Olympia 2020: Dabei sein ist nicht für alle alles - UPDATE: Spiele werden verschoben!

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Michael Wyss vs. Melanie Gamma.

Michael Wyss: Auf was genau wartet das Internationale Olympische Komitee (IOC) noch? Alles andere als eine Absage oder Verschiebung der Olympischen Sommerspiele in Tokio ist wohl näher an Träumerei denn an Realismus. In genau vier Monaten sollten die Spiele beginnen, bis dahin gäbe es aber noch enorm viel zu tun – für die Organisatoren und für die Athletinnen und Athleten. Jede Woche, in der die Menschen aber zuhause bleiben müssen, fehlt am Schluss. Nur schon eine faire Qualifikation ist aus meiner Sicht nicht mehr möglich.

Melanie Gamma: Ich verstehe das IOC und dessen Ankündigung vom Sonntag, vier Wochen abzuwarten, ehe über eine Verschiebung entschieden wird. Vielleicht entspannt sich die Lage ja bis dann doch noch. Nach der Zeit, in der wir alle auf Abstand gehen mussten, wäre ein völkerverbindender Grossanlass doch extrem wertvoll. Und in vielen Sportarten sind die Olympioniken bereits selektioniert, in anderen Disziplinen muss das IOC mit den Weltverbänden punkto Limiten und Selektionen halt kreativ werden.

Mwy: Kreativität ist in vielen Bereichen absolut wünschenswert, wenn es um Selektionen geht aber keineswegs. Jede Sportlerin und jeder Sportler muss zumindest ähnliche Chancen haben, sich den Traum von den Olympischen Spielen erfüllen zu können. Ausserdem planen alle Athletinnen und Athleten mittlerweile auf die Woche genau, um am Tag X möglichst optimal in Form zu sein. Momentan muss man aber so kreativ sein, um sein Leben auch nur einigermassen normal gestalten zu können, dass die für Sportlerinnen und Sportler so wichtige Kontinuität nicht aufrechtzuerhalten ist.

Gam: Warum soll es Profisportlern anders gehen als anderen Berufsleuten? Auch sie müssen aktuell lernen, dass nicht alles im Leben planbar ist und sich in neue Situationen schicken. Eine Verletzung kann den Trainingsplan auch über den Haufen werfen, sodass man umdenken muss. Derzeit plant das IOC, die fehlenden Selektionen zeitnah zu den Spielen nachzuholen. Dann sind die Leistungen gar repräsentativer als die vor ein paar Wochen erzielten Resultate.

Mwy: Profisportler ist eben nicht das Gleiche wie Bäcker oder Journalist. Es geht an der absoluten Spitze um Kleinigkeiten, die zwischen Sieg und Niederlage entscheiden. Da muss jedes Rädchen ins andere greifen, ein paar Wochen Vorbereitung reichen da bestimmt nicht. Das zeigt auch der Umstand, dass sich jeden Tag mehr Sportlerinnen und Sportler dafür aussprechen, zumindest in diesem Jahr keine Olympischen Spiele in Tokio auszutragen.

Gam: Es gibt auch andere, die klar davon sprechen, dass sie weiterhin fokussiert auf ihr Ziel, die Olympia-Teilnahme 2020, hinarbeiten. Ich würde es genauso machen. Sportlerinnen und Sportler sind doch Meister der mentalen Stärke, Meisterinnen des Ausblendens. So müssten sie derzeit im Rahmen all ihrer speziellen, eingeschränkten Möglichkeiten trainieren, um bereit zu sein, falls Tokio doch zum Place to be wird im Spätsommer. Dass einige Nationen bereits einen Boykott der Olympischen Spiele angekündigt haben, ist IOC-Erpressung.

Mwy: Ich würde nicht von Erpressung der einen Seite sprechen, sondern von richtiger Einschätzung der Lage der anderen Seite. Es ist ja klar, um was es dem IOC vor allem geht: Um das liebe Geld. Das ist nicht weiter erstaunlich, wenn man weiss, was für Beträge im Raum stehen. Aber ich denke, zumindest einmal muss der Sport das Monetäre in den Hintergrund stellen.

Gam: Wer garantiert, dass Covid-19 im Jahr 2021 nicht zurückkommt, oder dass wir dann einen Impfstoff haben? Lassen wir die Spiele stattfinden. Halt nicht mit dem Gedanken «schneller, höher, stärker», sondern mit jenem: «dabei sein ist alles.» Als Fest des Sports und des hoffentlich gesunden Miteinanders.

Was halten Sie von der Absage der Oympischen Spiele?

Update 24. März: Japans Ministerpräsident Shinzo Abe hat Thomas Bach, den Präsidenten des Internationale Olympischen Komitees (IOC), wegen der Corona-Virus-Pandemie um eine Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio um ein Jahr auf 2021 gebeten. Bach habe dem bereits zu hundert Prozent zugestimmt, erklärte Abe. Allerdings muss die Verschiebung noch von der IOC-Exekutive abgesegnet werden.

Die bevorstehende Verschiebung ist ein historischer Entscheid. Eine Absage gab es in der Vergangenheit dagegen schon einige Male. Im Ersten Weltkrieg wurden die Sommerspiele 1916 (Berlin), im Zweiten Weltkrieg die Sommerspiele 1940 (Tokio) und 1944 (London) sowie die Winterspiele 1940 (Cortina d'Ampezzo) und 1944 (Sapporo) gestrichen. (sda)

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