Über den eigenen Tod mitbestimmen mittels Patientenverfügung

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Egal, für welche Patientenverfügung man sich entscheidet: Wichtig ist der Einbezug einer Vertrauensperson. Bild: Philipp Muntwiler
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«Wenn es nicht mehr geht, geht es halt nicht mehr.» Dilli Schaub, ehemalige Stadträtin in Zofingen (Archivbild ZT)

Will ich bei einem Herzinfarkt trotz einer schlechten medizinischen Prognose wieder reanimiert werden? Was ist mir wichtiger: Lebensverlängernde Massnahmen inklusive der Beschwerden, die daraus entstehen können oder lediglich die Linderung belastender Symptome?

Diese und ähnliche Fragen rücken bei einer Krisensituation wie derjenigen mit Covid-19 vermehrt wieder in den Vordergrund. Viele möchten ihr eigenes Ende selbstbestimmt erleben. Patientenverfügungen helfen dabei, weil man darin festlegt, welche medizinischen Behandlungen man im Falle der eigenen Urteilsunfähigkeit wünscht. «Entscheidend ist, dass man sich überlegt, was einem wichtig ist für das Leben und für das Sterben, das heisst, dass man eine Werteerklärung erstellt, damit die Angehörigen zusammen mit den behandelnden Ärzten die richtige Entscheidung treffen können», sagt Xaver Wittmer. Er amtet als Bereichsleiter Sozialberatung in der Pro Senectute Aargau. Gleichzeitig werden dabei die Ärztinnen und Ärzte entlastet, die vor allem bei einer Überbelastung des Gesundheitssystems keine Entscheidungen über Leben und Tod fällen müssen. Bei der Patientenverfügung gibt es laut Wittmer keine Formvorschriften. Man kann also entweder eine der Vorlagen aus dem Internet brauchen oder man verfasst die Verfügung von Hand in Briefform. Wichtig dabei ist, dass das Dokument datiert und unterschrieben ist.

Unter keinen Umständen alleine entscheiden

Die dafür notwendigen Entscheide sollten laut Xaver Wittmer unbedingt mit einer Vertrauensperson besprochen werden. «Ich rate strengstens davon ab, alleine zu entscheiden.» 

Sonja Geissmann vom Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) im Kanton Aargau rät gar zu einem Beratungstermin: «Im persönlichen, vertraulichen Beratungsgespräch werden Erwartungen und Wünsche geklärt und eindeutig festgehalten.» Im Falle einer Pandemie-Zeit, wie wir sie jetzt erleben, könne man die Patientenverfügung auch ohne Beratung ausfüllen. Die Eindeutigkeit der Formulierungen sollte jedoch von einer Gesundheitsfachperson gegengeprüft werden. «Die Patientenverfügung dient den medizinischen Fachpersonen als Orientierung in schwierigen Entscheidungssituationen. Wichtig ist deshalb eine präzise und widerspruchsfreie Formulierung», so Geissmann.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Hinterlegung der Patientenverfügung, damit sie im Notfall auch gefunden wird. Verschiedene Institutionen wie das SRK oder die Online-Plattform Evita bieten diesen Service an. Man kann die Patientenverfügung aber auch zu Hause an einem gut auffindbaren Ort deponieren. Sonja Geissmann vom SRK empfiehlt zusätzlich die Angehörigen über seinen Willen zu informieren und eine Kopie der Patientenverfügung bei ihnen zu hinterlassen. So ist man mehrmals abgesichert.

Wie gehen Kinder damit um, wenn ihre Eltern keine lebensverlängernden Massnahmen wünschen? Dilli Schaub, ehemalige Stadträtin in Zofingen, und ihr Ehemann Hugo haben bereits vor 18 Jahren ihre Patientenverfügung geschrieben. «Ich bin ein sehr positiver Mensch. Aber wenn es nicht mehr geht, geht es halt nicht mehr», so die 83-Jährige. Sie und ihr Mann möchten im Falle einer unvorhergesehenen Situation keine lebensverlängernden Massnahmen. «Ich habe vier sehr weltoffene Kinder, die kein Problem mit unseren Wünschen haben.» Obwohl sie keine Angst vor dem Tod habe, möchte sie nicht an diesem Virus sterben. Deshalb gehen seit Wochen Nachbarn, Freunde und die Kinder für sie einkaufen. Den grössten Teil ihrer Freizeit verbringt sie mit ihrem Mann in der Wohnung. «Manchmal fahren wir mit unserem Auto zu einem schönen Plätzchen, an dem niemand anderes ist.» Das Fischen mit dem Sohn in Österreich und das Reisen mit Freunden: Alles habe sie abgesagt, wie so viele andere auch.

«Es ist eine emotionale Situation»

Weder Sonja Geissmann vom SRK noch Xaver Wittmer von Pro Senectute hätten eine extreme Zunahme an gewünschten Patientenverfügungen gespürt. Wie ratsam ist es überhaupt, in einer Krisensituation eine Patientenverfügung zu machen? «Man muss sich vor Augen führen, dass es eine emotionale Situation ist und man die Welt allenfalls in einem halben Jahr wieder anders sieht», so Wittmer. Normalerweise rät er, die Patientenverfügung mindestens alle zwei Jahre wieder in die Hand zu nehmen und zu entscheiden, ob die darin geäusserten Wünsche noch den aktuellen entsprechen. «Wenn man jetzt eine Patientenverfügung macht, sollte man aber schon nach ein paar Monaten schauen, ob sie noch stimmt.»

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