Sanierung steht an: Blei von 1,5 Millionen Kugeln im Erdreich

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Verseuchtes Gebiet: Am Kugelfang sieht man noch die Einschlaglöcher. Nur acht Meter entfernt liegt Grundwasser. Bilder: Marc Benedetti
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Vom Schützenhaus Langnau aus schoss man Richtung Wald.

Reiden hat mit der Fusion auch Altlasten übernommen. Eine davon ist die 2010 stillgelegte Schiessanlage im Dorfteil Langnau. Das ehemalige Schützenhaus Langnau an der Mehlseckerstrasse – heute ein Eventlokal – zeugt noch vom regen Schiessbetrieb, der hier während 70 Jahren herrschte. Das Problem liegt im Kugelfang beim Wald begraben. Dieser muss gemäss Umweltschutzgesetz des Bundes saniert werden, weil der Boden mit Blei verseucht ist. Die Gemeinde Reiden hat für die Sanierung diese Tage ein Baugesuch in eigener Sache auf ihrer Homepage publiziert.

Laut dem zuständigen Gemeinderat Bruno Aecherli sind für alle nicht mehr genutzten Schiessstände auf Gemeindegebiet Massnahmen nötig. Die Schiessstände von Reiden und Richenthal werde man umzäunen und damit für die Bewirtschaftung unzugänglich machen. «Das genügt dort», sagt Aecherli, «in Langnau muss man jedoch das Erdreich ausbaggern und die bleihaltige Erde entsorgen.»

Die Gemeinde Reiden habe das Projekt lange verschoben. Das Problem sei seit Jahren bekannt, sagt Bruno Aecherli. Da Kantone und der Bund Sanierungsfonds dafür angelegt hätten, sei jetzt auch finanziell der richtige Zeitpunkt gekommen. Geplant ist, die Sanierungsarbeiten gegen Ende 2020 auszuführen. «Die Bauarbeiten dauern zwei bis drei Wochen», erklärt der Vorsteher für Finanzen, Sicherheit und Umwelt.

Für das Projekt waren umfangreiche Abklärungen nötig. Das Büro Porta AG aus Sempach hat 2019 untersucht, wo sich das Blei befindet und wie hoch der Bleigehalt ist. Untersucht wurden das Gebiet des Kugelfangs und der angrenzende Wald. Als die Ergebnisse vorlagen, wurde ein Sanierungskonzept ausgearbeitet, das von Kanton und Bund geprüft und bewilligt worden ist. Denn diese beteiligen sich an den Kosten von geschätzten 313 357 Franken (siehe Box).

Schiessbetrieb startete im Zweiten Weltkrieg

Parallel gab es auch eine Untersuchung zur Geschichte des Schiessstands. Nicht zuletzt wollte man herausfinden, wie viel in Langnau im Laufe der Jahre an Obligatorischen Schiessen und an den Schützenfesten geschossen wurde. Befragt wurden Peter Jost, der langjährige Präsident der aufgelösten Schützengesellschaft Langnau, sowie Emil Stöckli, ehemaliger Schütze der SG Langnau mit Zugang zum Archiv. Bekannt ist so viel: 1938 wurde das Land für das Schützenhaus vom Schützenverein Langnau erworben. In Fronarbeit errichteten die Langnauer ihr Schützenhaus. Zirka ab 1940, also mitten im Zweiten Weltkrieg, wurde der Anlagebetrieb eröffnet. Die neue Anlage wurde von der SG Langnau, der Gemeinde Langnau (später Reiden) und Einheiten der Schweizer Armee bis 2010 genutzt. Geschossen wurde in Langnau auf 300 Meter Distanz und auf 15 Scheiben. Laut Schätzungen sind von 1940 bis zur Stilllegung insgesamt 1,58 Millionen Schüsse abgefeuert worden, von 1940 bis 2010 vor allem mit der Standard-Munition GP 11. Dem technischen Bericht entnimmt man, dass im Laufe der Jahre rund 12 Tonnen Blei im Kugelfang – oder im Wald dahinter – landeten. Ein Teil davon wurde jeweils laut Peter Jost eingesammelt.

Der Kugelfang befindet sich nur acht Meter von Grundwasservorkommen entfernt, liegt aber ausserhalb der Grundwasserschutzzonen. «Das Schutzgut Oberflächengewässer ist nicht gefährdet», heisst es im Bericht weiter. Die Gefahr bestehe aber, dass der Hang rutschen könnte.

Ökologische Aufwertung des Gebiets geplant

Nach der Sanierung soll das gesäuberte Gebiet ökologisch aufgewertet werden. In Zusammenarbeit mit einem Büro für Landschaftsarchitektur soll eine Ausgleichsfläche angelegt werden. Geplant ist laut den Plänen eine artenreiche Wiese, Sträucher und Tümpel. Kröten sollen hier einen neuen Lebensraum finden. «Realisieren werden wir das Projekt zusammen mit dem neuen Verein Natur Reiden und der Schule», sagt Gemeinderat Aecherli.

Gesamtkosten von 313 357 Franken

Kosten wird die Sanierung laut der Schätzung von 2019 insgesamt 313 357 Franken. Der Bund beteiligt sich gemäss Umweltschutzgesetz mit 8000 Franken pro Scheibe und wird bei 15 Scheiben 120 000 Franken bezahlen. Der Kanton und die Gemeinde Reiden beteiligen sich mit je 96 678 Franken.

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