Heime und Spital können auf den Zivilschutz zählen

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Sennhof-Bewohner Eduard Bienz schätzt es, dass Arulnathan Kajanthan Zeit für ein Spiel hat. Bilder: Thomas Fürst

Schon ein wenig ins kalte Wasser geworfen worden ist in den letzten Wochen Urs Lehmann. Denn der 57-jährige Kommandant der Zivilschutzorganisation (ZSO) Region Zofingen hat sein Amt offiziell am 10. Februar angetreten. Als Quereinsteiger. Der Marketingfachmann und Betriebswirtschafter verfügt zwar über langjährige berufliche Führungserfahrung, hat aber vor seinem Amtsantritt nicht einen einzigen Tag Zivilschutzdienst geleistet. Kenntnisse des Bevölkerungsschutzes bringt Lehmann aber aus seiner Tätigkeit bei der Stützpunktfeuerwehr Zofingen mit, bei der er sich seit 2006 engagiert, seit bald zehn Jahren als Offizier.

Nun leitet Lehmann einen Ernstfalleinsatz, den es in dieser Länge in der Geschichte des regionalen Zivilschutzes noch kaum je gegeben haben dürfte. Das habe auch Vorteile, findet Lehmann und wirkt dabei recht entspannt. «Für mich war es eine gute Gelegenheit, die Organisation im Ernstfalleinsatz und sehr schnell viele Zivilschutz-Angehörige persönlich kennenlernen zu können.»

Grosse Rücksichtnahme beim Aufgebot

Nach dem Lockdown vom 17. März stellte der Bundesrat am 20. März den Kantonen zur Bewältigung der Coronakrise ein Kontingent von maximal 850 000 Diensttagen zur Verfügung. «Bis zum ersten Einsatz vom 27. März blieben immerhin sieben Tage, um alle möglichen Szenarien vorzubereiten», sagt Lehmann. Es sei zumindest zu Beginn eine herausfordernde Zeit gewesen, im Rückblick dürfe er aber sagen, dass «seine» Truppe vom Ausbildungsstand her gut bereit gewesen sei. Und man habe nach dem Aufgebot durch den Kantonalen Führungsstab auch genügend Zeit gehabt, um die einzelnen Einsätze sauber zu planen, führt Lehmann weiter aus.

Die Aufgebote für den Einsatz im Zivilschutzdienst erfolgen sehr unterschiedlich. «Wir haben versucht, das Ganze möglichst Arbeitgeber freundlich zu gestalten», betont Lehmann. Gar nicht aufgeboten worden seien Leute, die im Gesundheitswesen beschäftigt seien. Nach Möglichkeit habe man auch davon abgesehen, Leute aufzubieten, die geschäftlich kaum abkömmlich gewesen wären. «Dann gab es aber gerade in dieser Krisensituation zahlreiche Leute, die jetzt in Kurzarbeit sind oder sogar ihren Job verloren haben», führt Lehmann weiter aus. Auf einen Rundbrief des Kommandanten konnten sich diese freiwillig zu einem Zivilschutz-Einsatz melden, sie würden nun in einem engeren Turnus aufgeboten und eingesetzt.

Zwischen 10 und 30 Zivilschützer im Einsatz

Die ZSO Region Zofingen weist einen Bestand von rund 400 Zivilschutzleistenden aus den Gemeinden Brittnau, Murgenthal, Rothrist, Strengelbach, Vordemwald und Zofingen auf. «In den vergangenen Wochen haben unsere Leute mehrere 100 Diensttage geleistet», sagt ihr Kommandant. Dabei seien Einsatzintervalle und Einsatzdauer äusserst unterschiedlich gewesen – abgestimmt auf die jeweilige persönliche und berufliche Situation der eingesetzten Leute. Grundsätzlich würde darauf geachtet, schlanke Aufgebote zu erlassen. «So werden beispielsweise nur die Mannschaften im rückwärtigen Dienst über die eigene Küche verpflegt», führt Lehmann aus. So müssen auch keine Essen zu den Einsatzorten transportiert werden.

Seit dem 27. März seien durchgehend zwischen 10 und 30 Angehörige des Zivilschutzes im Einsatz gewesen, zeitweilig an fünf Einsatzorten gleichzeitig, vermerkt Lehmann. Aktuell ist der Zivilschutz noch im Sennhof Vordemwald sowie im Spital Zofingen im Dienst.

Personenlenkung durch Pioniere

Der Zivilschutz habe das Spital Zofingen tatkräftig unterstützt, betont Gudrun Hochberger, Leiterin Bereich Pflege und Therapien, im neu erstellten Video (www.azsv.ch) zum Covid-19-Einsatz des Aargauischen Zivilschtzverbands. Denn das Spital habe am Anfang sehr grosse Mühe gehabt, die Patientenströme zu lenken und da sei der Zivilschutz eine riesige Hilfe für das Spital gewesen, führt Gudrun Hochberger weiter aus.

Für die Personenlenkung während 7 mal 24 Stunden werden im Spital Zofingen vor allem Zivilschutz-Pioniere eingesetzt. «Eine an sich ungewohnte Aufgabe für unsere Pioniere», meint Urs Lehmann dazu, würden doch diese üblicherweise «gröbere» Aufgaben – etwa Wege instandstellen, Keller auspumpen oder Wege freiräumen – erledigen. Das Verständnis für die neue Aufgabe sei bei den Pionieren aber gross, die Motivation ebenso, darf Lehmann erfreut feststellen. Ausserdem konnte die ZSO Region Zofingen auf personelle Unterstützung der ZSO Wartburg (Gemeinden Aarburg und Oftringen) und deren Kommandanten Ewald Müller zählen und dabei die gute Zusammenarbeit weiter festigen. Und die Zusammenarbeit zwischen Zivilschutz auf der einen und Heimen und Spital auf der anderen Seite funktioniere ausgezeichnet.

Betreuer im gewohnten Einsatzbereich

Keine Besuche – nicht einmal von Angehörigen – sind momentan im «Sennhof» und im Schloss-Café möglich. Und auch die Mitglieder des Sennhofvereins, die jährlich etwa 5500 Stunden Freiwilligenarbeit leisten, dürfen den «Sennhof» momentan nicht besuchen.

«Es fehlt an Abwechslung, es fehlt an Leuten, die Zeit haben», sagt denn auch Heimleiter Urs Schenker. Er sei froh, in dieser Situation auf die Betreuenden des Zivilschutzes zählen zu dürfen. Mindestens noch bis Ende Mai seien drei Angehörige des Zivilschutzes wochenweise im «Sennhof» im Einsatz, wo sie zum Beispiel im internen Transportdienst eingesetzt, mit dementen Leuten spazieren gehen würden oder einfach Zeit für einen «Schwatz» hätten. «Sie entlasten unser Pflegepersonal bei Aufgaben, für die fast keine Zeit bleibt», sagt Schenker dankbar. Der «Sennhof» würde schon rund zehn Jahre mit dem Zivilschutz zusammenarbeiten. «Da ist eine Verbindung entstanden, die für den ‹Sennhof› Gold wert ist».

Keine Ermüdungserscheinungen

Nach rund acht Wochen Dauereinsatz darf Urs Lehmann ein positives Fazit ziehen. «Unsere Leute haben einen top Job gemacht – die Einsätze sind ruhig und geordnet verlaufen», stellt er zufrieden fest. Und wenn die Einsätze noch lange weiterlaufen sollten? Lehmann ist sich sicher, dass «seine» Leute über das notwendige Durchhaltevermögen verfügen, «wir leisten Dienst, solange es uns braucht», sagt er. «Wenn es uns nicht mehr brauchen sollte, umso besser!»

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