Sein Ehrgeiz treibt Fabian Blum bis an die Grenze – und nach Tokio?

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Fabian Blum ist auf der Tartanbahn zu Hause. (Bild: gif)

Beim 100-m-Rollstuhl-Sprint entscheiden die ersten Meter über Erfolg oder Misserfolg. Das weiss der Pfaffnauer Para-Leichtathlet Fabian Blum ganz genau. Ein guter Start ist zentral – nicht nur beim Rennen, sondern auch in der Saisonvorbereitung. «Diesen Sommer will ich über die Ziellinie im Paralympischen Stadion in Tokio rollen», sagt Blum mit einem Glänzen in den Augen. Deshalb trainiert der 24-Jährige ein halbes Jahr vor dem Megaevent an fünf bis sechs Nachmittagen pro Woche in Nottwil.

Seine mit Hornhaut überzogenen Hände zeigen: Blum schont sich nicht. «An den Rennen in Dubai Ende März und Nottwil Ende Mai habe ich weitere Chancen, mich für die Paralympics in Tokio zu qualifizieren», sagt Blum. «Darauf will ich perfekt vorbereitet sein.»

Er will an der Weltspitze mitfahren
Der Pfaffnauer steht erst vor seiner vierten Saison als Rollstuhlleichtathlet, seiner dritten als Nationalkadermitglied. Das Jungtalent fuhr 2018 – in seiner zweiten Rollstuhl-Saison – EM-Silber über 1500 Meter ein. Die Medaille steht bezeichnend für seinen Ehrgeiz: Blum will an der Weltspitze mitfahren. Vier Jahre zuvor hätte er nicht im Traum daran gedacht. 2014 verunfallte der frühere Kunstturner bei einem Doppelsalto vom Minitrampolin. Er landete auf dem Kopf, ist seither von der Brust abwärts gelähmt.

Die Räder an Blums Rollstuhl brachten seine Welt wieder zum Drehen. «Dank dem Sport habe ich nach meinem Schicksalsschlag wieder ins Leben zurückgefunden», erinnert sich Blum. «Anfangs waren noch alle schneller als ich.» Doch mit jedem Training kam Blum näher an die Zeiten seiner Kollegen heran. «Das hat mich motiviert, immer härter an mir zu arbeiten.» Der Neuling merkte schnell, dass er das Zeug zu einem erfolgreichen Rollstuhl-Sportler hat.

An der WM im letzten Jahr fuhr er über 100 Meter wieder in die Top 10. Einzig Verletzungen machten ihm in der Vergangenheit zu schaffen. «Mein linker Arm ist vom Unfall stärker beeinträchtigt als der rechte», sagt Blum und zieht die Pulloverärmel zurück. Der sichtlich weniger bemuskelte linke Unterarm kommt zum Vorschein. «Die wenigen Muskeln, die ich links noch habe, können den Kräfteunterschied zu rechts mittlerweile kompensieren», sagt Blum stolz.

Allerdings ist der linke Arm verletzungsanfälliger. Schon mehrmals haben ihn Sehnenentzündungen zu Pausen gezwungen. «Mein Perfektionismus und Ehrgeiz treibt mich bis an die Grenze – und manchmal auch darüber hinaus», sagt Blum, der sich manchmal selbst bremsen muss, dass er seinen Arm nicht überbeansprucht.

Auf dem eigenen Boot mit dem Bruder abschalten
Etwas Distanz zu seinen sportlichen Ambitionen schafft Blum bei seiner Arbeit als Elektroplaner. Der gelernte Elektroinstallateur konnte nach dem Unfall eine Weiterbildung beginnen und arbeitet jeweils vormittags im Büro seines Lehrbetriebs. Blum ist gerne Handwerker gewesen, hätte sich auch eine Karriere auf dem Bau vorstellen können. Aber er ist sehr dankbar, dass die Firma ihn unterstützte und weiter beschäftigte. Sein Umfeld bedeutet ihm sehr viel. So begleitet er seinen Turnverein noch immer zu Wettkämpfen, letztes Jahr etwa ans Eidgenössische Turnfest nach Aarau.

Will Blum komplett abschalten, widmet er sich seinem liebsten Hobby: dem Fischen. Gemeinsam mit seinem Bruder fährt er fast jedes Wochenende auf den Neuenburger- oder Vierwaldstättersee. Blum besitzt ein rollstuhlgängiges Boot, das er in der Fernsehsendung «Happy Day» geschenkt bekommen hat. «Mit diesem können wir mit bis zu zwölf Angeln gleichzeitig fischen», erzählt er. Eine Vorrichtung, die die Angelhaken vor dem Verheddern schützt, hat der Handwerker eigenhändig angefertigt. Auch beim Fischen ist Blum Perfektionist: «Ich will am Morgen in der Früh, noch vor Sonnenaufgang, auf dem See sein. Dann beissen die meisten Fische an.»

Wenn der 24-Jährige etwas macht, macht er es richtig. Mit Rückschlägen hadert er. Dann steht ihm seine Freundin Alexandra Helbling, ebenfalls Para-Leichtathletin, aber zur Seite. «Sie hilft mir, mich wieder auf das Wesentliche fokussieren zu können, vorwärts zu schauen und nicht über Vergangenes nachzudenken», sagt Blum. Damit meint er nicht seinen Unfall. Den hat der Pfaffnauer längst abgehakt. Der Vollblutsportler spricht damit schlechte Resultate oder verpasste Chancen auf der Tartanbahn an. Die Möglichkeit, an den Paralympischen Sommerspielen teilzunehmen, will er unbedingt packen. Wer weiss, vielleicht rollt er in Tokio sogar als Erster über die Ziellinie.

Fabio Giger (22) absolviert die Ringier Journalistenschule, hat an der ETH Agrarwissenschaften studiert und ist nun Volontär bei Blick Wirtschaft.

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