Der Zonta-Club «Lula» wird 30 Jahre alt

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Kathrin Grob-Herzog (Mitte) im Gespräch mit anderen Clubmitgliedern. Bilder: zvg
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Grob-Herzog war eine der ersten Frauen im Luzerner Polizeikorps.

Der Kanton Luzern feiert dieses Jahr 50 Jahre Frauenstimmrecht. Dass sich gerade auch Frauen im ländlichen Luzern weltweit engagieren und vernetzen, zeigt das Beispiel des Zonta-Clubs Luzern-Landschaft. Eines Clubs, der international eingebettet ist und so berühmte Mitglieder wie die US-amerikanische Flugpionierin Amelia Earhart hatte, deren Namen aber hier noch immer viele nicht kennen.

Initiative der Gettnauerin Kathrin Grob-Herzog

«Starke Frauen gibt es überall.» Das war einer der Leitsätze der Gettnauerin Kathrin Grob-Herzog, die Anfang der 60er-Jahre – noch bevor die Luzernerinnen 1970 das kantonale Stimmrecht erhielten – zu den ersten Frauen im Luzerner Polizeikorps gehörte.

Die Seniorin, die im April ihren 89. Geburtstag feiern wird, mag zurzeit aufgrund der Corona-Bestimmungen abgeschirmt sein, in ihrem Leben jedoch hat sie viele Menschen berührt und zusammengebracht. Zum Beispiel die Frauen im ländlichen Luzern, in Willisau, Sursee – und in Reiden.

Denn Kathrin Grob-Herzog war die Initiantin eines Clubs für berufstätige Frauen, des Zonta-Clubs Luzern-Landschaft, der dieses Jahr sein 30. Jubiläum feiert. «Sie ist eine sehr gradlinige Person, klar und bestimmt», erzählt die Reiderin Pia Walder, die von Kathrin Grob-Herzog als Gründungspräsidentin rekrutiert wurde, und erklärt, dass Zonta eigentlich eine internationale Frauen-Organisation ist, die aus lokalen Clubs besteht.

Engagement für die Rechte und den Status von Frauen

Das Ziel der Clubs ist nicht nur eine Vernetzung starker Frauen, sondern ein globales Engagement für die Rechte und den Status von Frauen und Mädchen. So organisiert Zonta International zum Beispiel Projekte gegen die Beschneidung von Mädchen oder gegen Gewalt an Frauen.

Aber auch auf lokaler Ebene sind die Clubs aktiv, der Zonta-Club Luzern-Landschaft unterstützt immer wieder Institutionen wie das Luzerner Frauenhaus oder die Kinderspitex und veranstaltet Benefizanlässe, zum Beispiel für den eigenen Lula-Fonds, der hier in der Schweiz kranke Kinder im Spital beschenkt.

Vernetzung aufs Land hinausgetragen

Als der Zonta-Club Luzern-Landschaft – von den Mitgliedern kurz «Lula» genannt – gegründet wurde, feierte Kathrin Grob-Herzog bereits 25 Jahre des Bestehens mit dem städtischen Zonta-Club Luzern. Selbst in Grosswangen auf einem Bauernhof aufgewachsen, war für sie jedoch klar: «Starke, fortschrittliche Frauen gibt es nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Land.» Auch sie hatte sich wohl zu diesem Zeitpunkt bereits des Öfteren durchsetzen und beweisen müssen: Sie hatte nicht nur wie ihre männlichen Kollegen die einjährige Polizeirekrutenschule absolviert, sondern sich auch selbst die Ausbildung zur Sozialarbeiterin finanziert und erarbeitet. Ende der 60er-Jahre wechselte sie zur Berufsberatung der Invalidenversicherung und war später, nach der Heirat mit dem Gettnauer Gemeindeschreiber Anton Grob und einer Familienpause, in den 1970ern unter anderem als Sozialarbeiterin in der Wauwiler Strafanstalt tätig.

Die Reiderin Pia Walder lernte sie in den 1980ern auf Wahlveranstaltungen kennen, als sie für den Luzerner Grossrat kandidierte. «Kathrin nahm mich damals an eine Veranstaltung des Zonta-Clubs Luzern mit», erinnert sich diese. «Das war ein Schlüsselerlebnis. Da fragte niemand, wer ist dein Mann. Da fragten alle: Wer bist du?».

Dass man (respektive frau) bei Zonta als eigenständige Person wahrgenommen wurde und nicht sozusagen als «Anhängsel» des Ehemannes, überzeugte auch Antoinette Hess-Felber aus Sursee, die gegenwärtige Präsidentin des Zonta-Clubs Lula und ebenfalls Gründungsmitglied. «Ich hatte damals, fast zur gleichen Zeit, auch eine Anfrage vom Inner Wheel Club», erinnert sie sich und erklärt: «Das Kriterium für die Aufnahme bei Inner Wheel ist ja, dass der Ehemann im Rotary-Club ist. Bei Zonta dagegen zählen meine eigenen Qualifikationen. Somit war für mich die Entscheidung klar.»

Pia Walder reiste nach Dallas an die Convention

Kathrin Grob-Herzogs Initiative vernetzte die Frauen aus der Region aber nicht nur untereinander, sondern eröffnete auch ein Fenster in die Welt. «Obwohl wir die Charterfeier erst im September 1990 hielten, war Kathrin so gut organisiert, dass wir im Sommer bereits bei der internationalen Organisation registriert waren und ich nach Dallas an die Convention konnte», erzählt Pia Walder. «Ich lief dort durch das riesige Hotel und dachte, hier hätte ganz Reiden Platz. Aber unter den Zonta-Frauen fühlte man sich sofort willkommen.»

Das Gefühl, die Begeisterung, Teil einer grösseren Bewegung zu sein, die beschreibt auch Antoinette Hess-Felber. «Als Einzelkämpferin braucht man wahnsinnig viele Ressourcen, kämpft man zusammen für eine Sache, kann man einfach mehr erreichen», sagt sie und fügt an: «Diesen Elan müssen wir aufrecht zu erhalten versuchen und dafür den Club vielleicht auch wieder etwas verjüngen.»

Bänkli zu Ehren Grobs soll im Juli eingeweiht werden

Gleichzeitig aber gedenkt man auch der Anfangszeit – und will nun, zum 30. Jubiläum, die Club-Patin Kathrin Grob-Herzog mit einem Bänkli in Gettnau ehren. Dieses wird von Bowi in Willisau hergestellt und soll die Club-Farbe Gelb erhalten. Die Einweihung ist auf den Vormittag des 11. Juli geplant. Ob dies mit den gegenwärtigen Entwicklungen so stattfinden kann, ist im Moment eine offene Frage – die monatlichen Club-Abende, die auch Kathrin Grob-Herzog zwischendurch noch besuchte, musste der Zonta-Club Lula im März wegen des Corona-Virus aussetzen. Doch auch in Zeiten des «Social Distancing» halten die Club-Mitglieder Kontakt. So hat Präsidentin Antoinette Hess-Felber erst vor wenigen Tagen Briefe an alle Mitglieder verschickt. «Auch das gehört zum Zonta-Club», sagt sie, «dass man aneinander denkt und sich in schwierigen Zeiten hilft.» So darf sich auch Kathrin Grob-Herzog schon bald über Post freuen.

Zonta … wie bitte?

Zonta ist eine internationale Organisation für berufstätige Frauen, die 1919 in den USA gegründet wurde und sich weltweit für die Rechte und eine verbesserte Lebenssituation von Frauen und Mädchen einsetzt. Das Wort «Zonta» kommt aus der Sprache der Sioux (Lakota) und heisst «vertrauenswürdig, ehrenhaft». Zonta hat als Nichtregierungsorganisation (NGO) seit der Gründung der UNO dort den Beobachterstatus.

Konkret arbeitet Zonta International zum Beispiel mit UNICEF zusammen, um Kinderhochzeiten ein Ende zu setzen. Weitere Projekte sind die Kampagne «Zonta says no» gegen Gewalt an Frauen, das Hilfsprojekt für syrische Flüchtlingsfrauen in Jordanien «Eid bi Eid», oder der «Amelia Earhart Award», der Frauen in der Luft- und Raumfahrt unterstützt und fördert. Zonta International hat knapp 30 000 Mitglieder in über 60 Ländern. Diese sind in über 1000 lokalen Clubs organisiert – darunter auch über 20 Schweizer Clubs. Neben den internationalen Projekten von Zonta International unterstützt jeder Club wohltätige Projekte (besonders für Frauen) vor Ort in der eigenen Region.

Frauen aus der Region Willisau-Sursee-Reiden

Der Zonta-Club Luzern-Landschaft – auch kurz «Zonta Lula» genannt – vernetzt Frauen in der Region Willisau – Sursee – Reiden und darüber hinaus. Er feiert dieses Jahr sein 30. Jubiläum und hat momentan rund 40 Mitglieder. Im Vorstand sind aktuell: Antoinette Hess-Felber (Präsidentin, Sursee), Andrea Willimann Misticonti (Vizepräsidentin, Sursee), Andrea Marti-Lütolf (Finanzen, Willisau), Monika Widmer-Thürig (Sekretariat, Rothenburg) und Lucia Walthert-Zihlmann (Programm, Willisau).

Monatliche Treffen

 

Im Moment führt der Club aufgrund der Corona-Krise keine Anlässe durch. Unter normalen Bedingungen trifft er sich monatlich zu einem Abendessen mit Vortrag oder einem anderen interessanten Programm, und hält Kontakt über Lunches, und in Kommissionen wie der «Freundschaftskommission». Der Club veranstaltet ebenfalls lokale Benefiz-Anlässe. (cw)

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