«Der positive Corona-Test stürzte mich zuerst in eine Krise»

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Inge Lichtsteiner diese Woche oberhalb des Egolzwilersees. (Bild: zvg

Während der Skiferien in Ischgl (Österreich) steckte sich Inge Lichtsteiner mit dem Corona-Virus an. Die Politikerin aus Egolzwil war drei Wochen lang krank und isoliert zu Hause, mittlerweile ist sie wieder wohlauf. Die Luzerner CVP-Kantonsrätin unterstreicht, dass Offenheit im Umgang mit dem Virus Covid-19 eine präventive Wirkung hat.

Inge Lichtsteiner, der Coronavirus prägt den neuen Alltag unseres Zusammenlebens. Direkt vom Virus betroffene Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens äussern sich selten. Was bewog Sie zu diesem aussergewöhnlichen Schritt?

Inge Lichtsteiner: Ich musste es öffentlich machen. Ich hatte mich wie gewohnt mit Menschen getroffen, als ich noch gar nicht wusste, dass ich infiziert bin. In der Folge waren meine Kontaktpersonen dankbar, direkt über meine Infektion informiert worden zu sein. Grundsätzlich gibt es nichts zu verstecken. Es hilft der Prävention, wenn sich Betroffene direkt äussern.

Sie waren vom 29. Februar an in den Skiferien in Ischgl und steckten sich in diesem Hotspot an. Machte sich die Covid-19-Infektion schon während Ihrer Ferien bemerkbar?

Nein. Gar nicht. Damals wussten wir, dass es den Virus gibt und er sich langsam ausbreitet. Die Gefahr war aber noch lange nicht allgegenwärtig. Wir bewegten uns wie normale Touristen, aber ich versuchte schon zu diesem Zeitpunkt, grossen Menschenansammlungen aus dem Weg zu gehen. Beim Après-Ski waren wir mehrheitlich im Freien. Es waren für uns ganz normale Skiferien. Erst fünf Tage danach bemerkte ich erste Anzeichen.

Was waren die Symptome?

Ich hatte leichte Gliederschmerzen, eine Erkältung, Kopfweh und Unwohlsein sowie erhöhte Temperatur. Anfangs fühlte es sich wie eine normale Grippe an. Deshalb ging ich zu meinem Hausarzt. Als ich dann seine Nachricht erhielt, dass bei mir der Test auf Covid-19 positiv ausgefallen war, hat mich das zuerst in eine Krise gestürzt. Es war eine ziemliche psychische Belastung. Zumal ich auch noch meine 92-jährige Mutter nach den Ferien zu Besuch hatte.

Wie verlief die Krankheit weiter?

Ich habe zum Glück nie Atemprobleme gehabt. Einfach extreme Gliederschmerzen, Fieber und eine Dauermüdigkeit. Ein klares Symptom war auch der Geschmacksverlust. Einige Tage blieb ich immer im Bett. Aber ein Spitalaufenthalt war zum Glück nicht nötig. Mein Hausarzt betreute mich ausgezeichnet.

Hatten Sie Unterstützung während der Krankheit?

Meine Angehörigen haben sehr gut reagiert: Mein Partner, der ebenfalls in Quarantäne war, hat mich natürlich unterstützt. Er hatte keine Symptome. Die Kinder haben für uns eingekauft. Nachbarn haben uns geholfen. Die Solidarität in der Krise haben wir positiv zu spüren bekommen. Das hat uns aufgestellt.

Gab es auch negative Reaktionen respektive Angstgefühle in Ihrem Umfeld?

Natürlich herrschte eine gewisse Betroffenheit, dass so nahe jemand am Corona-Virus erkrankt ist. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass uns jemand meidet. Allerdings ist anzumerken, dass wir drei Wochen lang absolut isoliert waren.

Wie muss man sich Quarantäne praktisch vorstellen?

Ich hatte zwei Zimmer in unserem Haus zur Verfügung, ein Schlaf- und ein Badezimmer für mich. Wenn ich mich im Wohnzimmer bewegte, hatte ich Maske und Handschuhe an. Jemanden zu empfangen war streng verboten. Ich richtete mich strikt nach den Richtlinien des Bundesamts für Gesundheit. Zudem war ich als Infizierte registriert.

Wie geht es Ihnen heute?

Nach Ostern bin ich aus der Quarantäne herausgekommen. Mir geht es gut, sehr gut sogar. Ich konnte mich gut erholen. Ich habe länger gebraucht als bei einer normalen Grippe. Ich habe mir Zeit für die Genesung lassen müssen.

Ist das Ganze für Sie abgeschlossen oder denken Sie manchmal zurück?

Ich denke schon immer wieder darüber nach. Natürlich bin ich dankbar, dass ich wieder gesund sein darf und auch nicht einen so schweren Krankheitsverlauf hatte. Ich denke auch an die schwierige Corona-Situation in anderen Ländern wie beispielsweise Italien.

Wie waren die ersten Tage nach Ihrer Genesung?

Wieder das Haus verlassen zu können war das Allerschwierigste für mich: Ich spürte natürlich schon eine gewisse Unsicherheit in meinem Umfeld.

Wie beurteilen Sie als Betroffene die etappenweisen Lockerungen nach dem Corona-Lockdown, befürchten Sie einen Rückschlag?

Ich will die ganzen Lockdown-Massnahmen des Bundesrats nicht kommentieren. Ich habe aber das Gefühl, dass es schwierig war, alles stufengerecht zu gestalten und es allen recht zu machen. Eine schnelle Lockerung beinhaltet aber auch die Gefahr einer zweiten Welle. Das will man unter allen Umständen vermeiden. Sonst wären alle Massnahmen umsonst gewesen.

Gehen Sie wieder auswärts essen oder einkaufen?

Im Moment zieht es mich noch nicht so stark nach draussen. Was ich aber nach den Lockerungen bewusst mache, ist das lokale Gewerbe zu unterstützen: Ich liess gewisse Reparaturen ausführen oder bestellte Blumen.

Werden Sie wieder in die Ferien gehen?

Die Alternative, in der Schweiz Ferien machen zu können, finde ich gut und werde sie nutzen. Ich freue mich ebenfalls, wenn die Grenzen zu Spanien wieder aufgehen, wo ich sehr gerne hinreise.

Am Montag waren Sie im Luzerner Kantonsrat, der in der Messe Luzern tagte. Wussten die Kollegen von Ihrer Krankheit, hat allenfalls jemand eigenartig reagiert?

Die meisten haben es wohl gewusst. Nein, eher im Gegenteil, die Kollegen und Kolleginnen hatten Freude, dass ich wieder gesund bin und es mir gut geht.

Wir sind am Schluss dieses Gesprächs. Wie ist Ihr Ausblick auf die Corona-Situation?

Jeder und jede muss die Ansteckungsgefahr weiterhin ernst nehmen und sich an die empfohlenen Vorsichtsmassnahmen halten. Etwas Gutes hat die Corona-Krise: Der Blick ist wieder etwas lokaler geworden, man kauft im eigenen Dorf ein, schaut mehr zueinander und der soziale Zusammenhalt ist gewachsen. Aber die Krise schuf auch viele Verlierer, zu denen wir schauen müssen. Die Politik und die Sozialwerke sind gefordert, alle Hilfsmassnahmen müssen bezahlt und finanziert werden, die Gemeinschaft muss dafür auch bereit sein. Ich glaube aber nicht daran, dass sich die Menschheit auf lange Sicht nachhaltig ändern wird. Die Rückkehr zum normalen Leben hat positive und negative Seiten, zu den guten zählt ein Stück weit das Vergessen.

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