Es darf auch mal Bier und Pizza sein

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Auf die Fussballer warten 13 Spiele in 43 Tagen – Robin Grossmann hat sich einst mit Davos in 21 Spielen innert 47 Tagen zum Schweizer-Eishockey-Meister gekrönt. (Bild: Pascal Muller/Freshfocus)

Es ist die grosse Unbekannte vor der Wiederaufnahme der Meisterschaft: Wie reagieren die Fussballer auf die hohe körperliche Belastung? Das Auswärtsspiel am Freitagabend gegen GC lanciert für den FC Aarau ein Mammutprogramm: 13 Spiele in 43 Tagen – gewohnt sind sich die Profis in solch einem Zeitraum nicht mal halb so viele Ernstkämpfe.

Anders im Eishockey: Dort werden in fünfeinhalb Monaten 50 Qualifikationsrunden gespielt – ein Vorgeschmack auf das, was danach folgt: die Playoffs. Dienstag – Donnerstag – Samstag, maximal zwei freie Tage zwischen zwei Partien, physischer und psychischer Ausnahmezustand für die Spieler. 2009 wird der HC Davos als Erstes und bislang einziges Team mit der maximal möglichen Anzahl Spiele Meister: je sieben in der Viertelfinal-, Halbfinal- und Finalserie. 21 Spiele in 47 Tagen – Wahnsinn!

Damals Teil der Bündner Duracell-Truppe war der Aargauer Robin Grossmann seit 2018 beim HC Lausanne unter Vertrag. Der 32-Jährige erinnert sich an die Playoffs 2009, als wären sie erst gestern zu Ende gegangen. Nicht nur, weil sie in seinem ersten von bislang zwei Meistertiteln gipfelten, direkt vor Augen hat er auch die Bilder nach dem entscheidenden Finalspiel: «Fotografen stürmten in die Kabine und wollten Partybilder machen. Doch wir Spieler sassen nur da, tranken ein paar Bier und redeten miteinander – zum Tanzen und Singen war einfach keine Kraft mehr da.»

Wer, wenn nicht Grossmann ist Experte in Sachen hoher körperlicher Belastung? Wer, wenn nicht er kann den Fussballern wertvolle Tipps geben vor deren anstrengendsten Wochen ihrer Karriere? 

Was Fussball angehe, sei er zwar der klassische EM- und WM-Schauer. Aber als Aargauer schlägt sein Herz für den FC Aarau – «Ehrensache». Bleibt zu hoffen, dass Grossmanns Tipps nützen: Denn neben der körperlichen Extrembelastung haben die FCA-Profis den Druck, in den nächsten 43 Tagen in die obere Tabellenhälfte klettern zu müssen.

Schlaf

«Die Erholung zwischen den Spielen ist das A und O – dabei spielt der Schlaf eine zentrale Rolle, ein effizienteres Regenerationsmittel gibt es nicht. Obwohl man körperlich müde ist, fällt es nicht allen leicht, den Schlaf auch zu finden: Ich selber habe zum Glück keine Mühe, habe aber immer wieder Teamkollegen, die auf Schlafmittel zurückgreifen müssen, weil sie das Adrenalin und die Gedanken an das vorangegangene Spiel sonst bis fünf Uhr morgens vom Einschlafen abhalten. Auf Dauer ist dies alles andere als gesund – darum nur im Notfall auf Schlafmittel zurückgreifen. In Zeiten, wenn alle drei bis vier Tage ein Spiel stattfindet, wirkt zudem ein kurzer Mittagsschlaf Wunder.»

Ernährung

«Wichtig ist, schnell die leeren Energiespeicher aufzufüllen. Direkt nach einem Spiel darf es auch mal eine Pizza oder ein Burger sein, das Fett wird sowieso gleich wieder verbrannt. Sonst gilt: keine zu schweren Mahlzeiten, vor allem nicht direkt vor dem Spiel, dafür viele Kohlenhydrate. Als ideales Regenerationsgetränk nach einer anstrengenden Partie hat sich bei mir Bier bewährt: Es ist isotonisch, die Mineralien und Vitamine werden also vom Körper auf schnellstem Weg verwertet. Zudem schmeckt es mir einfach besser als andere Sportlergetränke, und als idealer Nebeneffekt hilft der Alkohol beim Einschlafen. Im Eishockey sind ein, zwei Dosen Bier nach dem Spiel von den Betreuern und Trainern akzeptiert – Fussballer, denke ich, sind weniger die Biertrinker. Ein Versuch ist es jedenfalls wert!»

Pflege

«Physiotherapie, Massage, kurz in die Eistonne, Sauna – nach genügend Schlaf und der richtigen Ernährung ist die Pflege das Wichtigste. Je älter, desto länger dauert es, bis alle Wehwehchen verheilt sind. Als 20-Jähriger wachte ich nach einem Spiel noch schmerzfrei auf. Und: Nach gewonnenen Spielen fällt das Regenerieren viel leichter, während des dichten Programms hat die mentale Verfassung deutlich mehr Einfluss auf das körperliche Wohlbefinden als in ruhigeren Zeiten. Also: Je besser die Aarauer spielen, desto weniger anstrengend wird’s.»

Abstand

«Gerade nach Spielen, in denen es nicht gut gelaufen ist, neigen wir Sportler dazu, uns noch lange darüber den Kopf zu zerbrechen und vieles zu hinterfragen. Das ist fatal, wenn drei Tage später bereits der nächste Ernstkampf stattfindet. Wer dann immer noch am ‹Was wäre wenn?› herumstudiert, hat bereits verloren. Darum: Sofort auf andere Gedanken kommen. Dabei hilft nur emotionale Distanz. Heisst: Auch keine Fussballspiele aus anderen Ligen schauen, dafür mit dem Hund spazieren, ins Kino gehen, ein Ausflug an den See, etwas Feines kochen. Familienvätern wie mir fällt das leicht, meine zwei Kinder interessiert nicht, wie am Vorabend das Spiel gelaufen ist, sie wollen einfach den Papi zum Spielen. Die Singles müssen sich die Ablenkung suchen. Möglichkeiten gibt es ja genug, von täglichen Tinder-Dates rate ich meinen Teamkollegen während der Playoffs jedoch ab ...»

Unterstützung für die Familie

«Für die Playoffs holen meine Frau und ich uns Unterstützung ins Haus: Putzen, Waschen, Rasen mähen – all die Sachen liegen bei mir in dieser Zeit nicht drin. Ich bin körperlich zwar anwesend, aber zu fast nichts fähig ausser mit den Kindern zu spielen. Meine Frau ist sich das gewöhnt, aber die Familienväter unter den Fussballern, für die das Mammutprogramm Neuland ist, sollten es im Voraus unbedingt besprechen mit ihren Familien und sich nötigenfalls Hilfe in Person von Grosseltern, Geschwistern, Cousinen etc. organisieren. Sonst ist zusätzlicher Stress vorprogrammiert.»

Keine Analyse-Paralyse

«In Gesprächen mit Fussballern habe ich gehört, dass gewisse Trainer mit der Mannschaft tagelang das letzte Spiel aufarbeiten und erst spät den Fokus nach vorne richten. Detailanalysen sind kontraproduktiv, wenn drei Tage später die nächste Aufgabe wartet. Zu ändern ist das Resultat ja eh nicht mehr. Also in ein paar Minuten den Spielern die wichtigsten Erkenntnisse mitteilen und danach sofort in die Zukunft schauen. Das ist auch für die Spieler einfacher gesagt als getan. Bei mir war es ein längerer Prozess, ehe ich ein Spiel schnell ad acta legen konnte. Der Leitgedanke ist: ‹Die Chance, es besser zu machen, kommt schnell – nutzen wir sie!›»

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