Nur wenige Neuinfektionen trotz der Lockerungsschritte: Hätte Social Distancing schon gereicht? Sieben Fragen und Antworten

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Die Hygiene- und Abstandsregeln haben einen grossen Teil zur Eindämmung des Coronavirus beigetragen. © Georgios Kefalas / KEYSTONE

1. Weder bei der ersten noch bei der zweiten Lockerung ist es zu einem Anstieg der Neuinfektionen gekommen. Welchen Einfluss könnte das Frühlingswetter gehabt haben?

Für den Berner Immunologen Beda Stadler ist klar, dass sommerliche Verhältnisse eine Rolle spielen. Allerdings nicht wegen der Temperatur, sondern weil die Menschen draussen sind und von Tröpfcheninfektionen kaum betroffen. «Zudem killt ultraviolettes Licht alle Viren. Die Weisung des Bundesrates zu Hause zu bleiben, war deshalb kontraproduktiv», sagt Stadler.

Diese Massnahme sei «für die Katz» gewesen. Den Sommereffekt hält Pietro Vernazza, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am Kantonsspital St.Gallen, für umstritten. «Meist gehen wir davon aus, dass sich Atemwegsviren im Sommer weniger gut ausbreiten. Mathematische Modelle lassen aber vermuten, dass bei einer Pandemie die Saisonalität weniger ausgeprägt ist.» Vernazza erachtet es als durchaus möglich, dass die Fallzahlen auch in den Sommermonaten ansteigen.

2. Führen harmlose Coronaviren, die uns jeden Winter treffen, zu einer Restimmunität, die ebenfalls mitgeholfen hat?

Diese Restimmunität steckt in unseren Körpern. Dazu gibt es nach Beda Stadler neue Studien, in denen eine 30-prozentige Immunität gegen Coronaviren festgestellt wurde. Die verschiedenen Coronaviren seien verwandt, deshalb gebe es eine Restimmunität.

Die Behauptung, die insbesondere der deutsche Virologe und Merkel-Berater Christian Drosten gemacht habe, es gebe keine Immunität gegen Sars-CoV-2 sei falsch. Das zeige sich auch dadurch, dass kein Kind unter zehn Jahren an Covid-19 gestorben sei, sagt Stadler.

3. Welchen Einfluss könnte die Immunisierung der Bevölkerung durch das neue Coronavirus gehabt haben?

Die Immunisierung der Bevölkerung gegenüber Covid-19 sei bei uns noch minimal und habe noch keinen Einfluss gehabt, sagt Vernazza.

4. Den grössten Anteil am Rückgang hat die Einhaltung der Hygiene- und Distanzregeln. Hätte alleine die Einhaltung dieser Regeln genügt, um die Fallzahlen sinken zu lassen?

Für den Immunologen Stadler ist das so. In Ländern wie Japan und Korea sei das Social Distancing gesellschaftliches Programm. Die schnelle Eindämmung habe dort nicht in erster Linie mit der Tracking Software zu tun gehabt, sondern mit dem Einhalten der Hygieneregeln.

Dass das Distanzhalten alleine gereicht hätte, hält Vernazza dagegen für unwahrscheinlich. «Der Lockdown selbst war sicher wichtig für eine rasche Wirkung. Einen Teil der Massnahmen hätte man eventuell etwas früher beenden können.»

5. Ist das Virus weniger ansteckend als zuerst gedacht?

«Nein, das Virus ist ansteckend. Schwierig ist die Bekämpfung, weil Menschen ansteckend sind, bevor sie Symptome zeigen. Das macht es heimtückisch», sagt Vernazza. All die Berechnungen der Infektions- und Mortalitätsraten sieht Stadler kritisch. Das Virus hat gemäss dem Berner Immunologen dort zugeschlagen, wo es eine günstige Situation vorfand.

Dort wo soziale Probleme und ein schlechtes Gesundheitssystem zusammenkommen wie an gewissen Orten in den USA. Zum Beispiel bei den Navajo-Indianern, die eng zusammenleben und oft an Vorerkrankungen wie Diabetes leiden. In unserem Gesundheitssystem sei die Gefahr viel kleiner. Das Gerede von einer schlimmen zweiten Welle sei Panikmache. Aber das «himmeltraurige Virus» suche sich die Armen und Schwachen aus, so wie jetzt auch in den Favelas Brasiliens.

6. Die Ansteckung über Aerosole wird von den meisten Experten als wenig wahrscheinlich bezeichnet. Hat sich das bestätigt?

Die meisten Erkenntnisse weisen darauf hin, dass die Übertragung über Aerosole einen minimalen Beitrag zur Ausbreitung von Covid-19 hat. «Das scheint vernachlässigbar», sagt Vernazza.

7. Wie genau kann man sagen, dass es nach den Lockerungen kein Anstieg der Infektionen gegeben hat?

Gemäss Daniel Koch vom BAG ist der Trend nach unten klar. Allerdings ist die aktuelle Reproduktionszahl R noch nicht bekannt, weil diese immer erst mit einer Verzögerung von zehn Tagen berechnet werden. Somit dauert es rund zwei Wochen, bis man eine Wirkung von veränderten Massnahmen sehen kann.

Aber es hat sich doch gezeigt, dass in den ersten sechs Tagen nach der grossen Lockerung vom 11. Mai die Ansteckungen nicht zugenommen haben. Daniel Koch vom BAG sagt, dass es im Moment sehr wenige respiratorische Viren gibt, die zirkulieren. Die Leute haben zur Zeit keine Symptome, sind nicht verschnupft und husten nicht. Sie haben auch keine Symptome von anderen Viren.

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Matthias

Ueli Bühler
schrieb am 28.05.2020 11:35
Doch war die Kritik darüber schon sehr massiv. Auch war in dieser Angsterfüllten Zeit ein wenig bessere Nachrichten sicherlich auch ein wenig Balsam für einige Menschen. Zudem wurde ja auch diese Aussage mehrfach als falsch abgestempelt! Sie scheinen Südamerika zu meinen. Stimmt dort ist das Virus aber auch erst ende März Anfang April so richtig gestartet. Und wie es bei uns und allen anderen Ländern in Europas nach ca. 8-9 Wochen der Höhepunkt war wird es auch dort zu Erwarten sein. Zudem dürfte die allgemeine Gesundheit der Bevölkerung z.B. in den Favelas und auch die Versorgungslage als solche, nicht gerade gut sein. Schauen Sie doch einmal die Echtzeitkarte der Hopkins Universität an. Da sieht man den Unterschied zu Nordamerika wirklich sehr gut! Es ist ja auch mit einer Bevölkerung von in Brasilien von momentan über 200 000 000 mit 25 000 Toten noch nicht von sehr vielen ausgegangen werden kann.
Es ist wie Sie sagen, im nachhinein immer einfach etwas zum meckern zu haben. Sie sollten aber Wissen das ich schon immer gesagt habe diese Massnahmen seien zu Überzogen. Schon bevor sie überhaupt in Kraft getreten sind! Im Leserbrief vom 11.3 2020. Wann sind diese Massnahmen in Kraft getreten? Richtig am 16. 3. 2020. Jetzt wird so nach und nach, auch von vorherigen Befürwortern zurück buchstabiert. Zu dem Punkt 6. haben Sie kein Wort verloren! Nichts aber auch gar nichts ist an meinen Aussagen falsch! Alles kann in diversen Kanälen aufs genaueste überprüft werden. Es ist allerdings mit einiger Zeitaufwendiger Recherche verbunden. Da ist es doch einfacher zu sagen das gegenüber Erzählt seich! Ist auch einfacher!

Ueli der Wetterschmöcker

Matthias
schrieb am 28.05.2020 10:33
Genau, das mit dem Wetter hast du 2-3mal gebracht, aber an grosse Kritik darüber kann ich mich nicht erinnern. Fakt ist doch.

- Ein gutes Immunsystem ist wichtig. Egal ob für Corona-Viren oder andere Umständen. Wichtig ist aber auch zu wissen, dass man das Immunsystem nicht in 2-3 Tagen aufbaut. Umbestritten ist wohl auch, dass es für die Seele gut ist, wenn man bei schönem Wetter spazieren gehen oder sich im Freien bewegen kann.

- Dem Virus das Wetter oder die Temperatur so ziemlich egal ist. Denn wäre es das nicht, so dürfte es in den Weltregionen wo jetzt grad Sommer ist keine Ansteckungen geben. Das ist nun aber nicht der Fall.

Fazit.
Auch wenn du die Aussage noch oft wiederholst, sie bleibt im wesentlichen falsch und ist irreführend. Es ist in der Tat besser an die frische Luft zu geben als in der stickigen Stube zu sitzen (wobei das ja keine offizielle Empfehlung war, man durfte immer ums Haus gehen wo es ging). Aber wenn man nach draussen ging und andere Leute antraf, dann hätte man sich an die Distanzregeln halten sollen.

PS: Bei jeder Krise gibt es Leute die alles schon besser zu wissen scheinen. Da gibt es die Gruppe die das eine behauptet und dort die Gruppe die das andere behauptet. Wenn sich dann langsam das Wissen und die Erkenntnisse über die Krise festigt, dann hört man nur noch von derjenigen Gruppe die es schon immer wussten. Von der anderen Gruppe (die genau gleich gross ist) hört man dann nichts mehr. Beiden Gruppen ist gemeinsam, dass Sie keine Lösungen haben, keine Verantwortung übernehmen und auch keine Empfehlungen abgeben.

Kaum zu Glauben

Ueli Bühler
schrieb am 28.05.2020 09:43
Als ich anfangs sagte das Wetter(die Temperatur und schönes Wetter spielt eine Rolle)wurde ich ausgelacht. Es gibt ca. 200 Erkältungsviren. Coronaviren sind nur etwa ein drittel der Erkältungs und Grippe Viren. Die Ansteckung ist aber bei allen wohl dieselbe. Und tatsächlich ist ein nach draussen gehen sogar besser, als drin zu hocken! Eine Gute Gesundheit und ein starkes Immunsystem ist als auch nicht von Nachteil. Dass sagt Dr. med. Deepak Chopra über unser Immunsystem:
Was schwächt Dein Immunsystem?
Belastung jeglicher Art, auch Angst vor dem Virus.Giftstoffe in Deinem Körper. Chronische
Krankheiten. Mangel an Vitalstoffen. Falsche Ernährung. Bewegungsmangel
Schlafmangel.Mangel an Sonnenstrahlen. Auch wird von Virologen eine Grippesaisonimpfumg als durchaus nützlich angesehen. Interessant ist Punkt 6. Wie schreibt Herr Ruedi Hunziker aus Aarburg, in seinem Leserbrief so treffend und dafür fast gesteinigt worden? Die Distanzregel von 2 Metern ist lächerlich! Dies wird nicht die letzte Korrektur dieser Vorgänge rund um dieses Virus bleiben. Davon bin ich Überzeugt! Mal schauen?
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