Partygäste geben falsche Daten an – Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli nach Superspreader-Event «total verärgert»

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Die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP)

«Das Virus ist kein Spass, auch nicht für die Spassgesellschaft am Wochenende», erklärte die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli am späten Sonntagnachmittag sichtlich enerviert. Der Grund für ihren Ärger: In einem Zürcher Club hat ein sogenannter Superspreader – eine besonders ansteckende Person – mindestens fünf Partygäste mit dem Coronavirus angesteckt.

 

Eigentlich müssten nun alle knapp 300 Clubgäste und Angestellten in Quarantäne, damit sich das Virus nicht weiterverbreiten kann. Soweit die Theorie. Das Problem dabei: Die Behörden haben mit einiger Verzögerung zwar vom Clubbetreiber eine Liste mit Kontaktdaten der Partygäste erhalten, viele haben jedoch falsche Angaben gemacht. Etwa ein Drittel der angegebenen Mailadressen sei falsch gewesen, sagte die Zürcher Kantonsärztin Christiane Meier.


Dabei ging es laut den Behörden nicht um Tippfehler. Vielmehr seien die Adressen extra falsch gewesen, erfunden, teils mit vulgären Ausdrücken. Manche Partygäste machten sich offensichtlich einen Jux daraus, falsche Namen und Kontaktangaben zu hinterlassen. Gleichzeitig war die Liste offenbar nicht vollständig: Laut den Behörden haben sich Personen gemeldet, die ebenfalls im Club gewesen waren – aber nicht auf der Liste fungierten.

 

Clubbetreiber lange nicht erreichbar

Damit nicht genug: Laut Kantonsärztin Meier hat es lange gedauert, bis die Behörden den Clubbetreiber überhaupt erreichen konnten. Der «Superspreader» war am 21. Juni im Flamingo Club gewesen. Vier Tage später wurde er positiv auf Covid-19 getestet; fünf Personen, die mit ihm im Club gewesen waren, erkrankten später ebenfalls. Am 26. Juni ging bei den Behörden die Meldung ein, am 27. Juni konnten diese den Clubbetreiber erst erreichen. Es verstrich also wertvolle Zeit – Zeit, in der das Virus sich womöglich weiter verbreitet hat.

Sie sei «total verärgert», sagte Natalie Rickli: «So geht es nicht.» Der Kanton könnte Veranstaltungen verbieten und Clubs schliessen, mahnte sie. Vorerst sucht die SVP-Regierungsrätin aber das Gespräch. «Wir diskutieren mit den Clubs nochmals, wie man die Situation verbessern kann.» Die Betreiber seien in der Verantwortung. Rickli rief sie dazu auf, die Identitätskarten der Gäste zu kontrollieren um sicherzugehen, dass korrekte Angaben gemacht werden. Die Clubbetreiber und -gäste erhalten also noch eine Chance.

Die Zürcher Bar- und Club-Kommission wollte sich am Sonntag nicht weiter zum Fall äussern. Sie wolle zuerst ein Treffen mit dem Kanton abwarten, sagte ein Sprecher. In einer Stellungnahme auf der Webseite verwies die Kommission darauf, dass an Veranstaltungen dank der Massnahmen bekannt werde, wenn es Ansteckungen gebe – anders als etwa im ÖV. Und die Kommission versprach: Man werde weiterhin alles daran setzen, um die zurückerlangten Freiheiten und die Gesundheit der Gäste zu schützen.

Kantonsärztin besorgt wegen anstehender Ferien

Nicht nur im Nachtleben kam es im Kanton Zürich zu neuen Infektionen. Weitere Fälle seien unter anderem auch von Sportveranstaltungen und einem Flug gemeldet worden, sagte Rickli. Sie kritisierte: «Unsere Aufrufe, sorgfältig zu sein, wurden nicht befolgt.» Seit Freitagmorgen gab es im Kanton Zürich 46 neue Fälle.

Kantonsärztin Meier zeigte sich deswegen besorgt – auch im Hinblick auf die Ferien. Zurzeit steckten sich zwar vor allem junge Leute an. Doch wenn das Virus unter ihnen zirkuliere, seien auch vulnerable Menschen in Gefahr. Meier appellierte daher an die Bevölkerung: «Es sollen sich alle so verhalten, wie wenn sie selber infektiös wären.»

Wissenschafter fordern zusätzliche Massnahmen

Auch schweizweit ist die Zahl der bestätigten Fälle zuletzt gestiegen. Am Samstag meldete das Bundesamt für Gesundheit 69 bestätigte Fälle, am Sonntag 62. Das sind doppelt so viele wie am Wochenende zuvor. Bundesrat Alain Berset warnte im Interview mit Radio SRF davor, das Virus auf die leichte Schulter zu nehmen.

Die wissenschaftliche Taskforce drängt derweil auf zusätzliche Massnahmen: Sie empfiehlt neu eine Maskenpflicht im ÖV, wie die «SonntagsZeitung» berichtete. Zudem sollen Reisende aus gewissen Ländern in Quarantäne gehen.

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Enerviert?

Ueli Bühler
schrieb am 29.06.2020 10:14
Es ist und war zu Erwarten, dass die Leute nicht die richtigen Namen angeben. Viele Menschen in den Restaurants haben nicht die richtigen Angaben gemacht! Niemand wird einfach so, seine Daten preisgeben. Das liegt in der Natur der Sache. Genervt muss man nicht sein. Die Leute wollen einfach nicht in die Quarantäne geschickt werden. Vor allem wenn nicht klar ist wer den Lohn bezahlt, im Falle einer Quarantäne.

Falsch Daten

Yintang
schrieb am 29.06.2020 10:02
Mit einer Verfügung sollten die ID's am Eingang jeweils kopiert werden.
So werden falsche Daten der Riegel geschoben !
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