Gedanken zum Palmsonntag: Wenn alles anders wird

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Mit dem Lager im Tessin sind die Brittnauer Konfirmanden im letzten Sommer ins Konf-Jahr gestartet. Und nun musste die Konfirmation verschoben werden. Dieser Jahrgang wurde zum «Corona-Jahrgang». Bild: zvg
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Max Hartmann, Reformierter Pfarrer in Brittnau (zVg)

Palmsonntag. Alle haben von einer besonderen Zeit geträumt. Die Festtage standen wie jedes Jahr vor der Türe. Tausende waren unterwegs nach Jerusalem. Überall wurde vorbereitet, die Häuser geputzt, Einkäufe erledigt, die Festkleider zurechtgelegt. Man ging in den Tempel, feierte das Passah, die Befreiung des Volkes aus der Knechtschaft in Ägypten, war in der Familie zusammen, ass das Passahlamm, genoss den besten Wein. Eine ganze Woche war Ausnahmezustand.

2020. Palmsonntag oder die Sonntage zuvor ist bei uns Reformierten die Zeit der Konfirmation. In Brittnau sind es 21 junge Menschen, die vor dem Abschluss ihrer ersten Lebensphase stehen. Nach den Sommerferien starten sie in eine Berufslehre oder in eine weitere Schule. Im Gottesdienst, den sie mitgestalten, werden sie einen Segen und ihren Konfirmandenspruch als Leitmotto erhalten. Wir bereiten uns auf einen unvergesslichen Tag vor. Die Kleider sind besorgt, das Restaurant reserviert, der Fotograf bestellt.

Doch es kommt völlig anders. Wir sind mit der Tatsache konfrontiert, dass uns das Virus erreicht hat. Das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg herrscht Notverordnung. Unser Konfirmandenjahrgang wird zum «Corona-Jahrgang». Das wird prägend in Erinnerung bleiben.

Wie geht es den jungen Leuten?

«Eigentlich geht es mir gut, nur manchmal ist es mir langweilig, wenn ich gerade nichts vom aufgegebenen Schulmaterial bearbeite. Ich kann mein Hobby nicht mehr ausführen wie immer. Ich mache nun zu Hause Sportübungen und gehe Joggen, um in Bewegung zu bleiben. Manchmal gehe ich auch für meine Grosseltern einkaufen, um die Zeit zu vertreiben und sie damit zu schützen.» 

«In meinem Kopf war am Anfang der Krise ein kleines Durcheinander, da ich zuerst realisieren musste, dass ich meine Schulfreunde nicht mehr treffen kann. Ich akzeptiere die spezielle Situation, weil ich daran nichts ändern kann. Trotzdem hoffe ich, dass es bald vorbei ist.»

«Am meisten belastet mich, dass alles abgesagt wurde, wofür hart gearbeitet wurde: Konfirmation, Ferienplausch, Schulreise und so weiter.»

«Ich fürchte mich nicht wirklich vor dem Virus. Ich fürchte mich vor den Folgen. Eine Bildungslücke entsteht. Ich komme in die Lehre und ich weiss, unser Jahrgang wird es in der Berufsschule schwer haben. Ich hoffe, dass die Krise bald vorbei ist und wir dennoch einen guten Start bekommen. Ich freue mich auch, wenn wir dann doch noch die Konfirmation feiern können.»

Es wird völlig anders. So war es auch am Palmsonntag. Der grosse Befreier, Jesus, zieht in Jerusalem ein. Hunderte jubeln ihm zu. Doch er zieht nicht so in die Stadt ein, wie es erwartet wurde: mit grosser Macht und Herrlichkeit. Statt hoch auf dem Ross sitzt er auf einem Esel. Was danach kommt, stellt alles auf den Kopf. Die Stimmung wendet sich. Statt «Hosianna» schreit das Volk «Kreuzige ihn!». Ein schändliches Ende. Statt Allmacht Ohnmacht.

Statt Allmacht Ohnmacht. Damit sind wir wieder in der Gegenwart. Die Corona-Krise macht uns bewusst, dass Sicherheit und andauernder Wohlstand eine Illusion sind. Doch die ganze Geschichte mit Palmsonntag und der Karwoche endet mit Ostern. Lichtblick Ostern. Das Leben siegt über den Tod. Die grosse Vision Jesu Christi, seine Botschaft der Liebe, lebt. Sie lebt in der Solidarität, die sich gegenwärtig zeigt. Wir wollen Gott und einander viel zutrauen. Gemeinsam werden wir es schaffen.

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