«Ich brauche einen Ball»: Wie Amateurfussballer mit der Corona-Pause umgehen

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Sinnbildlich: Der Verzicht auf den Fussball fällt Köllikens Trainer Marco Wüst schwer. (Bild: Otto Lüscher)

Seit einem Monat ruht der Fussball in der Schweiz. Daran ändert sich vorerst nichts: Wegen der Corona-Pandemie sind Trainings- und Spielbetrieb noch mindestens bis 30. April verboten. Dass die schönste Nebensache der Welt zurzeit nicht stattfindet, macht auch den regionalen Fussball-Protagonisten zu schaffen. «Es fehlt ein Fixpunkt im Leben», sagt Marco Wüst. Man merke jetzt, welch ein Privileg es sei, sein Hobby zusammen mit Kollegen ausüben zu können. «Aber», betont der Trainer des Zweitligisten FC Kölliken, «es gibt momentan Wichtigeres im Leben.»

Als der Bundesrat die «ausserordentliche Lage» erklärt hatte, riet Marco Wüst seinen Spielern, die Massnahmen zur Eindämmung des neuen Corona-Virus zu befolgen. «Ich schrieb ihnen in unserem Gruppenchat, solidarisch zu sein und dass sie zuhause bleiben sollen», so Wüst. Auch ein Fitnessprogramm hat er seinen Schützlingen zugestellt, ohne aber die Resultate einzufordern. «Es wäre jedoch schön, wenn die Spieler ab und zu ein Video von ihrem Training in den Chat stellen, um andere anzuspornen», hofft Wüst.

Statt Abstiegskampf ist Eigeninitiative gefordert
Beim FC Oftringen – gegen den der FC Kölliken vorgestern Samstag in der Rückrunde gespielt hätte – setzt Zelimir Skopljak, der seit der Winterpause als Spielertrainer fungiert, ebenfalls auf die Eigenverantwortung. «Ich kenne die Jungs gut und verlange keine Beweise von ihnen», sagt Skopljak. Dass einige Spieler aktiver seien als andere, sei in Ordnung. «Wenn wir die Saison doch noch zu Ende spielen sollten, braucht es sowieso genug Zeit für die Vorbereitung», sagt er.

Mehr Mühe hat Skopljak damit, dass sich der FCO dem Abstiegskampf nicht stellen kann. «Wir haben viel investiert und in den Testspielen gute Resultate erzielt. Ich hätte die Rückrunde gerne in Angriff genommen», sagt der Trainer des Schlusslichts.

Gar als «deprimierend» bezeichnet Foti Konstantin die Situation. «Es ist wie in der Winterpause», sagt der Vizepräsident des FC Rothrist. Um bestens gerüstet in die Zweitliga-Rückrunde zu starten, sei die Mannschaft von Trainer Oscar Muino extra für ein paar Tage in die Nähe von Malaga (Sp) gereist. «Alle freuten sich und waren motiviert», erzählt Konstantin und meint damit auch sich und seine Vorstandskollegen. Mit diesen tausche er sich wöchentlich telefonisch aus, schliesslich wolle man bei einem allfälligen Ende der Zwangspause nicht auf dem falschen Fuss erwischt werden.

Auch der tägliche Kontakt zu den Mitspielern fehlt
Zum doppelten Nichtstun gezwungen ist Robert Majic. Der Captain des 2.-Liga-inter-Klubs SC Zofingen darf weder Fussball spielen noch zur Arbeit gehen. Der Mitbesitzer einer Restaurantkette musste alle vier Filialen bis 19. April schliessen und Kurzarbeit für sich und seine Angestellten anmelden. Das hat vor allem für sein Unternehmen finanziell drastische Auswirkungen. «März und April sind unsere umsatzstärksten Monate», sagt Majic. Weil die Einnahmen fehlen, laufen Gespräche mit den Liegenschaftsbesitzern bezüglich des Bezahlens der Miete.

Nicht nur aus beruflicher Sicht hofft Majic deshalb, dass bald wieder Normalität einkehrt. «In der Sommer- und Winterpause geniesse ich es, zuhause zu sein und nicht trainieren zu müssen. Jetzt ist es richtig mühsam», sagt er. Insbesondere den Kontakt zu seinen Mitspielern vermisst der Mittelfeldakteur – denn das Training auf persönlicher Basis liegt ihm überhaupt nicht. «Wir haben ein Fitnessprogramm erhalten, aber jeden Tag zu joggen ist mir zu eintönig. Ich brauche einfach einen Ball», sagt Majic.

Auch Basil Gmür von Zofingens Meisterschaftskonkurrent SC Schöftland vermisst den Fussball sehr. Nachdem der Stürmer beim FC Baden in der Vorrunde nicht die gewünschte Einsatzzeit erhielt, kehrte er in der Winterpause voller Motivation zu seinem Stammklub zurück. «Ich habe richtig darauf gebrannt, dass es losgeht», sagt Gmür.

Jetzt werde seine Geduld an sonnigen Samstagen auf die Probe gestellt. «Mir fehlt nicht nur das Spiel an sich, sondern auch das Umfeld des Vereins oder der Betrieb an einem Matchtag», so Gmür, der nun öfters zuhause aufs Laufband oder mit seinen Schwestern für eine gemeinsame Tour aufs Velo steigt. Trotz allem zeigt Basil Gmür viel Verständnis. «Wichtig ist jetzt, dass wir alle gesund bleiben», sagt er.

Ein vorzeitiges Ende wäre für alle am sinnvollsten
Einig ist sich das Quintett bei der Frage, ob die Saison zu Ende gespielt werden soll. «Ein Abbruch und im Sommer wieder von vorne zu beginnen, wäre am sinnvollsten. Alles andere ist nicht fair», sagt Robert Majic. Werde im Sommer durchgespielt, bekämen viele Klubs die Ferienabsenzen zu spüren. «Dann ist es unmöglich, den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten», sagt Foti Konstantin, der als «Ersatz» ein Vorbereitungsturnier mit Klubs aus der Region vorschlägt. «Das würde den Zusammenhalt in der Gegend fördern und für mehr Spannung sorgen», ist Konstantin überzeugt. Auch Zelimir Skopljak würde einen Stopp befürworten. «Wir sind im Amateurbereich, hier steht der Spass im Vordergrund.»

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