Silvan Bärtschi: «Ich bin keine autoritäre Führungsperson»

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Silvan Bärtschi fühlt sich wohl in der Gemeinde: «Bottenwil bietet viel Ruhe und damit Lebensqualität.» Tabulator für Einzug rechtsBild: Katrin Petkovic

Seit dem 1. April amtet Silvan Bärtschi als Gemeindeammann in Bottenwil. Im Interview zieht er Bilanz und erzählt, was er über eine allfällige Fusion denkt und wo die Gemeinde noch Verbesserungspotenzial hat. 

 

Silvan Bärtschi, war es für Sie kein Problem, für das Treffen am Nachmittag auf der Arbeit zu fehlen? 

Silvan Bärtschi: Ich arbeite als Bau- und Projektleiter im Hochbau und bin in einem Architekturbüro angestellt. Im Moment befinde ich mich aber in einer Übergangsphase, denn ab dem 1. August bin ich offiziell selbstständig. Die Uhrzeit spielt deshalb gerade keine grosse Rolle. 

Wie lief der Start ins Amt des ­Gemeindeammanns ab? 

Es ist schwierig, nach nur 100 Tagen eine Bilanz zu ziehen. Ausserdem hatte ich eine schwierige Anfangsphase, weil mein Amtseintritt mitten im schweizweiten Lockdown war. Die ersten Wochen waren stark geprägt von Corona-Themen. Im Grossen und Ganzen sind wir aber als Gemeinderat gut gestartet. 

Gegenüber der Öffentlichkeit tritt der Gemeinderat sehr harmonisch auf. Trügt der Schein? 

Harmonisch ist das falsche Wort. Auch wir führen harte Debatten und zwischendurch gibt es rote Köpfe (lacht). Aber wir finden einen Konsens und treten geeint auf. So muss es sein. 

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben? 

Ich bin das jüngste Mitglied im Gemeinderat. Ich bin nicht bekannt als autoritäre Person. Trotzdem verfolge ich natürlich Ziele und versuche, fordernd, aber auch unterstützend zu sein. Wir haben eine Aufgabe als Gemeinderat, der wir gerecht werden müssen. Dennoch soll niemand das Gefühl haben, dass er oder sie alleine auf sich gestellt ist. 

Apropos alleine gestellt: Vorherige Gemeindeammänner vertraten die Ansicht, dass Bottenwil keine Fusion benötigt. Was denken Sie darüber? 

Ich wäre nicht Gemeindeammann geworden, wenn ich grundsätzlich anders denken würde. Es wäre auch keine Motivation gewesen, Gemeindeammann einer Gemeinde zu werden, um sie aufzulösen. Ich wünsche mir höchstens, dass Bottenwil in der Umgebung vermehrt wahrgenommen wird. 

Also läuft alles prima? 

Natürlich führen auch wir kein sorgloses Leben. Wir müssen schauen, dass wir unseren Verpflichtungen und Aufgaben nachkommen. Wir sind stetig herausgefordert. Aber solange die Bevölkerung den Wunsch hegt, selbstbestimmend zu bleiben, sehe ich keinen Grund, wieso sich das ändern sollte. 

Am 1. Januar 2018 wurde der Forstbetrieb Uerkental gegründet, der sich um die Waldungen der Einwohnergemeinden Bottenwil und Uerkheim sowie des Kantons Aargau kümmert, die in der Nähe sind. Wie zufrieden sind Sie mit dem Zusammenschluss? 

Der Forstbetrieb ist gut organisiert. Die Mitarbeiter machen einen guten Job. Natürlich hat der Forstbetrieb auch Probleme, die man nicht beeinflussen kann. So drücken die Borkenkäferplage, der Holzpreis oder längere Trockenperioden aufs Resultat. 

Wie bewerten Sie die Schliessung des letzten Restaurants in Bottenwil, des «Pöstli»? 

Der Wegzug der Pächterin Mira Macinko tut uns allen weh. Wir haben Mira nicht nur als Wirtin, sondern auch als Person sehr geschätzt. Wir hoffen aber, dass der Verpächter einen neuen Beizer findet, damit das Restaurant bald wieder aufgehen kann. 

Waren Sie selber auch ab und an dort anzutreffen? 

Nach jeder Gemeinderatssitzung tranken wir gemeinsam im «Pöstli» noch etwas. Auch den Vereinen wird diese Gelegenheit fehlen.

Was macht Bottenwil aus Ihrer Sicht attraktiv? 

Bottenwil bietet viel Ruhe und damit Lebensqualität. Man kann es fast mit einem Dorf im Emmental oder Entlebuch vergleichen. Auch wenn es für viele auf den ersten Blick nicht so erscheinen mag, wir sind der Ansicht, dass wir vorteilhaft gelegen sind. So haben wir sehr kurze Wege ins Wigger- und Suhrental und den dortigen Angeboten. Drei Autobahneinfahrten in drei Himmelsrichtungen erreichen wir in weniger als zehn Minuten. Aber auch das Dorf selber bietet einiges, so umsorgen uns unsere Vereine mit zahlreichen sportlichen und kulturellen Angeboten. In unserer Primarschule können unsere Kinder bis zur sechsten Klasse die Schule besuchen. 

Und wo befindet sich Ihr Lieblingsplatz? 

Ich bin sehr gerne auf der Haggart in der Nähe der Waldhütte. Von dort blickt man über Teile vom Dorf und die Hügellandschaft bis ins Suhrental. 

Welche Lehren haben Sie aus dem vergangenen Hochwasser im Jahr 2017 gezogen? 

Wir haben diverse Untersuchungen und Studien vorgenommen und dabei eins sehr schnell festgestellt: Schäden eines solchen Unwetters wie damals kann man mit keinen Massnahmen verhindern. Was wir tun können, sind punktuelle Veränderungen, wie zum Beispiel die Einläufe der Bäche vergrössern. Weil bei uns die Schäden verschiedene Ursachen hatten, ist eine flächendeckende Präventionsmassnahme gar nicht möglich. 

Wie viele Baulandreserven besitzt Bottenwil noch? 

Die Gemeinde ist nur noch im Besitz einer Mehrfamilienhausparzelle am Dorfeingang. Es gibt aber noch mehrere Baulandparzellen, die in privaten Händen sind. Das Wachstumspotenzial ist also für die nächsten Jahre gegeben. Wir wünschen uns auch ein moderates Wachstum, damit wir die geschaffenen Strukturen erhalten können. Schön ist auch, dass es nicht viele leere Wohnungen im Dorf hat. 

Also hat Bottenwil kein Verbesserungspotenzial? 

Doch, natürlich. Es gibt viele kleine Sachen, wie beispielsweise das Fakt, dass wir bei Vereinsanlässen zu wenig Parkplätze haben. Oder dass Richtung Uerkheim kein Bushäuschen existiert. Die Kommunikation mit der Bevölkerung wollen wir auch verbessern. 

Was heisst das konkret? 

Wir möchten den Leuten, die mitreden wollen, mehr Möglichkeiten geben. Dazu wollen wir eine Plattform schaffen. Ob es ein Infoanlass der Gemeinde oder eher ein Stammtisch wird, ist noch offen. 

Welche Ziele verfolgen Sie als Gemeindeammann? 

Ich habe ein paar Ideen im Hinterkopf. Es wäre aber vorgegriffen, wenn ich jetzt alles preisgeben würde, schliesslich sind wir als Gemeinderat erst frisch gestartet. Eines kann ich aber verraten: Wir möchten unsere jüngere Bevölkerung vermehrt erreichen. Wir möchten sie motivieren, mitzuwirken und die Gemeindeversammlungen zu besuchen. Als Gemeinde können wir nur dann überleben, wenn sich ältere und jüngere Personen engagieren.

 

 

Zur Person

Silvan Bärtschi ist 37 Jahre alt und amtet seit dem 1. April als Gemeindeammann in Bottenwil. Bereits vor seiner Wahl zum Gemeindeammann gehörte er dem Gemeinderat an. Er wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Bottenwil. Zurzeit arbeitet er noch in einem Anstellungsverhältnis als Bau- und Projektleiter im Hochbau in einem Architekturbüro. Ab dem 1. August ist er offiziell selbstständigerwerbend. (kpe)

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