«Das ist einfach unfair»: Grossrätin Martina Sigg kritisiert Bund für Maskenverteilung

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Apothekerin und Grossrätin Martina Sigg ist enttäuscht über Maskenverteilung. Bild: Alex Spichale

Täglich eine Million Schutzmasken will der Bund in den kommenden beiden Wochen für Detailhändler bereitstellen. Für insgesamt zwei Wochen sollen diese an führende Detailhändler geliefert werden, erklärte Verteidigungsministerin Viola Amherd am Mittwoch auf einer Pressekonferenz.

«Das ist ein unzulässiger Markteingriff», sagt FDP-Grossrätin Martina Sigg. Zuerst habe der Bund Hygienemasken zum überhöhten Preis von 1.20 Franken eingekauft, schrieb die Inhaberin der Apotheke Schinznach-Dorf auf Facebook. Nun würden diese Masken für 70 Rappen an Detailhändler verschleudert. «Für uns Apotheker ist das unverständlich», so Sigg. Die Preispolitik sei undurchsichtig. Zudem gebe es möglicherweise immer noch Apotheken, die keine Schutzmasken anbieten können, betont Sigg, die auch in der grossrätlichen Gesundheitskommission sitzt. Diese würden vom Bund allerdings nicht berücksichtigt.

Masken zum Selbstkostenpreis – aber teurer als die Konkurrenz

«Es ist ganz einfach unfair», sagt Martina Sigg. Sie selbst habe erst kürzlich nach langem Zögern 5000 Stück Schutzmasken für ihre Apotheke gekauft. Bislang wäre der Einkauf kaum sinnvoll gewesen, da Masken teils überteuert und in schlechter Qualität angeboten wurden. Ihr sei zwar bewusst, dass sie damit ein unternehmerisches Risiko einging, so Sigg. Damit habe sie kein Problem. «Aber nun schmeisst der Bund ohne Vorankündigungen Millionen Masken auf den Markt.» Obwohl die Hygienemasken in ihrer Apotheke auch zum Selbstkostenpreis angeboten würden, liege dieser im günstigsten Fall mit 92 Rappen deutlich über den Preisen der Konkurrenz, die günstige Bundesmasken erhielten.

Wo gibt es künftig im Aargau die Schutzmasken zu kaufen?

Tatsächlich profitieren nicht einmal alle Detailhändler von Schutzmasken des Bundes. Auf Anfrage teilt das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) mit, man gebe Masken nur an Coop, Migros und die Fenaco ab, also an Landi und Volg.

Migros und Coop bestätigen dies auf Anfrage – man beziehe Schutzmasken von der Armeeapotheke. Verkauft werden diese ab Montag – allerdings nur in ausgewählten, grösseren Filialen. An welchen Standorten die Masken im Aargau verkauft werden, ist nicht bekannt. Eine flächendeckende Versorgung solle aber gewährleistet sein. Bei der Migros soll voraussichtlich auch ein Online-Verkauf ab heute Freitag möglich sein. Genaue Verkaufspreise wollten beide Detailhändler noch nicht nennen. Eine Anfrage an die Fenaco blieb bislang unbeantwortet.

Die Detailhändler, die bei der Verteilung durch den Bund unberücksichtigt bleiben, scheinen gut vorbereitet. Aldi Suisse bietet beispielsweise ab sofort in sämtlichen Filialen Masken zu 72 Rappen an. Man habe einen Vorrat von rund 2 Millionen Masken, hiess es in einer Medienmitteilung. Dieser sei vorab erfolglos dem Bund und Kantonen zum Verkauf angeboten worden. Zu welchem Preis ist nicht bekannt. 

Lidl Schweiz erhält ebenfalls keine Schutzmasken von der Armeeapotheke, wie das Unternehmen bestätigt. Über einen Schweizer Importeur habe man jedoch Einwegmasken besorgen können. Diese stehen ab sofort schweizweit in allen Filialen zur Verfügung. Der Stückpreis einer Maske liegt hier sogar bei unter 70 Rappen.

Kanton verteilt ab heute Freitag Masken an vier Standorten

Auch der Kanton verteilt Schutzmasken, 200 000 Stück gehen kostenlos an Gewerbebetriebe. Nach der Ankündigung am Mittwoch können die Masken ab heute Freitag in Baden, Frick, Kölliken und Wohlen bezogen werden. Bezugsberechtigt sind Betriebe, die gemäss Bundesrat am Montag ihren Betrieb wiederaufnehmen dürfen und über ein Schutzkonzept verfügen. Masken könnten Teil des Konzepts sein, wenn die Zwei-Meter-Abstandsregel im üblichen Kundenkontakt nicht eingehalten werden könne.

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B. Kerzenmacher
schrieb am 27.04.2020 16:02
Lieber den Gürtel enger schnallen, als eine zweite Welle zu riskieren. Die überaus vorsichtige Haltung und das Mahnen durch die Regierung verdienen Respekt. Corona ist auch eine Test auf die vormals vielgerühmte Disziplin. Lasst das Erreichte nicht durch leichtsinniges Verhalten aufs Spiel setzen. Durchhalten, es geht immer noch um Leben und Tod.
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