Handel mit Industrieabfällen gegründet. 1910 wurde ein Neubau an der Unteren Brühlstrasse in Zofingen erstellt, der als Knochenextraktionswerk diente und heute die Delta-Werke beherbergt. Wie wurde er seines Besitzes verlustig? Konnte er die Hypo-Zinsen für die Villa nicht mehr bezahlen? Musste er zulassen, dass die Kantonalbank diese an Hans Ringier verkauft?

«Ob der Weltkrieg oder andere Machenschaften zum Verlust der Grundstücke, Häuser und Aktienmehrheit führten, müsste eine neutrale Person recherchieren», sagt Berger. Liest man die Dokumente, die Berger zur Verfügung gestellt hat, erinnert einen die Geschichte an das damalige Geschehen in der Zementindustrie: Die Grossen haben die Kleinen mit brutalen Methoden «gefressen». Hermann Daetwyler ist 1971 verstorben. Berger sagt: «Er hat das Restvermögen für Prozesse verwendet und lebte am Schluss in einer Mietwohnung.»

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Geschichte Ringier-Villa

Jürg Jost, Zofingen
schrieb am 21.02.2020 09:15
Ein interessanter Beitrag. Ja, es steckt - bzw. unterdessen muss man sagen, steckte - viel Geschichte in der Liegenschaft und ihrem (ehemaligen) Garten. Dies ist im «Denkmalpflegerischen Gutachten» aus dem Jahre 2014 von Michael Hanak nachzulesen. Seine Schlussfolgerung, die Villa erfülle eine «architekturgeschichtlich Unterschutzstellung» nicht, ist gerade nach seiner ausführlichen Expertise allerdings aus wissenschaftlicher Sicht schwer nachvollziehbar. Aus wirtschaftlicher hingegen war das Ergebnis sicher hochwillkommen beim Auftraggeber…
Besonders hervorgehoben wird im Gutachten immerhin die Bedeutung des Gartens im Rahmen des Gesamtensembles der Anlage. Ein sinngemäss zusammengefasstes Teilzitat: «Untrennbar mit der Villa verbunden ist der südlich vorgelagerte Gartenbereich, der am Hang eine Terrasse bildet und ein wichtiger Bestandteil der ganzen Anlage ist».
Übrigens geht aus dem Gutachten auch hervor, dass viele der jetzt massakrierten Bäume aus dem Jahr 1917/18 stammen. Der Investor kann wahrhaft stolz darauf sein, in ein paar Tagen vernichtet zu haben, was während über 100 Jahren herangewachsen ist - und der Stadtrat auf sein (zumindest) stilles Dulden dieser Untat.
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