Arbeitslosigkeit: Aus diesen drei Gründen ist es zu früh für eine Entwarnung

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Die aktuelle Hochsaison in der Bauwirtschaft hellt das Bild auf dem Arbeitsmarkt deutlich auf. © Keystone

Die rückläufige Arbeitslosenquote ist eine gute Nachricht. Sie überrascht auch viele Ökonomen, die mit einer anhaltenden steigenden Arbeitslosenquote auf 3,5 Prozent oder mehr gerechnet hatten. Doch die Arbeitslosenquote ergibt kein vollständiges Bild über den Zustand des Arbeitsmarktes.

1. Eigentlich ist der Rückgang eine verlangsamte Zunahme.

Gemäss den heute veröffentlichten Informationen des Staatssekretariates für Wirtschaft ist die Arbeitslosenquote in der Schweiz im Juni von 3,4 Prozent auf 3,2 Prozent gesunken. Rund 150'000 Menschen waren in dem Monat auf den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) als arbeitslos registriert. Das sind nahezu 6000 weniger als im Mai. Erfreulich ist diese Nachricht auch deshalb, weil sie die in den vergangenen Wochen an vielen Orten manifest gewordenen Zeichen der wirtschaftlichen Entspannung bestätigt. Immerhin ist es der erste Rückgang der Arbeitslosigkeit seit März, als der Bundesrat mit dem Lockdown grosse Teile der Schweizer Wirtschaft zu einer Pause zwang. Doch bereinigt man die Statistik um saisonale Effekte, hat sich die Zunahmen der Arbeitslosigkeit bloss verlangsamt. Sie ist im Vergleich zum Monat Mai von 3,2 Prozent auf 3,3 Prozent gestiegen. Allerdings waren die um saisonale Effekte bereinigten Werte in den Monaten seit März doppelt bis dreimal so stark gestiegen wie im Juni.

2. Das positive Bild geht nicht durch alle Branchen.

Die rückläufige Arbeitslosigkeit ist vor allem der Bauwirtschaft und dem Gastgewerbe zu verdanken. Während die Bauwirtschaft ihre Produktionskapazität in den Sommermonaten typischerweise auf ein Maximum hochfährt, scheint sich das Gastgewerbe auf eine gute Sommersaison mit vielen einheimischen Gästen vorzubereiten. Andere wichtige Branchen zeigen dagegen nach wie vor eine rückläufige Beschäftigung. So hat sich die ohnehin schon hohe Arbeitslosenquote in der Uhrenindustrie (7 Prozent) weiter verschlechtert. Und auch im Maschinenbau nimmt die Arbeitslosigkeit weiter zu. Diese Beispiele können als Hinweis dafür genommen werden, dass manche exportorientierte Sektoren die Talsohle noch nicht erreicht haben. Volkswirtschaftlich gesehen ist dies für die Schweiz insofern eine schlechte Entwicklung, weil die Exportsektoren einen weit überproportionalen Beitrag zum Wohlstand des Landes leisten.

3. Wichtige Informationen fehlen noch.

Für eine Entwarnung ist es auch deshalb viel zu früh, weil wichtige Informationen zur Vervollständigung des Gesamtbildes noch fehlen. So wissen wir zum Beispiel noch sehr wenig darüber, wie viele Menschen aus der Kurzarbeit tatsächlich in den Arbeitsmarkt zurückfinden werden. Im April waren noch mehr als eine Million Menschen in nahezu 34'000 Betrieben von Kurzarbeit betroffen. Können die Firmen ihre Geschäfte wieder hochfahren und alle Mitarbeitenden an Bord halten? Bislang scheint es eher positiv auszusehen, doch die Kurzarbeitsstatistik geht eben nur bis April.

Was seither geschah, lässt sich nur behelfsmässig aus der Arbeitslosenstatistik ablesen. Für den Arbeitsmarktexperten Michael Siegenthaler vom Konjunkturforschungsinstitut der ETH Zürich ist klar, dass die saisonal bereinigte Arbeitslosenquote bis Ende Jahr weiter zunehmen wird. Eine mögliche Bestätigung dieser Prognose sieht er im Umstand, dass die Zahl der auf den RAV registrierten Stellensuchenden trotz rückläufiger Arbeitslosenquote immer noch am steigen ist. Menschen, die in gekündigter Stelle sind, können sich beim RAV zwecks einer beschleunigten Vermittlung registrieren lassen. Sie kommen dann als registrierte Stellensuchende, aber nicht als Arbeitslose in die Statistik.

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