Jetzt wird halt zur Kundschaft nach Hause gepurzelt

Purzelbaum_TFuerst.jpg
Caroline Graber in ihrem Geschäft an der Zofinger Rathausgasse beim Rüsten der Ware, die später ausgeliefert wird. (Bild: Thomas Fürst)

Zofingen, Rathausgasse 8, Freitagvormittag. Caroline Graber kauert auf dem Boden ihres Ladengeschäfts und überblickt die Ware, die am Nachmittag ausgeliefert werden soll: Bücher, Spiele, Spielsachen. Sack für Sack füllt sich; später belädt Caroline Graber damit ihr Auto und geht auf Tour.

Die 43-Jährige ist Inhaberin des «Purzelbaums»; das Geschäft ist Buchhandlung und Spielwarengeschäft in einem. Der Laden ist fast so alt wie Graber selbst: «Dieses Jahr hätten wir den 40. Geburtstag gefeiert. Wir müssen jetzt schauen, was daraus wird», sagt sie.

Graber hat sich mit dem «Purzelbaum» einen Traum erfüllt. Sie besuchte das Lehrerseminar und arbeitete zunächst viele Jahre als Lehrerin. Vor 16 Jahren hat sie das Geschäft als Quereinsteigerin übernommen. «Ich wollte schon immer eine Buchhandlung», sagt sie. Der Name «Purzelbaum» klinge zwar nach einem Geschäft für Kinder. «Wir sind aber auch eine ganz normale Buchhandlung», betont Graber. Vor allem Krimifreunde kommen bei ihr auf ihre Rechnung. Bis gestern vor zwei Wochen.

Der Shutdown hat das Leben der Unternehmerin auf den Kopf gestellt. Zwar habe sie damit gerechnet – «ich halte es auch für die richtige Massnahme und stehe voll und ganz dahinter», sagt sie. Obwohl sie nicht total überrascht worden sei, habe sie die erste Nacht nicht gut geschlafen: «Ich wusste ja nicht, was mich erwartet.»

Inzwischen hat sie ihr Geschäft neu organisiert – und versucht für ihre Kundinnen und Kunden da zu sein so gut es nur geht. «Wir machen aus der momentanen Situation das Beste und purzeln jetzt einfach zu euch nach Hause!», heisst es auf ihrer Homepage und auf Facebook. Bestellungen sind vormittags telefonisch, im Onlineshop oder per Mail möglich. Am Vormittag sichtet Graber die Bestellungseingänge, nachmittags wird ausgeliefert. «Die zweite Woche des Shutdown bin ich schon ganz anders angegangen», sagt sie. «Ich habe mein System und meine Abläufe.» Nun lerne sie halt die Briefkästen ihrer Kundinnen und Kunden kennen. Beliefert werden nicht nur Leute ganz in der Nähe – auch nach Oensingen im Solothurnischen oder nach Willisau im Luzerner Hinterland ist sie schon gefahren.

Was die Corona-Krise wirtschaftlich für sie bedeutet, kann Graber noch nicht abschätzen. Für ihre drei Angestellten hat sie Kurzarbeit beantragt – erstaunlich unbürokratisch sei das gegangen. Dass auch sie selbst – als Inhaberin der GmbH – finanzielle Unterstützung erhält, sei eine grosse Erleichterung gewesen. «Wo wir umsatzmässig stehen, werde ich erst im Laufe des Aprils sehen», sagt sie. Grosse Löcher sind aber absehbar.

Verzweifelt ist sie deswegen nicht: «Ich glaube, unsere Behörden managen die Krise gut. Man fühlt sich vom System getragen», sagt Graber. Früher habe sie sich immer über die Höhe der Steuerrechnungen geärgert. «Das sehe ich dieses Jahr anders; ich werde die Steuern mit einem anderen Gefühl bezahlen», sagt sie.

Und sie ist zuversichtlich, dass der «Purzelbaum» diese Krise überlebt. «Gerade jetzt erfahre ich täglich, wie sehr die Kundinnen und Kunden schätzen, was wir aufgebaut haben.»

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.
Keine Kommentare vorhanden
Heute auf zofingertagblatt.ch
Frage des Tages
Marktplatz
regiostellen.ch
Haushälterin, Mitarbeiter,
Suter Samuel
Mithilfe im Pferdestall, Mitarbeiter,
Bachmann Bauunternehmung AG
junger Maurer, 4814 Bottenwil, Mitarbeiter, Bottenwil
Allenspach Medical AG
Social Media & Online Marketing Manager, 4710 Balsthal, Mitarbeiter, Balsthal
Zweckverband ARA Falkenstein
Klärwärter/in, 4702 Oensingen, Mitarbeiter, Oensingen
Zaugg AG Rohrbach
Bauschreiner, 4938 Rohrbach, Mitarbeiter, Rohrbach
regioimmo.ch
Abo-Service

Normal-Abo (e-Paper/Digital inkl.)

Schnupper-Abo / Probe-Abo

Digital-Abo

Leserangebote
Partner