Coronafalle Hallwilersee: Braucht es vor dem Ansturm vom Wochenende eine Sperre des beliebten Ausflugziels?

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Die meisten Rastplätze und Badestellen (das Wasser ist noch 7 Grad kalt) rund um den Hallwilersee sind gesperrt. © Chris Iseli

Die Aargauer lieben den Hallwilersee. Ganz besonders, wenn das Wetter schön ist und die Temperaturen angenehm sind – so, wie es dieses Wochenende sein soll. Ideale Bedingungen für einen Spaziergang oder ein Picknick. Aber lässt sich in Zeiten von Corona das Social Distancing einhalten? Müssen die Behörden nicht etwas gegen den grossen Ansturm unternehmen? 

Fest steht: Andere Kantone, allen vor Zürich, haben einschneidende Massnahmen ergriffen. So ist das Stadtzürcher Seebecken schon seit fast zwei Wochen für Spaziergänger weitgehend gesperrt. Ebenso der kleine Katzensee, wo die Polizei am letzten Sonntag intervenieren musste. Und am Donnerstag schrieb die Stadt Uster über die Situation am Greifensee: «Die öffentlichen Parkplätze waren am letzten Sonntag voll besetzt und auf den Rad- und Gehwegen waren so viele Personen unterwegs, dass die empfohlene Distanz von zwei Metern nicht mehr gewährleistet war.» Die sieben Greifensee-Gemeinden haben deshalb beschlossen, ab Samstag alle öffentlichen Parkplätze zu sperren. «Sie leisten damit einen Beitrag, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen», heisst es in einer Mitteilung.

«Es ist fraglich, ob sich ein solches Verbot durchsetzen liesse»

Rund um den Hallwilersee sind die Parkplatz-Kapazitäten sehr gross. So hat es alleine beim Schloss Hallwyl 207 Parkplätze (davon 55 auf dem geteerten Platz). Bei der Badi in Beinwil am See ist die grosse Parkfläche auf der Wiese noch nicht benutzbar.

Auf die Frage, ob der See angesichts des zu erwartenden Ansturms gesperrt werde, erklärt Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei Aargau: «Eine Sperrung des Uferwegs und der verschiedenen Aufenthaltsorte rund um den Hallwilersee steht derzeit nicht zur Diskussion.» Es sei fraglich, ob sich ein solches Verbot überhaupt durchsetzen liesse. Dabei müsse bedacht werden, dass es im Kanton Aargau noch viele weitere Ausflugsziele gebe, wo das gleiche Problem bestehe.

Ebenfalls nicht geplant ist eine Total- oder Teilsperrung der grossen Parkplätze. Eine Verkleinerung des Parkplatzangebots würde unweigerlich zu wildem Parkieren führen, sagt Polizeisprecher Graser. «Dies könnte die Situation unnötig verschärfen und vermeidbaren Zusatzaufwand verursachen.»

Angst davor, dass die abgesperrten Badis benutzt werden

«Schon am letzten Samstag waren sehr viele Personen unterwegs», erklärt Barbara Gautschi von den Hallwilersee-Rangern. «Schubweise hatte es zudem viele Velofahrer, obwohl rund um den See ein Veloverbot herrscht.» Sie hätten aber bei ihren Kontrollgängen am See festgestellt, dass sich eine Mehrheit der Spaziergänger und Wanderer bemühe, den nötigen Abstand zu halten.

Wegen des Coronavirus sind nicht mehr Ranger unterwegs als sonst. «Auch an diesem Wochenende werden täglich zwei Ranger arbeiten, das ist normal für diese Jahreszeit», erklärt Gautschi. Die Patrouillen würden wegen Corona nicht anders ablaufen als vorher. «Wir kontrollieren dabei nicht, ob die Abstandsempfehlung von zwei Metern eingehalten ist», so Gautschi. «Wir konzentrieren uns weiter darauf, dass Fahrverbote, die Leinenpflicht rund um den See und das Nicht-Betreten des Naturschutzgebietes beachtet werden.»

Etwas bereitet der Rangerin allerdings Sorge: Bisher habe es keine Schwierigkeiten gegeben, weil die mit Polizeiband abgesperrten Badis nicht betreten worden seien. «Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass das am kommenden Wochenende mit dem schönen Wetter zu einem Problem wird», befürchtet Gautschi. «Wir werden darum auch noch besprechen, wie wir damit umgehen werden.»

Peter Lenzin, Gemeindeammann von Beinwil am See, sagt: «Wir überlegen uns, ob wir den Brätliplatz ‹Teufi› am Wochenende schliessen sollen. Zum jetzigen Zeitpunkt sind alle Freizeitplätze in der Nacht zu – wir haben die Schliessung schon veranlasst, bevor die entsprechende Weisung vom Kanton kam.» Zudem werde über eine zusätzliche Hinweistafel diskutiert, obwohl solche schon jetzt zahlreich vorhanden seien. Für Lenzin ist klar: «Wenn man sich an die Weisungen hält, ist es auch nicht falsch für eine Stunde rauszugehen und frische Luft zu schnappen.»

«Wir zählen auf die Eigenverantwortung und Vernunft»

Und Polizeisprecher Bernhard Graser betont: «Im Hinblick auf das sonnige Wochenende werden wir die Bevölkerung dazu aufrufen, beliebte Ausflugsziele wie den Hallwilersee zu meiden und damit Menschenansammlungen zu verhindern.» Der Aargau biete unzählige Möglichkeiten, in der Natur zu verweilen, ohne dabei in Konflikt mit den aktuellen Verhaltensanweisungen zu geraten. «Wir zählen auf die Eigenverantwortung und die Vernunft jeder und jedes Einzelnen», hält Graser fest. Aber: «Die Kantonspolizei wird ihre gezielte Kontrolltätigkeit im ganzen Aargau am Wochenende verstärken und auf Ausflugsziele ausrichten.»

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Noch ein paar Kammeras

Ueli Bühler
schrieb am 03.04.2020 12:56
An den zu erwarteten Brennpunkten. Diese können von den Quarantänen Wohnungen der Hilfssheriffs kontrolliert werden und die Anzeigen werden sofort von einem Boten zur Post gebracht. Nach vorheriger Desinfektion natürlich. Im Ernst sollte es doch möglich sein bei 207 Einwohnern/Km2 einander aus dem Weg zu gehen. Familienangehörige sind sowieso zusammen in der Wohnung. Der Abstand wird dort schwierig einzuhalten sein!
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