Wie Max die Rückkehr des FC Aarau auf den Übungsplatz erlebt

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Dinge, die auch beim FC Aarau vermehrt zum Einsatz kommen werden. (Bild: mwy)

Versetzen wir uns in einen Spieler des FC Aarau – nennen wir ihn Max – der am Montag erstmals seit dem 16. März wieder zum Training im Brügglifeld erscheint. So in etwa könnte sein Tag ablaufen:

Gemischte Gefühle

Kurz vor 14 Uhr fährt Max auf den Parkplatz zwischen Keba und Brügglifeld. So wie immer. Aber jetzt sind da Vorfreude, kein Wunder nach über zwei Monaten ohne persönlichen Kontakt mit den Teamkollegen – aber auch Skepsis: Wie wird es sein, Training unter Corona?

Der erste Teamkollege kommt um die Ecke, im Gesicht eine Schutzmaske und mit Handschuhen. Wer mit dem ÖV anreist, muss dies mit Maske und Handschuhen tun, 5000 Masken und 2000 Paar Handschuhe hat der FCA angeschafft. So steht es im Regelheft, das Geschäftsführer Roland Baumgartner allen Angestellten vor der Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs zugeschickt hat.

Die beiden Spieler winken sich zu, aufs Trainingsgelände aber geht jeder allein. Der Weg führt Max nicht wie üblich durch den Gästesektor und die Geschäftsstelle in die Spielerkabine unter der Brügglifeld-Tribüne, sondern Richtung Keba. Dort hat sich am Eingang zu den Rasenfeldern bereits eine kleine Schlange gebildet, es sind die Teamkollegen, die am «Medical Checkpoint» anstehen. Physiotherapeut Phil Tiernan misst jedem Spieler Fieber, jeder muss zudem einen Fragebogen zu seinem Wohlbefinden ausfüllen. Ohne diesen täglichen Check kommt keiner aufs Gelände.

Salutieren wie ein Soldat

Umziehen muss sich Max in der grossen Keba-Garderobe, wo sich normalerweise die Besucher des Ausseneisfeldes ihre Schlittschuhe schnüren. Die Spieler sind aufgeteilt auf mehrere Kabinen, das Schutzkonzept verlangt 10 Quadratmeter Platz pro Spieler. Drei Mitspieler sind schon da, Max freut sich, die Jungs wieder in echt zu sehen, und salutiert wie ein Soldat, Körperkontakt ausserhalb des Spielfeldes ist verboten. Peinliche Kabinenbilder wie jene aus Berlin, wo sich Spieler und Trainer entgegen allen Vorgaben mit Handschlag begrüssten, sollen vermieden werden. «Ihr Fussballer seid Vorbilder und steht unter besonderer Beobachtung», appelliert der FCA im Regelheft.

Dort steht auch: «Die Spieler fahren in frisch gewaschenen Kleidern zum Training.» Wer will, kann auch Trainingsshirt, -hose und Stulpen zu Hause waschen. Die FCA-Wäscherei wird ab Montag jedoch wieder den Betrieb aufnehmen – im Coronamodus: Schutzmaske und Handschuhen sind Pflicht. Um die Kleider nicht nachträglich einzeln desinfizieren zu müssen, wurde ein alkoholhaltiges Waschmittel angeschafft, wie es Spitäler oder Altersheime benutzen. Eine Stunde vor dem Eintreffen der Spieler bringt das Wäschepersonal die Sachen in die Kabinen und stellt Körbe für die Rückgabe der Kleider auf, die erst wieder eingesammelt werden, wenn die Spieler längst auf dem Heimweg sind.

Endlich auf dem Platz

Dann, endlich, betritt Max das erste Mal seit zwei Monaten wieder einen Fussballplatz. Sofort schnappt er sich einen Ball, beginnt diesen mit einem Teamkollegen zu jonglieren, dabei kommen sich die beiden immer wieder näher als die obligaten zwei Meter. «E chli witer usenand», mahnt Konditionstrainer Norbert Fischer, der kurz darauf die Spieler zusammenruft. Während Fischer das Warm-up erklärt, müssen die Spieler Abstand halten, über den ganzen Mittelkreis verteilt sich die Gruppe. Nur während der Trainingsübungen ist das Social Distancing ausgesetzt.

Duschen nicht erlaubt

Ein paar Passübungen und ein «Mätschli», das war’s – im ersten Training sollen sich die Spieler wieder an ihren Beruf herantasten, wegen der hohen Temperaturen fliesst der Schweiss dennoch in Strömen. Doch nach der Verabschiedung durch Chefcoach Patrick Rahmen schlüpfen die Spieler verschwitzt in ihre Privatkleider; Duschen ist im Brügglifeld nicht erlaubt. Doch es gibt Ausnahmen: Max zwickt es seit ein paar Tagen im Rücken. Der Physiotherapeut will sich das anschauen. Wer nach dem Training eine Behandlung braucht, bekommt diese im Stadion: Dafür geht Max durch den eigens mit Gittern aufgestellten Korridor via Spielfeld in den Tribünenkeller, duscht in der für diese Fälle eingerichteten Spezialkabine, zieht Maske und Handschuhe über und legt sich dann auf die Massagebank.

Maskenpflicht gilt auch für die Geschäftsstellen-Mitarbeiter, sobald sie sich von ihren Arbeitsplätzen erheben. Um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, trennt der FCA die Angestellten in zwei Gruppen: In Geschäftsstellen-Mitarbeiter, die sich ausschliesslich im abgeriegelten Bürotrakt bewegen dürfen, und in Spieler, Trainerstab und Betreuer der Profimannschaft, die nur mit Sondererlaubnis hinter die Stadionmauern dürfen. Für das Videostudium oder Einzelgespräche zwischen Spieler und Trainer ist weiterhin der Sponsorenraum im Tribünenbauch vorgesehen, je nach Anzahl der Personen im Raum herrscht auch dort Maskenpflicht.

Desinfizierte Hütchen

Gerade, als er ins Auto steigen will, erspäht Max auf dem Trainingsplatz Assistenztrainer Stephan Keller, wie dieser Bälle, Hütchen, Stangen und Freistoss-Dummies mit Desinfektionsmittel besprüht. Der Verein hat dafür spezielles, umweltfreundliches Desinfektionsmittel kaufen müssen, weil das handelsübliche den Rasen schädigt. Im Auto seufzt Max und erinnert sich an die Worte, die ihm einst ein Trainer eintrichterte: «Fussball ist ein einfaches Spiel!»

22 Seiten Schutzkonzept

Die Trainings in Coronazeiten abzuhalten, sei gemäss Roland Baumgartner vor allem ein organisatorischer Aufwand. Die einzige Massnahme, die deutliche Mehrkosten verursache, sei die tägliche Reinigung und Desinfektion aller Räume, Griffe, Sitze, Tische, Böden etc. durch eine externe Firma. Der Geschäftsführer des FC Aarau (seit Anfang 2020) hat auf Basis des vom BAG abgesegneten Schutzkonzepts der Swiss Football League ein eigenes, 22 Seiten langes, den Begebenheiten im Brügglifeld- und Keba-Areal angepasstes Regelheft erstellt. Nicht zum Schutzkonzept gehören präventive Coronatests. «Das wäre schlichtweg nicht finanzierbar», sagt Baumgartner. Rund 200 Franken kostet ein Test und Sinn machen solche nur, wenn im Abstand von maximal 48 Stunden getestet würde. Spieler oder Trainer, die im privaten Umfeld einen Coronafall haben oder selber positiv getestet wurden, müssen in eine mindestens zehntägige Quarantäne. Um das Coronavirus möglichst vom FCA fernzuhalten, werden die Spieler gebeten, ihre privaten Kontakte auf das nötige Minimum zu reduzieren und auf Freizeitaktivitäten an stark frequentierten Orten, etwa in einer Bar, zu verzichten. «Wir vertrauen auf die Selbstverantwortung der Spieler», so Baumgartner, «aber Detektive zur Überwachung werden wir keine aussenden.»

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