Villa Steiner-Hüssy: Geschütztem Chalet droht der Abriss

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Die Ostfassade ist besonders wertvoll: Am Chalet aus dem Jahr 1882 hat es kunstvolle Schnitzereien. Doch das Haus ist verlottert. Bilder: jow
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Unordentlich: Die Immobilienfirma Artemis schaut nur mässig zum Haus.

Die Villa Steiner-Hüssy oberhalb des Aarburger Bahnhofs sieht schitter aus. Die Fenster sind teilweise verbarrikadiert, teilweise offen. Die Balkonbrüstung hängt herunter, Kletterpflanzen suchen ihren Weg an der Holzfassade. Ein schweres Eisengitter versperrt den Zugang zum Ostflügel des Hauses.

Aarburg verlottert, zumindest was einige seiner geschützten Gebäude betrifft. Nicht nur das grüne Haus an der Woog soll abgerissen werden, auch für die Villa Steiner-Hüssy liegt seit letztem Frühling ein Abbruchgesuch vor. Artemis, die Immobilienfirma der Franke, will auf dem Areal Steinbille den zweiten Teil ihrer Grossüberbauung realisieren. Und hat dabei offensichtlich keine Verwendung für die kommunal geschützte Villa, die mitten im zu überbauenden Areal oberhalb des Bahnhofs steht. Obwohl das konkrete Bauprojekt für die Wohnhäuser gar noch nicht vorliegt, hat Artemis schon eine Baubewilligung für den Abriss der Villa eingereicht. Wie das Gesuch begründet wurde, will Artemis-Geschäftsführer Markus Dobnik nicht sagen. Er nehme zu laufenden Verfahren nicht Stellung. Artemis will wohl den Passus in der Bau- und Nutzungsordnung anrufen, wonach ein Abriss ausnahmsweise bewilligt werden kann, wenn ein Erhalt des geschätzten Gebäudes «unzumutbar» sei.

Noch hat der Gemeinderat nicht entschieden. Das Verfahren ist noch hängig, weil der Aargauer Heimatschutz Einsprache erhoben hat. «Es ist einfach unglaublich, dass die Eigentümer einen solchen Bau derart verlottern lassen», sagt Henri Leuzinger vom Heimatschutz. Und die Gemeinde bringe es offensichtlich nicht fertig, den Eigentümern auf die Finger zu klopfen. «Artemis könnte die Villa problemlos in den Park ihrer Überbauung integrieren.» Der Heimatschutz habe in der Einwändeverhandlung am 5. November entsprechend argumentiert. «Man könnte daraus zum Beispiel eine Art Park-Pavillon machen», so Leuzinger. «Ein Abbruch auf Vorrat kommt sowieso nicht in Frage, immerhin ist die Villa Steiner nach wie vor rechtskräftig geschützt.» Der Heimatschutz hält daher an der Einwendung fest.

«Trotz der Schäden wären gute Handwerker sehr wohl in der Lage, diesen Bau zu renovieren», sagt Leuzinger. Und dabei geht es nicht um die ganze Villa, sondern nur um den ältesten Teil, den heutigen Ostflügel. Dieses sogenannte Chalet Waldegg soll erhalten bleiben. «Es war eines der ersten solcher Chalets im Mittelland, und jetzt wohl eines der letzten dieses Typs», sagt Leuzinger. Bauen liess es Weinhändler Jean Conrad Bühler 1882. Drei Jahre zuvor hatte er etwas unterhalb bei der Bahnstation der Centralbahn ein Lagerhaus für seine Weinhandlung gebaut.

Laut einem Fachgutachten aus dem Jahr 2012 wurde das Chalet Waldegg nicht als Wohnhaus konzipiert, sondern es diente dazu, Kunden und Gäste zu empfangen. Es war ein «maison de plaisance», ein kleines feudales Landhaus. Bühler war in Frankreich als Weinhändler tätig. Laut dem Gutachter dürfte er beim Bau des Chalets von der Popularität des Chalet Suisse inspiriert gewesen sein. So liess sich zum Beispiel Napoleons Gattin Joséphine schon 1803 bei Malmaison (F) ein «Chalet Suisse» bauen. An der Pariser Weltausstellung von 1876 prägten solche Chalets nachhaltig das Klischee des Schweizer Holzhauses.

Schützenswert ist laut dem Gutachten insbesondere die Holzfassade mit dem Schnitzwerk und dem figurativen Schmuck. Doch auch die Innenräume erachtet der Gutachter als wertvoll. Die Gestaltung lasse die feine französische Lebensart erahnen, welcher Bühler gefrönt habe. So hat es Tapisserien – textile Wandbilder. «Der Bauherr Bühler hat im Äussern wie im Innern ein äusserst originelles wie seltenes Beispiel schaffen lassen, das bautypologisch das ‹maison de plaisance› neu interpretiert», schreibt der Gutachter.

Die beiden in ihrer Substanz weitgehend erhalten gebliebenen Räume des Erdgeschosses seien als historische Zimmer zu betrachten. Der Gutachter stuft den historischen Wert des Chalets Waldegg als hoch ein. Im Gegensatz zu den Erweiterungen zur Villa Steiner-Hüssy, die im Gutachten mit mehrheitlich niedrigen Denkmalwerten versehen werden.

Trotz dieser reichen Geschichte des Hauses soll es nun dem Erdboden gleichgemacht werden. Laut mehreren Quellen argumentiert die Immobilienfirma Artemis im Baugesuch damit, dass die Villa unter anderem wegen Vandalenakten in einem schlechten Zustand sei und man in der neuen Überbauung keine Verwendung für das Haus habe. Vor sieben Jahren hat die Firma im Rahmen des Masterplanes für das Gebiet noch versprochen, die Villa zu erhalten. Was sie nun zur Meinungsänderung bewogen hat, will Artemis-Geschäftsführer Markus Dobnik nicht sagen.

Besitzer müssten geschützte Häuser gebührend unterhalten

Gemäss der Bau- und Nutzungsordnung der Gemeinde wären Besitzer geschützter Häuser verpflichtet, diese gebührend zu unterhalten. Auch zur aktuellen Kritik des Heimatschutzes, Artemis habe die Villa verlottern lassen, schweigt Dobnik.

Laut dem Aarburger Bauverwalter Lars Bolliger wird der Gemeinderat in den nächsten Wochen über das Gesuch befinden. Das Haus sei kommunal geschützt, liege aber nicht im ISOS-Perimeter. Daher sei klar die Gemeinde zuständig. Angesprochen auf den Masterplan, der den Erhalt des Hauses vorsieht, sagt Bolliger: «Nun sind wir mit der Artemis am Anfang einer Planung für das Teilgebiet Steinbille-Unterstadt.» Zur Begründung der Artemis für den Abbruch will auch Bolliger nichts sagen. Zum Zustand sagt er: «Als ich 2013 im Chalet war, sah es noch gut aus.» Den heutigen Zustand könne er derzeit nicht beurteilen.

Zur Kritik des Heimatschutzes, die Gemeinde schaue tatenlos zu, wenn geschützte Objekte kaputt gingen, sagt Bolliger: «Die Gemeinde ist in der Praxis zurückhaltend, wenn Besitzer geschützte Liegenschaften verlottern lassen.» Man müsste jeweils eine Ersatzvornahme androhen. «Das wäre ein massiver Eingriff in die persönliche Freiheit mit unsicherem Ausgang.»

Die Gemeinde habe nun aber ein Depot eingerichtet, um Zustandskontrollen zu finanzieren. «Künftig sollen die schützenswerten Objekte jährlich visuell kontrolliert und Besitzer auf allfällige Mängel hingewiesen werden.» Bolliger spielt den Ball aber auch dem Kanton zu: «Leider ist die finanzielle Unterstützung des Kantons für den Erhalt kommunal geschützter Objekte gering.»

Für die Villa Steiner-Hüssy kommen diese neuen Kontrollbemühungen der Gemeinde wohl zu spät. Ausser der Gemeinderat lehnt das Abbruch-Gesuch der Immobilien-Firma ab.

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Bild: jow
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