Mehr als 300 Lehrerstellen im Aargau unbesetzt – Corona könnte Mangel noch verstärken

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«Die Realität sieht so aus, dass manche Schulen in den Sommerferien noch kurzfristig Lehrpersonen einstellen müssen», sagt Philipp Grolimund, Präsident Schulleiterverband Aargau. © Chris Iseli

«Liebe Lehrerin, lieber Lehrer – die Schule Zeihen sucht genau Dich als Klassenlehrerin oder Klassenlehrer von 17 tollen Kindern der 2. und 3. Klasse.» So beginnt ein Video, das Daniel Jeseneg, Schulleiter der Gemeinde im oberen Fricktal, kürzlich auf der Plattform Vimeo publiziert hat. Zeihen präsentiert sich als moderne Schule – es sei schon lange nicht mehr so, dass Kinder Texte von der Wandtafel abschreiben müssten, sagt Jeseneg im Video.

Vielmehr sei die Schule integrativ und jahrgangsgemischt, in den Schulzimmern gebe es Sitzkreise und Gruppenarbeitsplätze, den Kindern werde ein abwechslungsreicher und handlungsorientierter Unterricht geboten. An der Schule mit Kindergarten und vier Primarklassen gibt es ein gemeinsames Lesetraining, einen thematischen Jahresplan für alle in der Mathematik, zudem führt Zeihen einen Schulhausrat und ein Ideenbüro.

Schule präsentiert sich modern und fortschrittlich für Bewerber

«Besonders stolz sind wir auf ein neues Unterrichtsgefäss», sagt Jeseneg im Video, das wie ein Werbespot für die Schule daherkommt. «Ab dem neuen Schuljahr lernt jedes Kind bei uns an einem Vormittag draussen in der Natur.» Dafür hat die Schule Zeihen extra eine Naturpädagogin angestellt, die mit den anderen Lehrpersonen diese Lektionen plant und durchführt.

Die Schule Zeihen habe einiges zu bieten, sagt Jeseneg weiter – und betont, gerade junge Lehrerinnen und Lehrer am Anfang ihrer Schulkarriere seien hier gut aufgehoben. «Wir freuen uns über Deine Bewerbung, nimm jederzeit mit der Schulleitung Kontakt auf»: Mit diesem Aufruf endet das Video, das seit Anfang Woche online ist.

«Wir haben das Video auf sozialen Medien breit gestreut, unsere Schulpflegepräsidentin hat es geteilt, aber auch Eltern und andere Lehrpersonen», sagt Schulleiter Jeseneg auf Nachfrage. Er habe eine Filmausbildung absolviert und sei darum in der Lage, ein solches Video zu produzieren. «Doch für andere Schulleiter ist ein solcher Aufwand wohl kaum zu leisten, und mit dem Lehrermangel kämpfen alle», sagt er. Das Zeiher Video wurde inzwischen rund 1000-mal angeklickt, und bei Jeseneg haben sich tatsächlich fünf Personen gemeldet. «Das ist sehr erfreulich, wir schauen uns die Bewerbungen nun an», sagt der Schulleiter.

In den letzten Jahren sei es zunehmend schwierig geworden, die Stellen überhaupt zu besetzen. Mehr als 300 offene Stellen sind im kantonalen Schulportal ersichtlich, auf die Ausschreibung in Zeihen seien wochenlang keine Bewerbungen eingegangen, sagt Jeseneg. Er stellt fest, dass Studierende der Pädagogischen Hochschule heute oft schon vom zweiten Studienjahr an im Klassenzimmer eingesetzt werden. Zudem habe auch die Zahl der Bewerbungen aus Deutschland, die früher im Fricktal recht hoch gewesen sei, in den letzten Jahren massiv abgenommen.

Selbst die «ganz abenteuerlichen Anwärter auf eine Stelle im Bildungswesen» haben sich laut Daniel Jeseneg aus dem Staub gemacht. Sein Fazit: «Im Moment kann man nur hoffen, bangen und mit zeitaufwendigen Kreativprodukten nach möglichen Talenten, Quereinsteigern, Umsteigerinnen und ‹spannenden Biografien› angeln.»

Schulleiter-Präsident: Mangel dürfte noch mehrere Jahre dauern

«Die Situation ist seit mehreren Jahren schwierig: Eigentlich möchten wir die offenen Stellen bis Ende April besetzt haben, die Realität ist aber, dass manche Schulen noch in den Sommerferien kurzfristig Lehrpersonen einstellen müssen», sagt Philipp Grolimund, der Präsident des kantonalen Verbandes der Schulleiterinnen und Schulleiter. «Die Coronakrise könnte das Problem noch verschärfen, weil eine gewisse Anzahl von älteren Lehrpersonen und Angehörigen der Risikogruppen ausfällt», sagt Grolimund. Personen, die wegen der Krise ihren Job verlieren, könne man nicht einfach so als Lehrerinnen und Lehrer anstellen. «Die meisten haben die erforderlichen Qualifikationen nicht, zudem greifen die Umsteiger- und Quereinsteiger-Programme des Kantons frühestens ab dem Schuljahr 2021/22», sagt er.

In Laufenburg, wo Grolimund als Schulleiter tätig ist, gibt es momentan keine Lücken. «Die letzte offene Stelle konnten wir dank der persönlichen Empfehlung einer Lehrerin besetzen.» Es gebe aber diverse Schulen, die auf Notlösungen wie temporäre Vertretungen, Einsatz von Studentinnen oder Lehrpersonen ohne stufengerechte Ausbildung zurückgreifen müssten. «Damit sind die Stellen vielleicht kurzfristig besetzt, der Betreuungsaufwand ist aber oft recht hoch, zudem haben die Jugendlichen dann oft wechselnde Lehrer, was wiederum die Eltern kritisieren», gibt Grolimund zu bedenken.

Es sei erfreulich, dass die pädagogischen Hochschulen steigende Anmeldungen verzeichneten, sagt der Schulleiterpräsident. «Einerseits wird es aber ein paar Jahre dauern, bis die Studenten von heute ausgebildete Lehrpersonen sind. Andererseits ist das Lohnniveau im Aargau deutlich tiefer als in den Nachbarkantonen, deshalb gehe ich davon aus, dass wir noch mehrere Jahre mit einem Lehrermangel zu kämpfen haben werden», betont er.

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Lehrperson im Aargau

Mia
schrieb am 31.05.2020 11:39
So, wie das BKS momentan in der Coronakriese mit den Lehrpersonen im Aargau umgeht, kaum Schutz (anders als in der freien Wirtschaft) und kein Gehör für den ALV, ist dies nicht verwunderlich.
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