Manuela Schär und ihre grosse Sehnsucht nach der Wahrheit

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Rückkehr in den Alltag: Nach wochenlangem Lockdown darf Manuela Schär endlich wieder auf der Bahn trainieren. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)

Mit dieser Meldung hat Manuela Schär nicht gerechnet: Vor rund zwei Wochen zeichnete die IG Sport Luzern die 35-jährige Rennrollstuhl-Leichtathletin aus Kriens zur Luzerner Sportlerin des Jahres 2019 aus. «Das war eine riesige Überraschung, immerhin standen viele grosse Sportler zur Wahl», sagt Manuela Schär, die Ringer Stefan Reichmuth, Ruderer Roman Röösli und Schwinger Joel Wicki auf die weiteren Plätze verwies.

Ihr Triumph stellt keine Premiere für sie und den Rollstuhlsport dar: Bereits 2013 schwang sie mit Marcel Hug oben aus, ehe Hug vor zwei Jahren nachdoppelte. Schärs Begeisterung schmälert das keineswegs: «Das ist eine schöne Wertschätzung an unsere Sportart und unsere Trainingsbasis in Nottwil. Es freut mich sehr, dass der Kanton das zur Kenntnis nimmt», sagt sie.

Sportpreis als Krönung für ein Jahr der Superlative
Manuela Schär hat sich die Auszeichnung mehr als verdient. Im vergangenen Jahr eilte die gebürtige Altishoferin in ihrer Paradedisziplin Marathon von einem Erfolg zum nächsten: Mit Siegen in New York, Chicago, Berlin, London, Boston und Tokio entschied sie sämtliche Rennen der Major-Serie zu ihren Gunsten, dazu wurde sie Weltmeisterin und verbesserte die Weltrekorde im Marathon und über 800 m. «2019 war enorm viel los. Ich war viel unterwegs und habe emotionale und schöne Momente erlebt», blickt Schär, die letzten Dezember bei den Sports Awards auch zur paralympischen Sportlerin des Jahres gekürt wurde, zurück.

Grösser könnte der Kontrast zum Hier und Jetzt kaum sein. Wegen der Corona-Pandemie steht das Leben auch im Rollstuhlsport seit Wochen still. «Der Luzerner Sportpreis kommt in einer Zeit, in der gar nichts los ist», sagt Schär, «es ist schräg, wenn man sich vor Augen hält, wie viel sich innert wenigen Monaten ändern kann.»

Der Lockdown hatte auch Auswirkungen auf Manuela Schärs Alltag. Die letzten acht Wochen arbeitete und trainierte die kaufmännische Angestellte zuhause. «Ich habe mich mit Rolle und Handkurbel gut eingerichtet und nehme viel Positives aus dieser Situation mit», sagt Schär, die dank den Lockerungen seit gut einer Woche wieder auf der Bahn ihre Runden drehen darf.

Theoretisch hätte Schär auch auf der Strasse trainieren können, aus Sicherheitsgründen verzichtete sie aber auf diese Option. «Ich mache das immer in Begleitung mit jemandem auf dem Velo. Ausserdem ist es eine logistische Frage, weil ich nicht direkt vor meiner Haustür losfahren kann», erklärt sie. Ihre Form konnte Schär dank der Trainingspläne ihres Coaches gut halten. «Wir planten von Woche zu Woche und tauschten uns strenger aus als üblich», erzählt Schär. Für Auflockerung sorgten zudem gemeinsame Einheiten mit Trainingskollegen über die Video-Kommunikationsplattform «Zoom».

Geduldsprobe statt Nervenkitzel
Nur etwas vermisst Manuela Schär: die Wettkämpfe. «Ich fahre sehr gerne Rennen. Ich geniesse den Nervenkitzel, das Adrenalin und die Leute», sagt sie. Auch der Austausch vor, während und nach ihrem Wettkampf den anderen Athleten fehle ihr. «Ich bekomme gerne unmittelbare Feedbacks, weil ich gerne wissen will, wo ich stehe. Und an Wettkämpfen erhält man eben die nackte Wahrheit», sagt sie und schmunzelt.

Vorerst ist diesbezüglich weiterhin Geduld gefragt. Wegen des Corona-Virus finden bis Ende August keine Wettkämpfe statt. Betroffen ist auch Manuela Schärs grosses Saisonziel, die Paralympischen Sommerspiele in Tokio (Jap). Diese wurden bereits Ende März um ein Jahr verschoben. Die Luzernerin zeigt sich erleichtert darüber, dass der Event nicht abgesagt wurde. «Nochmals vier Jahre zu warten wäre schlimmer gewesen», meint sie. Mit dem Entscheid hat sich Schär abgefunden, obschon sie in der Form ihres Lebens steckt. «2020 wäre mein Jahr gewesen», bedauert Schär, «aber die Gesundheit geht vor. Sie ist Basis für alles, das wissen wir Sportler am besten.»

Die Ziele gehen Manuela Schär trotz Rekordsaison und Corona nicht aus. Ihren Fokus hat sie nun auf die prestigeträchtigen Marathonrennen im Herbst gelegt, sofern diese denn stattfinden. Und dann wäre da noch die offene Rechnung mit den Paralympics. «An diesen habe ich sowohl 2012 in London als auch 2016 in Rio nicht überzeugt», zeigt sie sich selbstkritisch, fügt aber kämpferisch hinzu: «Mein Ehrgeiz ist sicher noch da.»

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