Nur 1 Prozent der Zürcher haben Antikörper gegen das Coronavirus – liegt's an den Proben oder am wirksamen Lockdown?

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Mit solchen Zentrifugen werden die Blutproben auf Coronavirus-Antikörper untersucht. © Corona Immunitas

Landesweit wird momentan das Blut der Bevölkerung auf Antikörper gegen das Coronavirus getestet. Dass die sogenannte Seroprävalenz in Genf höher ist als in Zürich, war zwar zu erwarten: Die Westschweiz wurde von der Epidemie stärker heimgesucht. Doch nun zeigt eine neue Studie aus Zürich eine doch erstaunlich tiefe Durchseuchung als in Genf: Nur 1,2 bis 1,5 Prozent aller Zürcher haben Antikörper.

«Ich bin sehr überzeugt, dass unsere Daten stimmen», sagt dazu Adriano Aguzzi, Direktor des Institutes für Neuropathologie am Unispital Zürich. Aguzzi ist jener Viren-Spezialist, der ganz am Anfang der Corona-Pandemie die Schweiz mit einem einfachen Video vor der bevorstehenden Bedrohung gewarnt hatte. Weil er darauf aber mit Drohungen, Anfeindungen und Verleumdungen überhäuft wurde, entschloss er sich zu keiner weiteren Frage in der Corona-Krise Stellung zu nehmen.

Geforscht hat sein Team aber weiter. Es entwickelte einen sogenannten Tripartiten Automatisierten Blut-Immuntest (TRABI) und untersuchten damit Blutproben von 31’680 Spitalpatienten des Unispitals Zürich plus von Zürcher Blutspendern - und zwar mit je 24 Messungen. «Ich lege meine Hand ins Feuer, dass die Daten stimmen», bekräftigt Aguzzi die Ergebnisse.

Fürs nationale Programm sind die Daten nicht verwendbar

Aguzzis Team hat die Seroprävalenz unabhängig vom nationale Programm «Corona-Immunitas» der Swiss School of Public Health (SSPH+) durchgeführt. «Corona-Immunitas» unter der Leitung von Milo Puhan bestimmt nicht nur die Antikörper, sondern sammelt noch mehr Informationen zu den Personen wie die Dauer der Symptome und ihr allgemeiner Gesundheitszustand. Ausserdem sollen manche mehrmals getestet werden um die Immunität zu verfolgen. Diese Corona-Antikörper-Daten sollen schweizweit vergleichbar sein.

Aguzzi hatte zwar mit Puhan Kontakt und bot nicht nur seinen Test, sondern auch seine Daten an. Puhan sagt, der Test sei interessant und Corona-Imunitas habe noch nicht entschieden, welchen sie künftig hauptsächlich verwenden würden.

Doch an den Daten ist Corona-Immunitas nicht interessiert: «Das ist keine epidemiologische Studie», sagt Puhan wegen der wenigen Informationen zu den getesteten Personen. «Und es ist auch nicht sicher, dass die Proben repräsentativ sind für Zürich.» Auch wenn nebst dem Blut von Spitalpatienten solches von Blutspendern untersucht worden sei, stehe die Auswahl nicht unbedingt für den Bevölkerungsdurchschnitt.

Bis Ende Monat könnten es sogar 50'000 Getestete sein. Das wären mehr als 10 Prozent der Zürcher Bevölkerung.

Seine Studie umfasst den Zeitraum von Dezember 2019 und May 2020 und umfasst deshalb auch 5503 Proben, die vor der Pandemie genommen wurden. Die Forscher bekamen die Bewilligung auf Reste von Blutproben von Patienten des Unispitals zurück zu greifen. Für Kinder-Blutproben ist die Bewilligung schwieriger zu erhalten, weshalb die Studie keine Kinder umfasst.

Zwischen den Spitalpatienten und den gesunden Blutspendern zeigte sich praktisch kein Unterschied. Von den über 30'000 Proben waren nur 176 positiv. Die Zahl der positiven Proben stieg auffällig im März 2020 in beiden Gruppen, verharrte ab Ende April jedoch auf einem Plateau.

Nimmt die Immunität schnell wieder ab?

Dass die Seroprävalenz in Zürich nur bei 1,2 bis 1,5 Prozent liegt, dafür gibt es zwei Erklärungen, die laut Aguzzi vermutlich beide stimmen: Einerseits hat der Lockdown enorm gut gewirkt, andererseits könnten sich ab April die Zahl der Neu-Ansteckungen mit der wieder abnehmenden Immunität die Waage halten. Gemeint ist damit, dass manche Infizierte vielleicht ihre Immunität bereits wieder verlieren und so die steigende Immunität durch Neuinfektionen ausgleichen. «Normalerweise verschwindet die Immunität nicht so schnell», sagt Aguzzi, «aber einige neue Studien der letzten Tage scheinen diese Möglichkeit zu bestätigen.»

Corona-Immunitas-Studienleiter Milo Puhan vermutet jedoch, dass die Durchseuchungsrate in Zürich doch etwas höher liegen könnte. Sein Team in Zürich hat vor zwei Wochen mit den Tests für die Studie begonnen.

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Pathologie?

Ueli Bühler
schrieb am 25.06.2020 04:29
Adriano Aguzzi. Ist der Chef der Neuropathologie an der Uni Klinik in Zürich. Die Neuropathologie ist ein Gebiet der Pathologie, welches sich mit den Erkrankungen des Zentralnervensystems, der Hirnhäute (Meningen) und der peripheren Nerven beschäftigt. Weiterhin fallen auch bestimmte Muskelerkrankungen in das Gebiet der Neuropathologie, sowie das Erstellen von Hirnbanken. Zudem ist wieder einmal von könnte, würde und sollte in diesem Bericht die Rede. Studien sind bis vielleicht in einem halben Jahr soweit, dass sie aussagekräftig sind. Bis dahin soll doch einfach einmal durchgeatmet werden und die Panikmache, nicht mehr in diesem Masse wie bisher betrieben werden.
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