Mit der Schrotflinte gegen das Virus: Forschung sucht beinahe panisch nach Coronamedikament

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Für schwererkrankte Coronapatienten können wirksame Medikamente entscheidend sein. © Martial Trezzini, Keystone (Genf, 9. April 2020

Es ist ein enormer Kraftakt. Seit Januar wurden über 1200 klinische Studien gestartet, um ein Medikament zur Behandlung von Coronapatienten zu finden. So manche Pharmafirmen lobten sich gar gegenseitig, dabei an einem Strick zu ziehen. Eine Untersuchung kommt nun jedoch zum Schluss, dass das Unterfangen von Chaos und Panik getrieben ist.

Oft seien die klinischen Studien zu klein gewesen, um belastbare Daten zu erheben oder hätten zu stark auf ein einziges Medikament fokussiert. So wurden 39 Prozent der Studien mit weniger als 100 Patienten durchgeführt, wie die Analyse des US-Branchenportals «Stat» in Zusammenarbeit mit der US-Organisation Applied XL zeigt. «Es ist eine enorme Menge an vergeudetem Aufwand und Energie», sagt der renommierte Forscher Martin Landray von der britischen Universität Oxford dazu. Dagegen hätte etwas mehr Koordination und Zusammenarbeit viel gebracht, um offene Fragen zu beantworten.

Rund jede sechste klinische Studie untersuchte laut der Analyse das Malaria-Medikament Hydroxychloroquin. Das Mittel hat sich inzwischen jedoch als nicht wirksam erwiesen. So zeigte eine grössere britische Studie, dass das Präparat das Sterberisiko von hospitalisierten Coronapatienten nicht reduziert. Eine kürzlich veröffentlichte Analyse des Universitätsspital Basel ­offenbarte, dass die Konzen­tration des Medikaments nicht ausreicht, um das Virus zu bekämpfen.

Das Medikament Hydroxychloroquin wurde nicht zuletzt von Donald Trump zeitweise regelrecht gehypt. Im Mai sagte der US-Präsident, er habe das Mittel vorbeugend eingenommen, obwohl von einer prophylaktischen Wirkung nie die Rede war. Vor einem Monat hat die US-Gesundheitsbehörde FDA die anfängliche Notfallzulassung für das Mittel zurückgezogen. Kurz darauf kündigte der Pharmakonzern Novartis an, seine Studie mit dem Medikament abzubrechen. Die Basler begründeten den Schritt damit, dass ein Mangel an Patienten den Abschluss der Studie unmöglich gemacht habe. Ursprünglich hätten 440 Patienten getestet werden sollen.

Nicht einfach alles testen, was verfügbar ist

Die Frage stellt sich, ob nicht zumindest ein Teil der Ressourcen für andere Medikamente hätte eingesetzt werden müssen. So nahmen ganze 237'000 Patienten an klinischen Studien für Hydroxychloroquin teil. Diese Patienten fehlen für andere Studien. Dies wiegt schwer, da es in der Regel schwierig ist, Patienten zu überzeugen, an klinischen Studien teilzunehmen.

Die ehemalige Roche-Managerin Susan Desmond-Hellmann bezeichnet die Entwicklung als exzessiv. Bei der Suche eines Impfstoffs seien die Forscher methodischer vorangegangen. Sie wünsche sich das auch für die Coronamedikamente, sagte die Amerikanerin, die bis vor kurzem Chefin der Bill-&-Melinda-Gates-Stiftung war. Man solle nicht einfach alles testen, was an Arzneimitteln verfügbar sei.

Manuel Battegay ist Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene am Universitätsspital Basel

Manuel Battegay ist Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene am Universitätsspital Basel

© Kenneth Nars / BLZ

Eine differenziertere Sicht nimmt Manuel Battegay ein. Er ist Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene am Universitätsspital Basel und Mitglied der wissenschaftlichen Corona-Taskforce des Bundes. «Gerade zu Beginn des Corona-Ausbruchs befanden wir uns in einer Extremsituation», sagt Battegay. Da liege es in der Natur der Sache, dass der experimentelle Einsatz von Medikamenten und dessen Erforschung etwas chaotisch erscheine. Jedoch müssten ethische Aspekte bewusst und ständig abgewägt werden.

Nutzen und Risiken sorgfältig abwägen

Am Unispital Basel hätten die behandelnden Ärzte die eingesetzten Therapien fast täglich besprochen. Gerade bei Medikamenten, die für eine Krankheit noch nicht zugelassen sind, wie dies bei Corona der Fall ist, müsse man die Risiken und den Nutzen für die Patienten sorgfältig abwägen, sagt Battegay.

 

«In der Schweiz wurden prinzipiell nur bei hospitalisierten Patienten mit schwerem Verlauf versuchsweise Medikamente eingesetzt», sagt Battegay. Dabei seien die Betroffenen bezüglich gefährlicher Nebenwirkungen eng überwacht worden. Jedoch habe die heterogene Patientenpopulation, etwa bedingt durch diverse Vorerkrankungen eines Patienten oder andere Komplikationen, die Einschätzung der Wirkung erschwert.

Was das Medikament Hydroxychloroquin anbelange, so habe sich relativ rasch gezeigt, dass sich bei den Patienten keine sofort ersichtliche Wirkung eingestellt habe. Grössere Studien hätten diesen Verdacht bestätigt. «Historisch gesehen, etwa im Vergleich zur Entwicklung von HIV-Medikamenten, konnten wir relativ rasch belegen, dass das Mittel nicht wirkt», sagt Battegay. Warum die Forschung weltweit so stark auf Hydroxychloroquin fokussiert war, kann er sich nicht erklären.

Erschwerend hinzu komme, dass sich die Situation in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich präsentiere und damit schwer vergleichbar sei. Er nennt als Beispiel das Medikament Dexamethason. Eine britische Studie zeigte, dass das Mittel die Sterblichkeit von künstlich beatmeten Patienten um 35 Prozent reduziert. In Grossbritannien sei jedoch die Sterblichkeit von Coronapatienten, die sich im Spital befinden, insgesamt dreimal höher als in der Schweiz, sagt Battegay. Daher stelle sich die Frage, ob Schweizer Patienten im gleichen Ausmass profitieren würden wie in Grossbritannien.

Zu rasche Kommunikation der Resultate

Letztlich gehe es um eine schwierige Abwägung. «Wartet man in einer Notsituation wie Corona jeweils ab, bis schlüssige Studien zu einem Medikament vorliegen, hält man möglicherweise wirksame Therapien zurück», sagt Battegay. Das sei gerade bei den schwerstbetroffenen Patienten problematisch.

 

Doch auch Battegay übt Kritik an den internationalen Forschungsbemühungen in Sachen Corona. Es seien tatsächlich zu viel Studien mit nur wenigen Patienten durchgeführt worden. Zudem sei es wiederholt vorgekommen, dass Forschungsresultate per Medienmitteilung veröffentlicht wurden, obwohl die Details der Studie teils während Wochen nicht vorlagen.

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Danke

H . M.
schrieb am 21.07.2020 06:59
Sie scheinen sich in etwas verrannt zu haben. Sie sind der Schreiber, der nìchts zum Artikel beizutragen hat. Sie verunglimpfen diejenigen die eine andere Mwinung haben, oder verhönen sie. Sie sind auf dem Holzweg. Und sehen hinter jedem Beitrag Herr Bühler. Ich jedenfalls bin nicht er. Zudem sind die Jnfos von ihm gut Recherchiert. Woher diese kommen spielt keine Rolle, solange sie stimmen. Wenn Sie etwas Lernen oder Wissen wollen müssen Sìe ja wohl auch in der Einschlägigen Literatur nachsehen? Sie sollten einen Gang zurückschalten und endlich einmal eine eigene Meinung zu einem Thema Kund tun.Oder haben Sie keine? Zudem sind Fehler in einem Beitrag als Irrelevant anzusehen. Wir sind ja nicht in der Schule und es gibt keine Noten dafür.Übrigens machen sogar Sie Fehler. Ist ja nicht so schlimm!

Einer meldet sich immer…

B. Hofer
schrieb am 20.07.2020 11:56
Hallo Frau H.M. Dass ich jetzt mit etwas «Kühlerlockstoff» Sie aus dem Gebüsch gelockt habe, wundert mich überhaupt nicht. Ich gehe davon aus, dass der nächste Kommentar von Knorrli, Hafer, B.R. oder einer andern »Märlifigur» von unserem Geschichtenerzähler aus Rothrist sein wird. Die Wette gilt - imfau!;-)
P.S. Wenn Sie verstehen was uns Herr Bühler seit Monaten kopiert, werden Sie glücklich damit und geniessen Sie das Leben. Wahrscheinlich haben Sie auch sehr viel «Stiel» wie er!

Mit dem Artikel zu tun?

H . M.
schrieb am 20.07.2020 11:31
Von Herr Hofer habe ich noch nie einen Beitrag gesehen, der auch nur im entferntesten etwas mit dem Artikel źu tun hat! Nur andere kritisieren ist keine grosse Leistung! Ich verstehe was Herr Bühler sagen will. Das es wieder so läuft wie beim Scheinegrippe Virus.Viel Aufwand, um die Ergebnisse nachher in die Brennöfen zu schicken.

Und täglich grüsst das Murmeltier…

B. Hofer
schrieb am 20.07.2020 10:47
Oder ist es ein vielleicht ein Troll? Aber wie heisst es so schön: Gib dem Troll kein Futter - nur «Kühlerlockstoff» - imfau!;-)
P.S. Was dieser Kommentar mit dem Artikel zu tun hat? NICHTS - aber es ist zumindest keine tägliche Wiederholung!

Wie immer!

Ueli Bühler
schrieb am 20.07.2020 10:03
Wie war es nochmal beim Schweinegrippe-Virus. Mit Hochdruck wurde ein Impfstoff gesucht. Am 11.Juni 2008 wurde die höchste Pandemiestufe 6 ausgerufen!Am10. August 2010 wurde die Pandemie als beendet erklärt. Die WHO schreibt deshalb eine Impfung gegen das Schweinegrippe-Virus auch nach der Pandemie vor. Es wurde ein Impfstoff in kürzester Zeit entwickelt. Die Nebenwirkungen reichten von Narkolepsie über Fieber bis Durchfall. Übertragen wurde der Virus wie das Coronavirus! Gewöhnliche Atemschutzmasken aus Papier bieten Gesunden nur wenig Schutz. Besser ist es, wenn Patienten sie tragen, um zu verhindern, dass sie große Mengen Sekret verteilen und so andere infizieren. Alleine in Deutschland wurden Impfstoff für 130 Millionen Euro vernichtet. In der restlichen Welt wurde der Impfstoff nicht mehr gebraucht! Auch in der Schweiz wurden 5.3 Millionen Dosen in den Brennöfen vernichtet. Eben es läuft wie immer!!

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