2. Liga inter: Attraktives Abenteuer oder finanzielles Risiko?

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«Wer seine Spieler nicht bezahlt, hat es schwierig in der 2. Liga inter», sagt Muris spielender Präsident Michael Stadelmann (links). (Bild: Archiv AZ)

Die 2. Liga inter macht turbulente Zeiten durch: Mit dem FC Olten, dem FC Wettingen und den Eagles Aarau ziehen sich in der Gruppe 5 – dieser sind auch der SC Zofingen und der SC Schöftland zugeteilt – gleich drei Mannschaften zurück. Wo drückt der Schuh beim Spielbetrieb der Amateurliga? Ist das Problem nur coronabedingt oder doch tiefgreifender?

Während den Eagles Aarau am Ende schlichtweg die Junioren fehlten und sie damit einen Sonderfall bilden, sind die Ursachen in Wettingen und Olten von ähnlicher Natur. «Wir zahlen dem Team schon länger keine Spesen oder Punkteprämien mehr», erklärt Isidor Meyer, Präsident des FC Olten. «Die Kosten für den Ligabetrieb sind schon genug hoch, wenn dann noch Spielergehälter dazukommen, wird für uns der Aufwand zu gross.» Sein Verein wolle sich nun stärker auf die Nachwuchsarbeit konzentrieren, diese habe man zuletzt vernachlässigt.  Auch in Wettingen soll der eigene Nachwuchs in den Fokus gestellt werden. Der Tenor für die Zukunft ist eindeutig: Wer künftig für den FC Wettingen spielt, der verdient keinen Rappen.

Zeitgemässere Struktur der Spielklassen ist gewünscht
Sandro Stroppa, Präsident der Amateurliga, kann die Entscheidung der Klubs aus ökonomischer Sicht nachvollziehen. «Der Rückzug von Wettingen und Olten ist verantwortungsbewusst. Die Vereine haben frühzeitig gemerkt, dass sie etwas ändern müssen und haben dementsprechend reagiert, bevor sie existenzielle Probleme bekommen haben», sagt er. Angst, dass es künftig öfters zu solchen Szenarien mit mehreren Rückzügen in der 2. Liga inter kommt, hat Stroppa nicht. «Der Virus hat gezeigt, dass eine gesunde Finanzpolitik das Wichtigste ist. Dabei darf ich unseren Vereinen ein gutes Zeugnis ausstellen.»

Trotzdem ist sich auch der Präsident bewusst, dass der Ruf der «Übergangsliga» nicht von ungefähr kommt. Stroppa selbst leitet deshalb eine Arbeitsgruppe, die eine zeitgemässere Spielklassen-Struktur ausarbeiten möchte. «Wir wollen die Regionen stärken und auf die Finanzen der einzelnen Vereine Rücksicht nehmen, aber dabei auch die beste Lösung für den Nachwuchs finden. Dementsprechend soll der Spielbetrieb auch für die U21-Teams optimiert werden», sagt er.

Sportlich attraktiv mit überschaubaren Reisen
Die Beispiele aus Olten und Wettingen schrecken den FC Lenzburg nicht ab. Jedoch möchte der Verein auch im Falle eines Aufstiegs auf Eigengewächse und Spieler aus der Region setzen. Gerne hätte Trainer Emilio Munera mit seiner Mannschaft bereits nach dem Abbruch als souveräner Tabellenführer der Aargauer 2. Liga einen freien Platz in der höheren Spielklasse eingenommen. Daraus wurde mit der Saison-Annullierung jedoch nichts.

Munera ist sich bewusst, dass die 2. Liga inter durch die weiteren Reisen weder für den Klub noch für die Zuschauer sonderlich lukrativ ist. Trotzdem würde den Lenzburg-Trainer die sportliche Herausforderung reizen. «Die Liga ist ein Abenteuer», sagt er, «unsere Mannschaft ist ambitioniert und hat junge, hungrige Spieler. Wir würden uns gerne darauf einlassen, falls es so weit kommt.»

Michael Stadelmann, Präsident und Spieler des FC Muri, zeigt sich hingegen zufrieden mit der aktuellen Situation. «Natürlich gibt es immer wieder Teams, die Mühe haben mitzuhalten. Die Liga finde ich jedoch aus sportlicher Sicht attraktiv. Auch die Reisen sind überschaubar», sagt Stadelmann, der beim Zeitpunkt des Saisonabbruchs mit Muri die Gruppe 5 vor Wettingen und dem SC Zofingen anführte. Er kann jedoch verstehen, dass sich der FC Olten und der FC Wettingen für einen anderen Weg entschieden haben. «Wer seine Spieler nicht bezahlt, hat es schwierig in der Liga», erklärt Stadelmann.

Beim SC Zofingen steht das Gerüst

Dreieinhalb Wochen, nachdem Hansruedi Birrer als neuer Trainer und Nachfolger von Flavio Catricalà vorgestellt wurde, kann der SC Zofingen ein beinahe komplettes Kader für die 2.-Liga-inter-Saison 2020/21 präsentieren. Gleich zehn neue Spieler hat der SCZ verpflichtet. Mit Torhüter Jeff Bossert, den Brüdern Dino und Anel Hodzic (alle Wettingen) und Michele Scioscia (Solothurn) kehren vier Spieler zurück, die in jüngerer Vergangenheit bereits das Trikot der Thutstädter getragen haben. Mit Verteidiger Luca Lenzin und Stürmer Noel Ott, der zu den besten Beachsoccer-Spielern der Welt gehört, stossen zwei weitere Spieler des freiwillig in die 2. Liga AFV abgestiegenen FC Wettingen dazu. Ebenfalls neu beim SCZ spielen die Verteidiger Andrin Fumagalli (Rothrist) und Yigit Yunus (eigene Junioren) sowie die Mittelfeldcracks Fabian Sidler (Team Aargau U18) und Marco Carubia (Solothurn). «Mit total 19 Spielern steht das Gerüst, darauf können wir nun aufbauen», freut sich Hansruedi Birrer, der eine Kadergrösse von rund 22 Spielern anstrebt und in den nächsten Wochen deshalb einige zusätzliche Akteure auf Probe mittrainieren lässt.

Die Zuzüge kompensieren die Abgänge von Torhüter Alessandro Vodola, Captain Robert Majic, Topsorer Avni Halimi, Skender Zeqiri, Martin Berisha, Dario Dussin und Patrik Dibrani. «Es ist schwierig zu sagen, ob wir qualitativ besser oder schlechter besetzt sind», sagt Hansruedi Birrer. Er sei aber positiv eingestellt – auch, weil er bei der Teamsitzung letzten Samstag eine Aufbruchstimmung gespürt habe. «Wir müssen uns sicher nicht verstecken», ist Birrer überzeugt.

Gestern Mittwoch leitete der Oftringer die erste Trainingseinheit nach der Corona-Pause. Bis zum offiziellen Vorbereitungsstart Ende Juni will es Hansruedi Birrer langsam angehen. «Im Vordergrund stehen Kennenlernen, Fussball spielen und die Freude wieder gewinnen», sagt er. Gemäss Informationen der Amateurliga soll der Auftakt zur neuen Meisterschaft am Wochenende des 22. und 23. August erfolgen. (pka)

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