Zu wenig Tische, zu wenig Mittagsgäste: Oltner Beizer leiden noch unter Abstandsregeln

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Das Zelt vor dem Kreuz: Eine wertvolle Stütze für das Restaurant angesichts der geltenden Abstandsregeln. © Bruno Kissling

Nicolas Castillo sitzt in der leeren «Schlosserei-Genussfabrik». Es ist kurz vor Mittag. Vor ihm hat er den Kalender aufgeschlagen. Die Seiten füllen sich Telefon nach Telefon – Leute rufen an, um abends einen Tisch zu reservieren.

Der Bundesrat hat die Wiedereröffnung der Restaurants ab dem 11. Mai genehmigt. Seither ist es tagsüber im Restaurant aber eher ruhig. «Ich habe deshalb nach wie vor halbtags Kurzarbeit angemeldet», sagt Geschäftsführer Nicolas Castillo. Er bietet über den Mittag lediglich Sushi zum Take-away an - aber das Restaurant offen zu halten, lohne sich nicht.

Halbvolle Beizen über den Mittag

Andere Beizer wie Thomas Rhiner vom «Aarhof» bestätigen: «Am Anfang nach der Wiedereröffnung am 11. Mai war praktisch nichts los am Mittag. Jetzt hat es sich etwas erholt», sagt er. Beim kürzlich wieder geöffneten «Flügelrad» beschränkt sich Martin Allemann auf den Abend. Im «Rathskeller» und im «Kreuz» hat Roger Lang Mühe, die reduzierte Anzahl Sitzplätze in den beiden Lokalen über den Mittag zu füllen.

Viele Büroangestellte sind noch im Homeoffice

Darko Bosnjak, Co-Präsident des Gewerbe Olten und selber Geschäftsführer des Hotels Olten, ist der Ansicht, dass es am Homeoffice liegt: «Bei den meisten grossen Firmen wie der Post, Alpiq, SBB oder Swisscom sind die Mitarbeitenden noch zuhause.» Abends läuft es dafür besser. «Die Leute kommen wieder und wollen sich verwöhnen lassen», sagt Rhiner. Bosnjak erklärt, dass die Nachfrage seit vier Wochen kontinuierlich steigt. Und trotzdem arbeiten die Beizer noch lange nicht kostendeckend.

Zu wenig Tische, um rentabel zu sein

Denn ihre Anzahl Tische sind wegen der noch geltenden Abstandsregeln nach wie vor reduziert. An vielen Orten finden auch nach wie vor keine Seminare und Festgesellschaften statt. Roger Lang rechnet beim «Kreuz» und im «Rathskeller» mit Umsatzverluste in der Höhe von 60 Prozent.

Die Situation ist in der ganzen Schweiz ähnlich. Gemäss einer Umfrage des Verbands Gastrosuisse lag der Umsatz der Betriebe in der ersten Woche 60 Prozent unter dem Normalbetrieb. Die Bestuhlung der Lokale reduzierte sich manchmal bis zur Hälfte. Mit der Lockerung der Beschränkung auf Vierertische hat sich die Lage etwas entspannt. Gemäss Darko Bosnjak dürften die Umsatzeinbussen bei den Restaurant der Oltner Gastrobranche im A-la-Carte-Bereich zwischen 10 und 20 Prozent liegen. Das summiert sich mit den fehlenden  Festgesellschaften oder Apéros. Der Wirt zeigt sich jedoch zuversichtlich: «Die Tendenz ist steigend.»

Beizer sind froh um grössere Terrassen

Bosnjak begrüsst zudem explizit die Entscheidung der Stadt, den Gastwirtschaften mehr Platz einzuräumen für Terrassen. Das habe zwar mehr in die Karten von Restaurants gespielt, bei denen es möglich sei. Roger Lang etwa erklärt, er hätte den «Rathskeller» und das «Kreuz» wohl nicht geöffnet, wenn er nicht Zelte vor den zwei Lokalen hätte aufstellen dürfen, um auch bei schlechter Witterung Gäste empfangen zu können. Beim «Rathskeller» habe er nun mehr Sitzplätze draussen als drinnen.

Die Branche hofft auf weitere Lockerungen

Die Normalität im Gastrobetrieb wird aber erst einkehren, wenn die 2-Meter-Abstandsregel wieder aufgehoben ist und Terrassen ihre Sitzkapazitäten ausschöpfen können. In der «Schlosserei-Genussfabrik» wartet Castillo nicht darauf: Er hat ein weiteres Angebot zur Verfügung gestellt: «Ich werde ab Juli als Coworking Space öffnen.» Für eine Tages- oder Halbtagspauschale können Leute dem Homeoffice-Blues entfliehen, indem sie dort statt zuhause arbeiten kommen. Andere Wirte bieten nach wie vor den im Lockdown hochgefahrenen Take-away-Service an.

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