Eine Woche nach Wiedereröffnung: Der Aargauer Gastro-Präsident zieht eine erste Bilanz

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Die Normalität, wie hier die Aarauer Altstadt um die Mittagszeit, kehr nur langsam wieder ein. Bruno Lustenberger ist dennoch zuversichtlich. © Britta Gut/Alex Spichale

Herr Lustenberger, die Restaurants und Bars im Aargau haben nun seit einer Woche wieder geöffnet. Wie ist es angelaufen?

Bruno Lustenberger: Es ist verhalten bis gut angelaufen. Die Stammgäste halten zu uns, das merkt man überall. Die Menschen gehen gerne wieder ins Restaurant. Wir haben aber nach wie vor grosse Defizite, weil wir keine Bankette haben, keine Hochzeiten, keine Seminare oder ausländischen Gäste.

Welchen Kontakt hatten Sie in letzter Zeit zu den Gastronomen?

Wir haben am 14. März, als wir gesehen haben, dass diese Welle kommt, sofort umgestellt und regelmässig einen Newsletter an alle unsere Mitglieder verschickt. Meine Handynummer war immer mit drauf und wir hatten unglaublich viele Reaktionen. Während des Shutdown ging ich selber jeden zweiten Tag in ein Take-away im Aargau, um zu schauen, wie es läuft.

Welche Unsicherheiten sind bei den Gastronomen in dieser ersten Woche nach der Wiedereröffnung aufgetaucht?

Die Wirte wollen wissen, wie es weitergehen soll. Etwa mit der Kurzarbeit. Oder sie fragen auch, wann es so weit sein wird, dass die Eröffnungen erweitert werden können. Ein Wirt hat mich vorhin angerufen und gefragt, ob er eine Reservation von einer Familie mit drei Kindern entgegennehmen kann. Es werden auch rechtliche Fragen gestellt, zum Beispiel zu den Polizeikontrollen.

Und gab es Polizeikontrollen?

Ja. Ich selbst war wahrscheinlich einer der ersten Betriebe, die kontrolliert wurden. Am Montag vor einer Woche waren sie bei mir. Und wir stehen zu 100 Prozent hinter diesen Kontrollen. Es ist fair und genau so, wie es sein muss: Sie kontrollieren, ob ein Konzept vorhanden ist, ob die Tische genügend weit auseinanderstehen oder ob keine Menagen auf den Tischen stehen.

Welche Ratschläge geben Sie den Aargauer Gastronomen jetzt?

Wir sagen ihnen, schaut nicht zurück, schaut nach vorne. Es ist jetzt wichtig, richtige Entscheidungen zu treffen. Wir sagen den Gastronomen, dass sie jeden Abend den Tag Revue passieren lassen und sich fragen sollen: Sind unsere Öffnungszeiten gut? Funktioniert unser Geschäft so? Sonst müssen sie etwas ändern. Etwa die Speisekarte anpassen, sie etwas kleiner halten. Man muss jetzt einen guten Mittelweg finden.

Wie ist die Stimmungslage bei den Aargauer Wirtinnen und Wirten?

Ich würde sagen: Verhalten optimistisch. Ich muss den Wirten ein Kränzchen winden, dass sie nach vorne schauen. Sie wollen es, die Wirte sind Macher. Sie sind in der Zeit des Shutdown kreativ geworden mit den Take-aways. Ausserdem glaube ich, dass der Aargau im Vergleich zum Rest der Schweiz ein wenig besser davonkommt. Vor allem wenn ich in den Süden schaue, ins Waadtland oder nach Genf.

Wie zuversichtlich sind Sie persönlich nach dieser ersten Woche?

Grundsätzlich bin ich optimistisch, mit einem «aber». Um mich und mein Geschäft muss man keine Angst haben. Jedoch sind meine persönlichen Voraussetzungen besser. Schaue ich aber auf die Branche, wird es längerfristig schon schwieriger. Und noch schwieriger wird es im Oktober und November. Man wird nicht die Zahlen haben, die man jetzt schreiben sollte. Dann werden die Weihnachtsessen nicht kommen, weil die Firmen dann vielleicht darauf verzichten. Und dann hat man drei Monate gearbeitet und nichts verdient. Wir müssen die Wirtschaft wieder zum Laufen bringen.

Haben Sie in dieser ersten Woche nach der Wiedereröffnung etwas besonders Freudiges erlebt?

Ich habe in den sozialen Medien von Gästen sehr viel Lob bekommen. Ich war gestern selber in einem Restaurant  – für einmal nicht im Aargau, ich bin ein wenig untreu geworden – bei einer Wirtin, die ihr Restaurant unendlich gut geführt hat. Sie war fast alleine, sie hat kein grosses Team und hat die Situation selber in die Hand genommen. Das sind rührende Situationen.

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