Was wir alles noch nicht wissen – sieben Fragen zum Coronavirus

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Dieses Bild zeigt SARS-CoV-2 (orange), das Virus, das COVID-19 verursacht. © AP

Eine Viruserkrankung ist kein momentaner Akt, der zu einem bestimmten Zeitpunkt stattfindet. Sondern eine Interaktion zwischen dem Virus und dem Immunsystem, die lange dauern kann. Was die «technische Seite» des Virus betrifft, wissen wir recht gut Bescheid. Wir haben es genetisch sequenziert, wir kennen seine phylogenetische Geschichte (wie es entstand), wir wissen recht gut, wie es molekularbiologisch funktioniert. Was wir weniger gut kennen, sind die Antworten des Immunsystems. Weil die nicht sofort erfolgen, sondern Zeit brauchen.

Zweimal anstecken?

Dass es Personen gibt, welche Covid-19 überstanden haben, beweist, dass unser Immunsystem mit dem Erreger zurechtkommt. Ob ein genesener Patient jetzt dauerhaft gegen die Krankheit geschützt ist, wissen wir noch nicht. Geschichten von wiederangesteckten Patienten sind mit Vorsicht zu geniessen. Man weiss, dass sich Virenbestandteile (RNA) sehr lange (bis zu zwei, drei Wochen) nach der Genesung im Körper halten und auf den Gen-Test reagieren. Ob man nochmals krank werden oder jemanden anstecken kann, ist aber nicht erwiesen.

Immunität – ja oder nein?

Es gibt bis jetzt 7 Betacoronaviren, die den Menschen infizieren können. Nur die letzten drei (Sars-1 und Sars-2 und Mers) lösen ernste Krankheiten aus. Die anderen sind nach den Rhinoviren die häufigsten Erreger für Schnupfen. Bei allen, die bisher aufgetreten sind, wurden nach der Infektion Antikörper im Blut gefunden. Die Genesenen wurden immun. Per Analogieschluss nimmt man an, dass das auch bei Sars-CoV-2 der Fall sein wird. 99 Prozent der Covid-19-Patienten entwickelten Antikörper, einige allerdings nur ganz wenige. Immerhin hat ein ­Affenversuch ergeben, dass die Tiere nach einer ersten Infektion gegen eine zweite Ansteckung geschützt waren und keine Symptome mehr entwickelten.

Wie lange hält die Immunität?

Gegen Masern ist man ein Leben lang immun. Andere Viren verursachen überhaupt keine Immunität, man kann sich die gleiche Erkältung sogar mehrmals im gleichen Winter holen. Bei Sars- und Mers-Patienten liessen sich Antikörper zwei bis drei Jahre nach der Ansteckung noch im Blut nachweisen. Die harmlosen Coronaviren verur­sachen ebenfalls Immunität, allerdings für nicht sehr lang: Bei OC43 und HKU1 hielt die Immunität 40 bis 45 Wochen maximal. Wie lange eine Sars-CoV-2- Immunität halten wird, wissen wir nicht. Das wird man dann sehen.

Gibt es eine Teilimmunität?

Das Immunsystem des Körpers ist mehrstufig und vielseitig. Je nachdem, wo das Virus angreift, fällt die Antwort verschieden aus. Das kann zu Teil­immunitäten führen, die auch verschieden lange dauern können.

Verschieden lange Immunität

Manchmal verschwinden die Antikörper auch aus dem Blut, die Immunität hält aber an. Dann haben sogenannte Gedächtniszellen die Aufgabe übernommen, sofort zu reagieren, wenn ein Virus auftaucht. Es gibt B- und T-Gedächtniszellen. Die B-Zellen produzieren dann Antikörper, Proteinmoleküle, welche das Virus umhüllen und unschädlich machen; die T-Zellen sorgen dafür, dass infizierte Zellen sterben. Das ist bei Sars der Fall. Die Antwort der B-Zellen, die auf das N-Protein, das die Viren-RNA umhüllt, reagieren, hält aber weniger lang an. Warum bei manchen Erregern Gedächtniszellen entstehen, bei andern nicht, ist ungeklärt. Die Dauer der Immunität könnte auch mit der Heftigkeit der Erkrankung zusammenhängen. Weil bei leichten Symp­tomen keine Spuren im Immun­gedächtnis zurückbleiben. Die meisten Studien bei Sars-1 und Sars-2 haben sich mit schwer erkrankten hospitalisierten Patienten beschäftigt.

Woran stirbt man?

Sars-CoV-2 verursacht schwere Lungenentzündungen. Wenn die Lunge den Körper nicht mehr mit genug Sauerstoff versorgen kann, stellt sich Organversagen ein. Viele Covid19-Opfer sterben an Herz-Kreislauf-Stillstand. Das Virus kann aber auch andere Organe angreifen. Der ACE2-Rezeptor ist nicht nur in der Lunge vorhanden. Zu Beginn der Epidemie verzichtete man weitgehend auf Autopsien. Pathologen haben dann darauf hingewiesen, dass viele Patienten an Thrombosen und (Lungen-)Embolien verstorben sind. Das kann bedeuten, dass das Virus auch die Blutgerinnung beeinflusst. Mit Blutverdünnern hätten manche Patienten vielleicht gerettet werden können.

Heftige Immunreaktionen

Krankheitssymptome wie Fieber sind Alarmsignale, welche das angeborene Immunsystem auslöst. Die angeborene Immunabwehr verursacht lokal eine Entzündung, um Hilfe aus dem Körper anzufordern. Zytokine, die Botenstoffe, werden manchmal zu viele gebildet. Es kommt dann zu einem sogenannten «Zytokinsturm». Das Immunsystem schaukelt sich selbst auf, indem Zytokine auch Immunzellen angreifen. Das Problem ist dann nicht mehr die Virenabwehr, sondern das eigene Immunsystem. Eine erfolg­reiche Therapie muss auch die Immun­abwehr kontrollieren. Das gilt auch für eine Impfung.

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