Das Wasser plätschert wieder vor dem Oftringer Ortsmuseum

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«Ich bleibe so lange, bis der Brunnen steht»: Edgar Widmer vor dem 600 Kilogramm schweren Trog aus Mägenwiler Muschelkalk. Bild: Lukas Lippert

Das Ortsmuseum Oftringen war lange unvollendet. Statt einem Brunnen ragte vor dem Museum nur ein Schlauch aus dem Boden. Wasser gab es keines. Der ehemalige Brunnen, ein alter Holztrog, ist vor gut zehn Jahren zerfallen. Ausgerechnet, denn der Brunnen ist die Geburtsstunde von Whatsapp, sagt Widmer. Im Innern des Museums zeigt er ein altes Waschbrett, das früher im Dorfbrunnen lag: «Auf beiden Seiten des Brunnens standen sich jeweils zwei Frauen gegenüber und haben die neusten Nachrichten ausgetauscht.» Das erzählt Widmer den Schulklassen, die ins Museum kommen. «Sie sollen sehen, wie unsere Grosseltern gelebt haben.» Auch eine künstliche Kuh steht im Museum, die Töne von sich gibt, wenn man sie melkt. «Damit die Jungen merken, dass die Milch nicht aus der Migros kommt.»

Seit Edgar Widmer in der Museumskommission von Oftringen ist, hat er ein Ziel: «Ich bleibe so lange, bis der Brunnen steht.» Jetzt ist es so weit. Vorgestern wurde der Brunnen ans öffentliche Wassernetz angeschlossen, am Sonntag gibt es die feierliche Einweihung.

Dass der Brunnen wieder plätschert, hat Widmer dem Löwen-Team zu verdanken. Einer Gruppe von Freiwilligen, die sich seit Jahren jeden Dienstag von 9 bis 11 Uhr beim Ortsmuseum Oftringen trifft. Ursprünglich arbeitete die Gruppe, bestehend aus ehemaligen Handwerkern, ehrenamtlich an der Restauration der ehemaligen Taverne zum Alten Löwen, die zum Ortsmuseum gehört. «Als Lohn gibt es nach der Arbeit eine Flasche Wein, Aufschnitt und Brot, abgesegnet vom Gemeinderat und bezahlt von der Museumskommission», sagt Widmer.

Ein 600 Kilogramm schweres Prachtstück

Die Suche nach einem neuen Brunnen war schwierig. Bis vor knapp einem Jahr die Flückigers anriefen. Auf ihrem Bauernhof etwas oberhalb von Oftringen stünde eine alte Pferdetränke, die sie nicht mehr bräuchten. Widmer fuhr hoch und war begeistert: Ein 600 Kilogramm schweres Prachtstück aus Mägenwiler Muschelkalk. Einig wurde man sich per Handschlag, ins Dorf runtergeschafft hat ihn das Bauamt. Einmal geliefert, mussten der Brunnen restauriert und die Wasseranschlüsse neu gemacht werden. Ein Fall für das Löwen-Team: Der pensionierte Brunnenrestaurateur Rolf Obrecht hat die Arbeit innerhalb von einem Jahr zusammen mit dem ehemaligen Grossküchenmonteur Willi Seiler erledigt. «Ich staune, wie fachmännisch die beiden den Brunnen instand gebracht haben», sagt Edgar Widmer.

Ein Brunnen aus Muscheln und Haifischzähnen

Woher der Brunnen ursprünglich stammt, kann er nicht sagen. Der Mägenwiler Muschelkalk wird aber seit Generationen von der Firma Emil Fischer abgebaut und verarbeitet. Früher kam das Gestein von einem Steinbruch bei Mägenwil, heute aus Othmarsingen. Im Kanton Aargau hat es bauhistorische Bedeutung. So wurde das Gebäude der Schweizerischen Nationalbank in Zürich aus Mägenwiler Muschelkalk gebaut. Vor rund 20 Millionen Jahren hat sich das Gestein aus Kalkschalen von Muscheln, Schnecken und Haifischzähnen gebildet. Damit unterscheidet es sich von normalem Sandstein und macht es robuster gegenüber Verwitterung und Frostschäden.

In der Nacht, da bleibt der Brunnen ruhig

Der Brunnen vor dem Ortsmuseum Oftringen dürfte also eine ganze Weile plätschernd die Museumsbesucher begleiten. Ausser in der Nacht, da wird das Wasser aus Spargründen von der Gemeinde abgestellt.

Text&Bild: Lukas Lippert (28) absolviert die Ringier Journalistenschule und arbeitet als Volontär beim «Beobachter».

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