Dieses Bier ist alles andere als Käse

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Der 28-jährige Alex Maurhofer braut in der ehemaligen Käserei an der Aeschwuhrstrasse sein Brauhofer Lager. Bild: Remo Wyss

Wo früher aus der Milch der regionalen Bauern Käse wurde, stehen heute drei Drucktanks, ein Vorgärtank und mehrere Paletten mit leeren Flaschen. «Ich erhielt gerade eine neue Lieferung Flaschen, deshalb ist alles etwas zugestellt», entschuldigt sich Alex Maurhofer. Hinter ihm ploppt immer wieder das Überdruckventil auf dem Vorgärtank auf und ab. Schon bald kann der 28-Jährige die eben angelieferten Flaschen in der alten Chäsi am Aeschwuhrweg 11 in Rothrist mit seinem «Brauhofer» befüllen. «Etwa alle zwei Wochen kann ich brauen», erklärt Maurhofer. Einen Tank mit 500 Litern seines naturtrüben Lagerbiers füllt er in 1500 Drei-Deziliter-Flaschen ab. Rund 90 Prozent davon sind bereits im Vorfeld verkauft. Aktuell gibt es sein Bier in neun Läden zu kaufen, Restaurants und Bars haben es im Angebot – wöchentlich kommen neue Anbieter dazu. «Die ersten paar Verkaufsstellen musste ich natürlich selbst anfragen. Mittlerweile melden sich Läden oder Restaurants aus eigenem Interesse direkt bei mir, das ist schon ein tolles Gefühl.» Erstaunlich, da Maurhofer, der im Januar sein Pensum als Schreiner bei Baer Création in Brittnau auf 60 Prozent reduzierte, erst Mitte März mit dem Verkauf begann. Dreieinhalb Monate später muss er sich bereits Gedanken über eine Erweiterung seiner Brauerei machen. «Dass es so schnell geht, hätte ich nicht gedacht. Bis Ende Jahr kommt nun sicher noch ein Tank dazu – vielleicht auch gleich zwei.»

Das Handwerk lernte er von seinem Schwiegervater

Hat er das Bier abgefüllt, muss er alles rund einen Tag ruhen lassen. Denn dieses wird mit einer Temperatur von rund drei Grad in die raumtemperierten Flaschen gefüllt. Aufgrund des Temperaturunterschieds bilden sich auf der Aussenseite der Flaschen kleine Wassertröpfchen, die das Etikettieren verhindern. Haben sich die unterschiedlichen Temperaturen angeglichen, braucht Maurhofer rund einen halben Tag, um alle Flaschen mit einem Etikett zu versehen. Er verwendet Einwegflaschen, da Mehrwegflaschen zu teuer sind. «Ich bin mit meiner Produktion bereits zu gross, um die Flaschen von Hand waschen zu können.» Eine Waschanlage sei dann auch gleich wieder eine Geld- und Platzfrage.

Seine Infrastruktur, den Hopfen und das Malz bezieht Alex Maurhofer aus dem «Brau- und Rauchshop» in Densbüren. Dieser wiederum bezieht den Hopfen für das Brauhofer Lager aus Tettnang am deutschen Ufer des Bodensees. «Die Hopfensorten, die in der Schweiz angebaut werden, kann ich mit meinem Rezept leider nicht verwenden.» Dennoch ist alles, was geht, regional. «Treber, der bei der Bierherstellung entstehende Rückstand des Braumalzes, ist hervorragendes Tierfutter. Das gebe ich an Hansueli Trachsel aus Strengelbach weiter.» Trachsel war einer der letzten Landwirte, die ihre Milch noch in die Chäsi am Aeschwuhrweg brachten.

Gelernt hat Alex Maurhofer das Brauhandwerk von seinem Schwiegervater. «Ich lernte 2010 meine heutige Frau kennen. Ihr Vater hatte zwischen 2006 und 2010 selbst eine kleine Brauerei in Strengelbach und stellte das Pauli Bräu her.» Nach seiner Lehre als Schreiner und der Rekrutenschule setzte sich Maurhofer intensiver mit dem Brauen auseinander. Sein Schwiegervater, der in den Anfangszeiten des Densbürer «Brau- und Rauchshops» dort regelmässig Braukurse durchführte, nahm ihn ab und zu an einen Kurs mit oder erteilte ihm Einzellektionen. Im Vordergrund stand dabei immer die Produktion für den Eigenkonsum und die Freude am Selbermachen. «Vor sechs Jahren begann ich, zu Hause Bier mit einem Kocher aus der Landi zu brauen.» Pro Brauvorgang ergab das etwa 20 Liter. Kamen Gäste vorbei, war die Freude stets gross, wenn ein selbstgebrautes Bier auf dem Tisch stand. «Ich hörte oft: ‹Das solltest du eigentlich verkaufen.› Das Feedback zu meinem Bier war immer sehr gut.»

Ein weiteres Bier kommt – der Termin steht noch aus

Dass es das Brauhofer nun tatsächlich zu kaufen gibt, liegt zum einen an seinem Schwiegervater, zum anderen an Gottvertrauen, wie Maurhofer sagt. «Ohne das Wissen meines Schwiegervaters hätte ich den Schritt wohl nie gewagt.» Auch sonst kann Alex Maurhofer auf seine Familie und Freunde zählen, was ihm sehr am Herzen liegt. Zuvor brauchte Alex Maurhofer aber noch einen geeigneten Standort. Über Umwege erfuhr er damals, dass die Chäsi ab dem 1. Januar 2019 leer stehen würde. Beim Eigentümer der Liegenschaft, der Milchzentrale Zofingen, und deren Geschäftsführer Adrian Götschmann stiess die Idee einer Brauerei auf offene Ohren. «Nach einer längeren Wartezeit – weil hier eigentlich alles Landwirtschaftsland ist – erhielten wir im August 2019 vom Kanton die Bewilligung für eine Brauerei. So führte eins zum anderen.»

Sein «Brauhofer Lager» basiert auf dem Rezept, welches er vor sechs Jahren zu Hause ausgearbeitet hat. «Ich musste es vom kleinen Kocher auf die grosse Anlage etwas anpassen. Gleichzeitig machte ich es noch etwas süffiger – so dass es der breiten Masse schmeckt, ohne ein Industrieprodukt zu sein.» Ein zweites Bier ist bereits in Planung, auf einen Veröffentlichungstermin will er sich aber nicht festlegen. «Trotz des schnellen Erfolgs muss ich mit meinem aktuellen Bier erst einmal richtig ankommen.»

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Alex Maurhofers Bier kommt so gut an, dass er seine Brauerei bald ausbauen wird. Bild: Remo Wyss
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