Als das letzte Mal Notrecht herrschte, war Autofahren plötzlich verboten

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So berichtete das Zofinger Tagblatt am 26. November 1973 über den ersten der autofreien Sonntage.
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Die Strassen Luzerns gehören Pferd und Velo.
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Ein Polizist kontrolliert, ob eine Berechtigung vorliegt.

Leere Autobahnen, Haupt- und Nebenstrassen prägten das Bild des 25. November 1973. Wer auf den geliebten Sonntagsausflug nicht verzichten wollte, musste dies ohne Auto, Motorrad oder Töffli machen – befohlen durch den Bundesrat.

Syrien und Ägypten hatten damals Israel überfallen – mit fatalen Folgen für die Angreifer. Israel eroberte im Jom-Kippur-Krieg (6. bis 24. Oktober 1973) den Sinai. In einer Racheaktion drehten die arabischen Staaten der pro-israelischen westlichen Welt den Ölhahn zu. Benzin wurde knapp.

Zu einer Rationierung von Erdölprodukten kam es in der Schweiz nicht. Aber zur eher symbolischen Massnahme von drei autofreien Sonntagen. Die begannen jeweils um ein Uhr und endeten am folgenden Montag ebenfalls um ein Uhr. Dies war dem Personal der Gastronomie und dem Samstagabendgeschäft der Restaurants und Bars geschuldet.

Volksfeststimmung auf den Strassen der Region

Aus dem ersten Verbotssonntag machte die Bevölkerung ein Volksfest, wie das Zofinger Tagblatt am 26. November in Wort und Bild schilderte. Die Reportage begann mit: «Was beim Erwachen zuerst auffiel, war die herrliche Ruhe.» ... «Die allgemein fröhliche Laune auf den Strassen vertrieb schwere Gedanken – wer geglaubt hatte, die Leute würden sich aus lauter Bequemlichkeit daheim vor dem Fernsehapparat aufhalten, hatte sich getäuscht. Auf den Strassen herrschte reger Fussgänger-, Velo-, Rollschuh- und Pferdekutschenverkehr.» Als damaliger Bezirksschüler ist auch dem Autor dieses Artikels ein Pferd in Erinnerung. Ein Kavallerist hatte als Gag sein Ross vor den VW Käfer gespannt. Dann folgte eine Velo-Fahrt mit Kollegen in den Bezirkshauptort. Einer war mit seinem Velo-Töffli dabei. Den motorlos Fahrenden hatten wir für mehr Tempo geschoben – und da kam eine Polizeipatrouille. Das gehe so nicht. Das verbotene Schieben? Nein, beim Mofa müsse die Zündkerze ausgebaut werden.

Notrecht und autofreie Sonntage gab es auch 1956 im Zuge der Suezkrise und des Ungarn-Aufstandes. Der westlichen Welt stockte der Atem: Droht der 3. Weltkrieg? In der Schweiz kam der Bundesrat zum Schluss, die Vorräte an flüssigen Kraft- und Brennstoffen seien zu klein – von einer Rationierung sah er aber ab und verfügte im November/Dezember 1956 vier autofreie Sonntage. Dass die Landesregierung eher ein Zeichen setzen als eine wirksame Massnahme treffen wollte, zeigt, dass Kleinflugzeuge und die Motorboote von Freizeitkapitänen nicht betroffen waren.

Autofreie Sonntage wollten seither links-grüne Politikerinnen und Politiker immer wieder einführen. Sie scheiterten jeweils klar. Die Leute wollen sich nicht gängeln lassen. Fakt ist zudem, dass rund 350 000 Erwerbstätige regelmässig an einem Sonntag arbeiten müssen und unregelmässig gar über eine Million.

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