«Wir machen das Beste daraus»: So erleben die Menschen im Oberwiggertal den Lockdown

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Ueli Müller darf seinen Blumenladen in Reiden nicht mehr öffnen. Kurzerhand stellte er Blumen und Pflanzen nach draussen. Bilder: rzu
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«Der Umsatz ist heftig eingebrochen», klagt Imbissbudenbesitzer Armend Tahiri.
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Lukas Aecherli kann nicht an die Universität und erledigt deshalb Einkäufe für seine Grosseltern.

Lukas Aecherli hat gute Laune. Der Philosophiestudent und Social-Media-Manager aus Reiden kommt soeben vom Einkauf für seine Grosseltern. Da sein Unterricht zurzeit online stattfindet, erspart er sich das Pendeln an die Universität Luzern. Morgens war er bereits joggen. «Es fühlt sich schon komisch an – nur wenige Menschen unterwegs; als wäre Sonntag.»

Lukas Aecherli war die letzte Person, die ich am Dienstag auf einem Streifzug von Sursee bis Zofingen auf der Strasse angetroffen habe. Nach der Bekanntgabe des bundesweiten Lockdowns am Montag wollte ich vorerst keinen Zug mehr besteigen. Also plante ich, mit dem Velo von meinem Wohnort Luzern nach Zofingen zu fahren und Eindrücke aus den «Geisterdörfern» zu sammeln. Aus zeitlichen Gründen fuhr ich bis Sursee schliesslich doch zaudernd Zug.

Ein Kind schreit, eine Sau grunzt. Alles normal?

Ich bin nicht alleine mit meiner Unsicherheit. Das zeigt sich bereits beim Anblick eines Cafés in Sursee: innen aufgestuhlt, aussen nicht. Vielleicht war es auch einfach ein gewiefter Wirt, der kurzerhand auf Take-away umstellte, wie sich später auch an weiteren Beispielen zeigt. In sonntäglicher Stimmung fahre ich von Sursee nach St. Erhard. Der Verkehr auf der Ringstrasse ist ungebremst hoch. Zwei Easyrider lassen ihre Motoren aufheulen. In einem Wohnquartier schreit ein Kind, auf einem Bauernhof grunzt eine Sau. Alles normal?

Nein. Das zeigt sich ab dem ersten Restaurant an der Hauptstrasse in St. Erhard. «BIS AUF WEITERES GESCHLOSSEN. ‹BAG› BESCHLUSS» steht auf einem Schild. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei sämtlichen Restaurants an der Hauptstrasse. Von St. Erhard bis Wikon, vom «Mostkrug» bis zum «Adelboden». Restaurants sind von der Corona-Krise besonders gebeutelt, da die Geselligkeit ihr Geschäft ist.

Der Lockdown hat auch in Buchs geringe Auswirkung

Die Wirtin des Restaurants Eintracht im nächsten Dorf Buchs wirkt resigniert. Sie öffnet das Fenster und meint lakonisch: «Ich kann niemanden hereinlassen.» Auf die Frage, welche finanziellen Konsequenzen auf sie zukommen, sagt sie: «Keine Ahnung.»

Ansonsten sind die Auswirkungen des Lockdowns auf das öffentliche Leben in Buchs nicht allzu gross, bestätigt mir eine Frau, die unterwegs ist. «Ich fühle mich jedenfalls nicht eingeschränkt – ich habe mehr Bewegungsfreiheit als jemand, der in der Stadt wohnt.» Das Virus mache die Menschen ein bisschen demütiger. Das finde sie gar nicht so schlecht.

Vater spielt vergnügt Fussball mit Kindern

In den Zentrumsgemeinden Dagmersellen und Reiden spürt man, dass weniger läuft. Auch häufen sich hier die weissen Zettel, die an den Türen geschlossener Läden hängen. Geöffnet hat das Imbissrestaurant «Vienna Imbiss». Imbissbuden dürfen gemäss Bund nach wie vor offen sein. Der Betreiber Armend Tahiri ist aber verunsichert. «Der Umsatz ist heftig eingebrochen», sagt der Mann mit kräftigen Oberarmen. Er müsse nun seine Versicherung kontaktieren, ob sie dafür aufkämen. Erfreuter sieht ein paar Meter weiter ein Vater aus, der mit seinen Kindern vor dem Haus Fussball spielt.

Ueli Müller quält die Situation indes ebenfalls. Seinen Laden darf der Besitzer des Blumenhauses Müller in Reiden nicht mehr öffnen. Er hat jedoch einen Schritt nach vorne gewagt. Als ich mit dem Velo vorbeifahre, stellt er mit seinem Team kurzerhand Blumen, Pflanzen und eine Kasse nach draussen und richtet so einen Ort der Selbstbedienung ein. Daneben biete er auch Hauslieferdienst und Take-away an, ergänzt der Mann in Outdoorjacke. Die unternehmerische Ungewissheit sei zwar da. «Aber wir machen das Beste daraus.»

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