Wetten, dass Wetten Spannung und Nervenkitzel retten? – MIT AUDIO

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Pascal Kamber vs. Michael Wyss.

Michael Wyss: Die Sportwelt erwacht langsam wieder aus dem Corona-Zwangsschlaf. Endlich kann man wieder spannende Spiele am TV mitverfolgen und sich über Ergebnisse freuen oder ärgern. Und wer das Ganze noch ein bisschen spannender machen will, der wettet. Dabei stehen der Wetterin oder dem Wetter hunderte verschiedene Plattformen und tausende verschiedene Möglichkeiten zu Verfügung, einen Tipp abzugeben. Wer kassiert die erste gelbe Karte, wo verlässt der Ball zum ersten Mal die Spielfeldbegrenzung und wer wird zuerst eingewechselt. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. So wird auch ein langweiliges Spiel plötzlich interessant.

Pascal Kamber: Ich weiss nicht, was ich von diesem schier unbegrenzten Wettangebot halten soll. Am Ende muss doch der Sport im Mittelpunkt stehen und nicht, wer den Ball nun zuerst einwerfen darf. Auch ich habe aus reiner Neugierde einmal einen Betrag auf das Endergebnis einer Partie gesetzt, wirklich gepackt hat mich das Fieber aber nie. Zum Glück. Die Angst, dass ich süchtig werde, ist bei mir viel zu gross. Was mit ein paar wenigen Franken beginnt, endet damit, die Konten der Kinder zu plündern, um die Verluste wettzumachen, Familienpflichten zu vernachlässigen oder trotz Verwahrlosung immer weiter zu spielen. Deshalb kann ich auf einen zusätzlichen Nervenkitzel als Zuschauer gerne verzichten. Und wenn ein Spiel tatsächlich einmal langweilig sein sollte, kann ich immer noch den Fernseher ausschalten.

mwy: Die Spielsucht kann tatsächlich ein Problem sein, aber ist die Suchtgefahr für den Menschen nicht allgegenwärtig? Wenn man das Wetten unterbinden möchte, müsste man auch den Alkohol und die Zigaretten verbieten. Ich glaube, es liegt in der Natur des Menschen, sich hie und da einen zusätzlichen Nervenkitzel zu verschaffen. Das entbindet aber nicht von Eigenverantwortung. Ausserdem wird ein Teil des eingenommenen Geldes, zumindest in der Schweiz, in den Sport investiert. Vereine, Veranstalter und vor allem der Nachwuchs profitieren davon.

pka: Die Subvention des Sports in Ehren, aber es bedeutet im Umkehrschluss, dass der Schweizer Sport auf Spielsüchtige angewiesen ist. Wenn niemand mehr wetten würde, müsste der eine oder andere Verein auf wichtige finanzielle Zuschüsse verzichten. Würde stattdessen jede Schweizerin und jeder Schweizer 50 Franken mit der Steuerrechnung einzahlen, wären die rund 372 Millionen Franken, die von Swissloss 2018 an Projekte und Institutionen in den Bereichen Sport, Kultur, Soziales und Umwelt geflossen sind, fix planbar und nicht von der Einsatzfreude der Wettenden abhängig. Wer ausserdem glaubt, das System austricksen zu können, der irrt. Nicht das Sportwissen beeinflusst die Gewinnchance, sondern hauptsächlich der Zufall. So ist das eigene Portmonee in den meisten Fällen am Ende leer, während sich der Wettanbieter ins Fäustchen lacht. Bei mir ist der Fall deshalb klar: Ich gebe mein Erspartes lieber für ein feines Essen oder erholsame Familienferien aus.

mwy: Dass das Resultat hauptsächlich mit Zufall zu tun hat, würde jeder Sportverein und jeder halbprofessionelle Wetter mit aller Deutlichkeit verneinen. Und zusätzliche Steuern, da freut sich sicher jede Schweizerin und jeder Schweizer – vor allem diejenigen, die mit Sport nichts am Hut haben. So ist es doch viel gerechter, denn wetten – und damit indirekt Kultur, Soziales, Umwelt und Sport unterstützen – muss schliesslich niemand. Ich bin sowieso dafür, dass jeder Mensch – sofern er keinem anderen schadet – sein Leben in möglichst vielen Bereichen selbst gestalten können soll. Ob er sein Geld verwetten will oder lieber für teure Ferien braucht, muss doch jeder selbst entscheiden. Wichtig ist nur, dass alles mit rechten Dingen zugeht.

pka: Genau damit sprichst du einen weiteren wunden Punkt an: Manipulation. Für das organisierte Verbrechen sind Wetten ein lukratives Geschäft, weil es sich bequem im Hintergrund erledigen lässt. Der Tatort «Strasse» wird dabei durch den «Computer» ersetzt, entsprechend schwieriger ist es für die Behörden, den Bösewichten auf die Schliche zu kommen. Wie aber soll dieses Problem gelöst werden? Mir ist bewusst, dass selbst bei einem totalen Verbot für Wetten jeglicher Art der Betrug im Sport nie ganz ausgeschlossen werden kann. Es wäre aber vielleicht ein Anfang. Immerhin gibt es Firmen wie die Sportradar GmbH mit Sitz in St. Gallen, die den Markt der Sportwetten auf Unregelmässigkeiten überwachen, Verdachtsfälle untersuchen und melden. Letzten Endes bleibt mir aber nichts anderes übrig, als an das Gute im Menschen zu glauben und darauf zu hoffen, dass an meiner Vorstellung von einer «heilen Welt des Sports» mehr als nur eine Prise Romantik dran ist.

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