Kündigung eines Aushängeschilds: Jetzt wird Kritik am Kantonsspital Aarau laut

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Wurde per sofort freigestellt: KSA-Chefarzt Javier Fandino. © Sandra Ardizzone

Er war ein Aushängeschild des Kantonsspitals Aarau (KSA): Javier Fandino, Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie und Leiter des Hirntumorzentrums. Das KSA und der Arzt blicken auf eine lange, gemeinsame Geschichte zurück. Eine Geschichte, die letzte Woche jäh endete. In einer knappen Medienmitteilung informierte das KSA am Freitag, man habe die Zusammenarbeit per Ende Oktober beendet. Der Chefarzt ist per sofort freigestellt und nicht mehr am KSA tätig. Über die Hintergründe der Trennung schweigt das Spital. KSA-Sprecherin Isabelle Wenzinger sagt, Fandino habe «ausgezeichnete Arbeit beim Aufbau der Klinik geleistet und dazu beigetragen, was sie heute ist». Die Beendigung der Zusammenarbeit sei aber nicht grundlos erfolgt.

Die Nachricht hat Wellen bis in die USA geschlagen. Der Neurochirurg Philipp Taussky aus Basel hat einen Teil seiner Weiterbildung am KSA absolviert. Heute ist er stellvertretender Chefarzt der Neurochirurgie der Universität Utah. In einer Mail an KSA-Verwaltungsratspräsident Peter Suter, die dieser Zeitung vorliegt, schreibt er, er sei entsetzt über Fandinos sofortige Freistellung und bezeichnet diese als «völlig unverständlich». Es gebe nur wenige Chirurgen mit Fandinos Können und Erfahrung. Es werde schwer sein, einen Nachfolger zu finden.

Lob für den Chefarzt – Angst um die Patienten

Taussky ist nicht der einzige Arzt, von dem der Verwaltungsratspräsident Post erhalten hat. Bruno Büchel, leitender Arzt einer grösseren Praxis in Yverdon-les-Bains, die dem KSA seit Jahren Patienten zuweist, hat ihm ebenfalls geschrieben. Auch Büchel ist voller Lob für Fandino, der seine Patienten «in perfekter, professioneller und engagierter Art und Weise behandelt» habe. Er fände es deshalb «sehr schade», wenn er das KSA als Klinik verlieren würde, «weil die Vertrauensperson, auf die ich bisher immer zählen konnte, aus mir unerklärlichen Gründen aus Ihrer Klinik ausgeschlossen wurde».

Für Büchel und Taussky steht die medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten im Vordergrund: «Für sie könnte es bedeuten, dass sie künftig ausserkantonal behandelt werden müssen, obwohl sie oft nur schwer transportierbar sind und in einem engen Zeitfenster behandelt werden müssen», schreibt Taussky. Er bittet Verwaltungsratspräsident Peter Suter, die Freistellung zum Wohle der Patienten noch einmal zu überdenken. Und auch Büchel hofft, dass die KSA-Leitung die Situation gütlich regeln wird oder ihr von politischer Seite gesagt wird, dass das Patientenwohl vor irgendwelchen anderen – vielleicht sogar Individualinteressen – stehe.

Patienten könnten abgewiesen werden

Um die Patienten machen sich auch leitende Ärzte des KSA-Neurozentrums Sorgen. In einem Brief an die Geschäfts­leitung schreiben sie, dass die neurovaskuläre chirurgische Versorgung «aktuell nicht auf Dauer gewährleistet» sei. Es fehlten einerseits die personellen Ressourcen für die Abdeckung des vaskulären Dienstes und andererseits könnten nicht alle Anforderungen, welche mit der Behandlung von komplexen vaskulären Eingriffen einhergehen, gewährleistet werden. Als Konsequenz fürchten die Ärzte, dass sie Patienten abweisen müssen, «was nicht nur für die Klinik für Neurochirurgie und das Stroke Center, sondern auch für das KSA negative Folgen haben wird», schreiben sie im Brief. Zudem sei die Vergabe der Leistungsaufträge im Bereich der hoch spezialisierten Medizin gefährdet. Per sofort sei eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung nicht mehr erfüllt – «nämlich Dignität des Leiters und Stellvertretung».

Es droht ein Verlust von 2,9 Millionen Franken

Die Leistungsaufträge im Bereich der hoch spezialisierten Medizin werden auf nationaler Ebene vergeben. Das Bewerbungsverfahren im Bereich der komplexen Neurochirurgie und Neuroradiologie wurde Mitte März eröffnet und dauert noch bis am 17. September 2020. Dieser Zeitung liegt ein KSA-internes Positionspapier zur Bewerbung um die hoch spezialisierten Leistungsaufträge in diesen beiden Bereichen vor. Dieses zeigt auf, welche Konsequenzen ein Entscheid gegen eine Bewerbung hätte. Diese Konsequenzen träten auch ein, wenn das KSA die Leistungsaufträge nicht mehr erhalten würde. So hätte der Wegfall der Leistungsaufträge «eine erhebliche Verschlechterung des Dienstleistungsangebotes des KSA für die Aargauer Bevölkerung» zur Folge und führte langfristig zu einer «finanziellen Schwächung der Gesamtunternehmung». Es ist die Rede von einem Verlust von 2,9 Millionen Franken. Nebst anderen Konsequenzen hält das Positionspapier weiter fest, dass die Leistungsaufträge für die Behandlung von Schwerverletzten – ohne Leistungsaufträge der Neurochirurgie – nicht mehr erfüllt werden könnten.

KSA-Sprecherin Wenzinger sagt: «Der Austritt von Herr Fandino hat keine Auswirkungen auf die strategische Entwicklung des KSA im Neurobereich und damit auch nicht auf die Überlegungen, für welche hoch spezialisierten Leistungsbereiche das KSA sich bewerben wird.» Es müsse klar festgehalten werden, «dass Herr Fandino für die Erfüllung des Leistungsauftrags und den Erfolg der Klinik nicht alleine ausschlaggebend war». Der klinische Betrieb und die Versorgung der Aargauer Bevölkerung seien gewährleistet, betont sie.

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