Englische Vorkriegs-Oldtimer sind die Passion dieses Zofingers

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Alfred Schor zeigt den platzsparend angebrachten «Schwiegermuttersitz» beim Triumph Dolomite Roadster Coupé.
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Momentan in Revision: Das Triumph Dolomite Roadster Coupé 1938 mit dem charakteristischen «Wasserfallgrill».Bilder: Thomas Fürst

Ins Gespräch kommen wir sofort zum Thema über Umwege. «Ich scanne die Leute», sagt Alfred Schor fast etwas entschuldigend, «sie dürften etwa Konfektionsgrösse 54 tragen.» Dann setzen wir uns an einen Tisch in seinem Büro und Schor beginnt aus seiner beruflichen Vergangenheit in der Textilbranche zu erzählen. Man habe ihn in der Branche den «Computerschneider» genannt, führt Schor aus, obwohl er zeitlebens nie eine Nähmaschine bedient habe. Weil er die Digitalisierung in der Branche vorantreiben wollte und vor allem in der Masskonfektion Pionierarbeit geleistet habe. Und ja, er habe noch zu einer einträglichen Zeit in einer Branche gearbeitet, meint Alfred Schor dankbar. 

In seiner beruflichen Tätigkeit ist der 75-jährige Zofinger auch mit seiner grossen Passion in Berührung gekommen. Mitte der 1970er-Jahre habe ein Mitarbeiter einen Beifahrer für eine Oldtimer-Rallye gesucht, erinnert sich Schor. «Ich habe damals zugesagt und es hat mich sofort gepackt», erzählt Schor weiter. 1976 habe er seinen ersten Oldtimer gekauft, 1980 bereits einen Oldtimer-Club in der Region präsidiert. Die Vorlieben haben sich im Lauf der Jahre und Jahrzehnte bei Al-fred Schor nicht verändert: «Es sind vor allem Vorkriegsfahrzeuge, in erster Linie aus englischer Produktion, die es mir angetan haben», betont Schor. Entsprechend stammte sein erster Oldtimer von Singer, einem der vielen in der Zwischenzeit untergegangenen, englischen Automobilhersteller. Dann wurde sich Schor kurz untreu, als er einen Chevrolet als zweiten Oldtimer erwarb. «Aber die Amerikaner sind nichts für mich – zu gross und zu schnell.» 

Mit einem Oldtimer gleiten oder wandern – nicht fahren 

Denn wer mit einem Oldtimer ausfahre, müsse in erster Linie geniessen können. «Mit einem Oldtimer fährt man nicht, man rast schon gar nicht, sondern man gleitet oder wandert gemütlich auf Nebenstrassen durch die Landschaft», erklärt Alfred Schor. Das passe nicht unbedingt in die heutige Zeit, wo alles nur noch schneller, höher, besser gehen müsse. Und es brauche viel Gefühl und einige Kraft, um so ein Gefährt lenken zu können. «Da gibt es keine Servolenkungen», sagt Alfred Schor, «da muss man noch arbeiten beim Steuern.» 

Überhaupt, die Technik. Alfred Schor gerät ins Schwärmen, wenn er von seinen Oldtimern spricht. Man müsse sich vorstellen, dass man diese Fahrzeuge noch ganz ohne CNC hergestellt habe. «Bestes, solides Handwerk», betont Schor. «Mich faszinieren Technik und Design dieser Autos.» In den vielen Jahren, seit er sich mit Oldtimern beschäftige, habe er sich viel Wissen angeeignet. Die Autos brauchen Pflege und obwohl er gelernt habe, vieles selber zu machen, sei er nach wie vor auf Spezialisten angewiesen. 

Die eigene Werkstatt in der Garage 

Momentan stehen drei seiner sechs Oldtimer in der eigenen Werkstatt in der Garage. Ein BSA Scout mit Jahrgang 1937 und die 6-zylindrige Version des Triumph Dolomite Roadster Coupés mit Jahrgang 1938 sind in Revision. Ebenfalls nicht fahrfähig ist die 4-zylindrige Version des Triumph Dolomite Roadster Coupés mit Jahrgang 1938. Schor hat eben die Hinterachse ausgebaut. «Es gibt immer etwas zu tun», sagt er und zeigt nicht ohne Stolz Teile, die er revidiert und selber lackiert hat. Der Textiler hat sich ein ansehnliches handwerkliches Wissen angeeignet. 

Die einzigen Dolomites in der Schweiz 

Spezielle und seltene Oldtimer sind die beiden Triumph Dolomites. Diese von Donald Healey entwickelte, in den Jahren 1937–1939 gebaute Modellreihe begründete mehr als alle anderen Modelle die Reputation von Triumph auf dem Sportwagensektor. Der Triumph Dolomite wurde in drei verschiedenen Ausführungen hergestellt, als Limousine, als vierplätziges Coupé und als zweiplätziges Roadster Coupé mit Zusatzsitz. Von den beiden Roadster Coupés wurden nur je 50 Exemplare gebaut. «Erhalten sind heute noch dreizehn Exemplare von der 4-Zylinder-, acht Exemplare von der 6-Zylinder-Version», weiss Alfred Schor. Schor ist einer von fünf Menschen weltweit, die je ein Modell von beiden Versionen besitzen – und der einzige Dolomite-Besitzer in der Schweiz. 

Zwei besondere Merkmale zeichnen das Dolomite Roadster Coupé aus. Schor weist auf die markante Front mit dem sogenannten «Wasserfallgrill» hin. Als er zum Heck des Coupés schreitet, zeigt sich ein Anflug von Schalk in seinem Gesicht. Er öffnet eine Klappe gleich hinter dem Verdeck, zum Vorschein kommt ein eng bemessener Doppelsitz: «Das ist der Schwiegermuttersitz», sagt Schor und fügt lachend an: «Bei jedem Wetter!» 

Vermarktet wurden die Triumph Dolomite mit dem Slogan «the finest in all the land» (die besten Autos im ganzen Land). Die Wagen bekamen auch exzellente Kritiken in der zeitgenössischen Fachpresse, doch kommerziell erfolgreich waren sie nie. Der relativ hohe Preis und der unkonventionelle Kühlergrill, welcher bei der Käuferschaft unbeliebt war, verhinderten höhere Verkaufszahlen. 

Preise der Oldtimer sind extrem gesunken 

Und heute? «Die Preise für Oldtimer sind allgemein gesunken, ausgeprägt ist diese Preisentwicklung bei Vorkriegsfahrzeugen zu beachten», betont Alfred Schor. Das sei für Liebhaber nicht nur schlecht, für Investoren schon. Vor einiger Zeit sei man davon ausgegangen, dass sich Investitionen in Uhren, Bilder und Oldtimer lohnen würden, führt Schor weiter aus. «Das war eine falsche Einschätzung, Geld gebracht haben Investitionen in Land und Liegenschaften.» 

Konkrete Zahlen mag Schor nicht liefern, führt dann aber doch aus, dass man in eine umfassende Revision eines Oldtimers gut und gerne 100 000 Franken investieren könne. Und erzählt dann noch, dass in Zofingen kürzlich im Rahmen eines Erbschaftsvorgangs ein Armstrong Siddeley, Jahrgang 1938, zum Vorschein gekommen sei. «Zusammen mit Kollegen haben wir den Wagen gereinigt und anschliessend eine Verkaufsdokumentation zusammengestellt», führt Schor weiter aus. Er rechne damit, dass man den Armstrong für rund 6000 Franken verkaufen könne, anschliessend benötige man etwa 25 000 Franken für die Renovation. Nach der Renovation habe der Wagen etwa einen Verkaufswert von 20 000 Franken. «Ein Oldtimer ist ein kostspieliges Liebhaber-, aber kein Investitionsobjekt», betont Schor. Schön, gibt es trotzdem zahlreiche Enthusiasten, die sich um die Liebhaberobjekte kümmern. Wie Alfred Schor einer ist. 

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Alfred Schor mit weiteren Schätzchen aus seiner Sammlung (Bild: Thomas Fürst)
Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.
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