Wenn Jugendliche auf Distanz gehen müssen: Aargauer Mittelschulen bereiten Wiedereröffnung vor

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So sahen die ersten Stunden einer Mittelschulklasse nach dem Lockdown in Stabio TI aus. Der Klassenraum wurde kurzerhand in der Aula eingerichtet. © KEYSTONE/Ti-PRESS/DAVIDE AGOSTA

Während an der Volksschule bereits seit über zwei Wochen wieder so etwas wie Normalbetrieb herrscht, haben die Schülerinnen und Schüler der Mittelschulen die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts noch vor sich. Voraussichtlich am 8. Juni soll der Unterricht wieder vor Ort stattfinden.

Das letzte Wort dazu hat heute der Bundesrat: «Der Entscheid über den Zeitpunkt der Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts hängt ab von der Lagebeurteilung der epidemiologischen Entwicklung und der diesbezüglichen Entscheidung des Bundesrates», hält der Bund in einem Grundlagenpapier mit Massnahmen und Empfehlungen für die nachobligatorische Schule vom 13. Mai fest. Das Papier richtet sich an die zuständigen Behörden in Kantonen und Gemeinden und soll als Grundlage für Schutzkonzepte dienen, denn: «Das Vorhandensein eines auf die jeweilige Bildungseinrichtung bezogenen und auf deren Gegebenheiten abgestimmten Schutzkonzeptes ist eine Voraussetzung für die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichtes», heisst es im Papier.

Zwei Meter Abstand auch für Schüler

Diese Schutzkonzepte gestalten sich zwangsläufig anders als jene für die Volksschule. Wer eine Mittelschule ­besucht, ist in aller Regel mindestens 16 Jahre alt und hat damit «gemäss aktuellem Wissen» ein vergleichbares Risiko wie Erwachsene, an Covid-19 zu erkranken und das Coronavirus auch weiterzuverbreiten. Nicht nur Lehrpersonen und Schüler, sondern auch Schülerinnen und Schüler untereinander müssen jederzeit eine Distanz von zwei Metern einhalten können. Dazu kommen alle weiteren vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfohlenen Hy­gienemassnahmen.

Daniel Franz, Rektor der Kantonsschule Baden und Präsident der kantonalen Rektorenkonferenz sagt, er gehe davon aus, dass es beim 8. Juni als Wiederöffnungstag bleibt. Aber selbst wenn der Bundesrat heute doch noch anders entscheiden sollte, laufen die Vorbereitungen doch bereits seit geraumer Zeit. «Würden wir damit erst nach dem definitiven Entscheid beginnen, würde das viel zu knapp», sagt Franz. Alle Aargauer Mittelschulen seien dabei, die Konzepte nach den Vorgaben des Bildungsdepartements umzusetzen. «Unter den Rektoren sind wir uns einig, dass wir die Schutzmassnahmen einhalten können und werden», so Franz. Damit nicht alle Schülerinnen und Schüler gleichzeitig im Schulhaus sein werden, gibt es überall eine Mischform zwischen Fern-und Präsenzunterricht, dies in zwei Varianten: Entweder kommt jeweils nur die halbe Klasse in den Unterricht, während die andere Hälfte weiter zu Hause lernt. Oder aber die ganze Klasse kommt in den Unterricht, wird aber auf zwei Schulzimmer verteilt. Damit nicht zu viele Schülerinnen gleichzeitig vor Ort sind, haben immer abwechslungsweise jeweils zwei Stufen Präsenzunterricht und die dritte bleibt im Fernunterricht. So wird es in Baden gemacht. «Uns war es wichtig, dass die ganze Klasse zusammen wieder in die Schule kommt, damit sich die Schülerinnen und Schüler wieder sehen können», erklärt der Rektor.

«Es geht nicht einfach zurück zur Normalität»

Wieder in die Schule gehen zu können, sei für alle wichtig. «Der Aufwand ist sehr gross, aber ich finde es zentral, dass wir das Schuljahr im Schulhaus abschliessen können», so Daniel Franz. Auch darin sei man sich unter den Rektoren einig. Das sieht auch Katrin Brupbacher, die Präsidentin des Aargauer Mittelschullehrerinnen- und Mittelschullehrerverein (AMV) so. «Die Schülerinnen und Schüler freuen sich, die Lehrpersonen auch», sagt sie. Der Fernunterricht der letzten Wochen laufe zwar gut, insbesondere weil die älteren Schülerinnen und Schüler Selbstständigkeit mitbrächten.

Er habe aber auch gezeigt, dass die schulische Lebenswelt digital nicht gleich funktioniere, wie wenn alle im Schulhaus zusammen sind. In den Mittelschulen sehen die Lehrpersonen aufgrund des Fachunterrichts die Schüler sowieso nur häppchenweise, jetzt haben sie noch weniger Kontakt. «Die Kommunikation gestaltet sich aufwendiger, aber es mussten alle Abstriche machen.» ­Katrin Brupbacher warnt aber vor Euphorie für den 8. Juni: «Es geht nicht einfach zurück zur Normalität, vor allem die Schulleitungen, aber auch Lehrpersonen und Schülerinnen sind gefordert, die Schutzmassnahmen umzusetzen. Es ist ein enormer Effort und viele Details sind noch ungeklärt.» Das Schuljahr wird ab dem 8. Juni nur noch vier Wochen dauern, dann sind bereits Sommerferien. Lohnt sich der Aufwand dafür überhaupt? Ja, findet Brupbacher. Wann und ob der Unterricht wieder stattfindet, wie er vor Corona war, wisse schliesslich niemand. «Es schadet sicher nicht, jetzt mit dem Präsenzunterricht zu beginnen und die Konzepte nach und nach anzupassen», findet sie.

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