Grosi, machen wir spontan Digital Detox?

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Lara Zehnder (20) ist Ringier-Journalistenschülerin und arbeitet in der «Style»-Onlineredaktion.

Meine Oma ist zu meiner Freude endlich im Internet-Zeitalter angekommen und hat Whatsapp auf ihrem Smartphone installiert. Völlig begeistert schreibe ich ihr die erste Nachricht. Oma kommt online, liest – und geht offline. Doch eine Stunde später ploppt noch immer keine Message auf meinem Bildschirm auf.

Meine Altersgenossen und ich, besser bekannt als die umstrittene Generation Z, sind es uns gewohnt, dass wir in Sekundenschnelle eine Reaktion kriegen. Wer sich mehrere Stunden, geschweige denn Tage mit dem Antworten Zeit lässt, macht sich unbeliebt, wirkt asozial. Ausserdem macht sich Panik in mir breit: Hat meine Freundin ihr Handy verloren? Ist ihr etwas zugestossen? Oder noch schlimmer: Ist sie an einer Party, zu der ich nicht eingeladen wurde? Es regiert die Angst, etwas Wichtiges zu verpassen.

Damit mir nichts durch die Lappen geht, checke ich ununterbrochen Facebook- und Instagram-Seiten von Veranstaltern. Sie schlagen mir coole Events vor, die ich nicht verpassen will und soll. Also verplane ich jedes klitzekleine Zeitfenster. Spontanität? Ein Fremdwort. Lieber mehrere Treffen vereinbaren und später eins absagen. Die Hauptsache ist schliesslich, am Ende nicht abgekapselt und planlos zu Hause zu hocken.

Aber irgendwie ist Abkapseln momentan angesagt. Immer mehr meiner Freunde wandern durch vom Netz abgeschottete Berglandschaften und stellen später abfotografierte Polaroidbilder von ihrer Digital Detox ins Internet. Mit Landkarte aus Papier oder gar einem Kompass im Gepäck erleben sie eine Welt, die meinem Internet-affinen Umfeld normalerweise völlig fremd ist

Ich stimme zu: Die Flucht ins Offline klingt verlockend. Sie weckt das Gefühl innerer Ruhe und endloser Freiheit. Beides Empfindungen, die ich inmitten von Online-Kommentaren, Bildern und Videos ziemlich vernachlässigt habe. Doch eine handylose Reise in die Natur ist wie der Neustart-Knopf auf dem Smartphone: Alles runterfahren, das eigene Verhalten hinterfragen und dann mit frischer Energie wieder auf die Beine kommen. Na, wenn das mal nicht der Wunsch jedes gestressten, jungen Erwachsenen ist.

Allerdings lässt meine Oma nach zwei weiteren Stunden noch immer kein Wort von sich lesen. Ich mache mir Sorgen und rufe an. Völlig verständnislos erwidert Grosi am Telefon: «Muss ich denn da direkt antworten?» Nö, eigentlich nicht.

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