Erst 3 von 100 Aargauer Betten der Intensivstationen sind belegt – so rüsten sich die Spitäler auf die Epidemie

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Noch liegt nur ein Dummy im Intensivbett mit Beatmungsstation am Kantonsspital Aarau – dies könnte sich aber schon bald ändern. © Colin Frei

Gemäss einer Auswertung der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität hat die Schweiz pro 100'000 Einwohner rund 85 Coronavirus-Erkrankte, was im Verhältnis zu anderen Staaten sehr viel ist. Auch bei der Sterberate pro 100'000 Einwohner zählt die Schweiz mit 1,15 Personen zu den stark betroffenen Ländern.

Dennoch kann die Schweiz, konkret auch Nachbarkantone des Aargaus, derzeit noch grenzüberschreitend Hilfe leisten. So wurden mehrere Corona-Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf aus dem Elsass in Spitäler in den Kantonen Basel-Stadt, Basel-Land und Jura verlegt.

Auch im Aargau wäre dies momentan noch möglich: Gemäss dem aktuellsten Lagebulletin vom Montag sind momentan zehn Personen in Spitalpflege, die an Covid-19 leiden. Drei davon werden laut der kantonalen Taskforce auf Intensivstationen behandelt, zwei dieser Patienten müssen künstlich beatmet werden.

Damit ist die Kapazität der Aargauer Spitäler, die ihre Intensivpflegeplätze mit Beatmungsgeräten von 46 auf 100 aufgestockt haben, noch bei weitem nicht ausgeschöpft. Auch die Lage bei der Beschaffung von Desinfektionsmitteln und Schutzmaterial wie Masken, Schürzen, Brillen und Handschuhen habe sich entspannt, teilt der kantonale Krisenstab mit.

Kantonsspitäler schaffen abgetrennte Corona-Station

Deutlich weniger positiv sind die Zukunftsaussichten für das Aargauer Gesundheitswesen. Schon am Freitag sagte Regierungsrat Jean-Pierre Gallati, es sei wahrscheinlich, dass wegen der Corona-Epidemie eine Überlastung der Spitäler drohe. Nun geht die Taskforce im aktuellsten Bulletin davon aus, dass in den kommenden zwei Wochen die Anzahl der nötigen Corona-Tests massiv ansteigen wird. «Dadurch werden auch vermehrt Covid-19-Patienten stationär behandelt werden müssen.» Dies wiederum führe zu einer gegenüber heute grösseren Belastung des Fachpersonals in den Spitäler und einem erhöhten Verbrauch an Schutzmaterial, schreibt der Kanton.

Am Kantonsspital Aarau wurde die Zahl der Beatmungsplätze mit Blick auf die Corona-Krise von 26 auf 42 aufgestockt. Dafür wurde am Spital unter anderem ein ganzer Trakt, der zuvor für Privatpatienten genutzt wurde, in eine spezielle Corona-Station umgewandelt. Derart kurzfristig zusätzliche Beatmungsplätze zu schaffen, sei schon ziemlich aufwendig, noch schwieriger sei es aber, diese mit qualifiziertem Personal zu besetzen, sagt Robert Rhiner, der CEO des Kantonsspitals Aarau.

«Die Arbeit auf der Intensivstation ist physisch und psychisch sehr anspruchsvoll», hält er fest. Ausserdem sei die Umstellung auf den Notbetrieb, um Platz für Corona-Fälle zu schaffen, eine logistische Herausforderung.

Das Kantonsspitals Baden (KSB) hat laut Sprecher Omar Gisler alle notwendigen Massnahmen eingeleitet, um die Kapazitäten für Corona-Verdachtsfälle und erkrankte Personen sicherzustellen und zugleich andere Patienten und Mitarbeitende zu schützen. Das KSB habe frühzeitig Massnahmen für die Behandlung von Covid-Patienten getroffen, erläutert Gisler.

«Im Notfallzentrum sind abgesonderte Räume geschaffen worden, um eine Triage vornehmen zu können. Die Wege von Covid- und Nicht- Covid-Patienten werden konsequent getrennt, um Patienten und Mitarbeitende zu schützen.» Die Bettenzahl auf der Intensivstation im KSB wurde laut dem Sprecher um vierzig Prozent erhöht. «Ausserdem ist für die Covid-Patienten vorerst ein Stockwerk reserviert.»

Vom Eintritt bis zur Bettenstation seien so sämtliche Ressourcen hochgefahren worden. Zudem wurden in Baden frühzeitig Medikamente und Materialien bereitgestellt. «All diese Ressourcen wurden bisher aber nur in geringen Mass beansprucht, insbesondere die Betten der Intensivpflege», hält der Spitalsprecher fest.

Dem KSB sei es bisher gelungen, sich den ausserordentlichen Umständen der Corona-Pandemie anzupassen und sowohl Covid- als auch anderen Patienten eine adäquate Behandlung zu bieten. «Wir unternehmen alles, damit dies auch in den kommenden Wochen gelingen wird», verspricht Gisler.

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