«Fehler können passieren, aber das ist schon krass»: Wie ein Bundesamt das Vertrauen verspielt

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Der Bund empfiehlt allen Kantonen, eine Maskenpflicht einzuführen. In der Waadt ist das schon passiert. © Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Der Kanton St. Gallen pfeift auf die Empfehlung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Eine Maskenpflicht für Läden sei aus medizinischer Sicht unnötig, teilte er gestern mit. Damit revoltiert ein grösserer Kanton gegen die Empfehlung aus der Bundesstadt. Am Donnerstag hatte BAG-Direktor Pascal Strupler eine solche ausgesprochen, um die Kantone «wachzurütteln.» Für diese kam die Maskenempfehlung unvermittelt – und sie kam nicht gut an.

Martin Pfister, Gesundheitsdirektor des Kantons Zug, spricht von einem «Schnellschuss». Für ihn geht es um Grundsätzliches: «Ich erwarte, dass das BAG mit den Fachleuten und den Kantonen eine saubere Analyse macht, ob es neue Massnahmen braucht und ob sie flächendeckend oder regional eingeführt werden sollen.» Das BAG müsste mit Zahlen belegen, dass die Ansteckungsgefahr in Läden gross ist. Diese bleibt das Amt jedoch schuldig.

Ein Bundesamt auf der Suche nach seiner Rolle

Dass die Maske künftig eine wichtigere Rolle bei der Pandemiebekämpfung spielen wird, bezweifelt aber auch Pfister nicht. Die Zentralschweizer Gesundheitsdirektoren wollen noch diese Woche neue Massnahmen einführen. Pfister sagt allerdings: «Die Läden sind nicht das dringendste Problem. Wir müssen alle Innenräume besser anschauen, also auch Arbeitsplätze, Gastronomie oder Schulen.»

Seit der Bundesrat die ausserordentliche Lage beendet hat, liegt die Federführung in der Pandemiebekämpfung wieder bei den Kantonen. Das BAG habe seine Rolle in dieser besonderen Lage noch nicht gefunden, sagt Pfister. Das Bundesamt habe sich erst zurückgezogen und sei nun plötzlich mit Empfehlungen an die Öffentlichkeit gegangen. Pfister fordert mehr Zusammenarbeit zwischen Bund und Kantonen. Dialog heisst für ihn das Schlüsselwort. Wie im Frühling, als die Corona-Pandemie die Schweiz mit voller Wucht erfasst hatte. Dass nun Kantone auf eine Maskenpflicht verzichten, sei für die Autorität des BAG «nicht gerade förderlich», sagt der Zuger.

«Fehler können passieren, aber...

Das Vertrauen in das BAG bröckelt nicht nur in den Kantonen, sondern auch im Parlament in Bern. Über den Zahlensalat, den das Amt in den letzten Tagen auftischte, schütteln viele Politiker nur den Kopf. «Fehler können passieren, aber das ist schon krass», sagt Ruth Humbel, die Präsidentin der nationalrätlichen Gesundheitskommission. Dort sitzt auch Nationalrat Marcel Dobler (FDP/SG).

Er sagt, es fehle ihm schon länger an Transparenz, an gutem Datenmanagement. Aber jetzt gehe es um etwas noch viel Wichtigeres: das Vertrauen. «Das BAG muss schauen, dass es dieses Vertrauen nicht verspielt. Das wäre das schlimmste, was passieren kann», sagt Dobler. Auch Ständerat Damian Müller (FDP/LU) spricht von der Vertrauensfrage, die wichtig sei, weil die Leute sonst nicht mehr mitmachten. «Das zeigt sich gerade in anderen Ländern», sagt Müller.

Der Ruf nach einer Strategie wird lauter

Die Geschichte mit den falschen Ansteckungszahlen ist die aktuellste Episode, die Zweifel am BAG schüren. Aber sie ist bei weitem nicht die einzige. Wenn man Politiker anruft und sie fragt, wie sie das Krisenmanagement während der Coronakrise bewerten, dann ähneln sich die Sätze. Es hat ja gut angefangen, heisst es dann meist. Aber es geht schon länger abwärts. Albert Rösti, der Präsident der SVP, formuliert es so: «Die erste Welle der Krise hat der Bund gut gemeistert. Nicht vertrauensfördernd sind die Pannen.» Als Beispiel nennt der Berner auch die Maskenfrage. Lange erklärte das BAG, deren Wirksamkeit sei umstritten. Nun soll auch im Laden eine Pflicht gelten.

Ruth Humbel kritisiert das BAG zudem für seine Passivität bei der Impfstoff-Frage. Die «NZZ am Sonntag» hatte bekanntgemacht, dass die Schweiz bei einer klinischen Studie eines vielversprechenden Impfstoffes aussen vor bleibt, weil 8 Millionen Franken zur Finanzierung fehlen. Grundsätzlich ist das BAG nicht für die Finanzierung klinischer Studien zuständig, sagt Humbel. Doch nun, angesichts der Krise, stört sie «dieses Beamtendenken». Politisch gäbe es «bestimmt keinen Widerstand», so die Aargauerin. Es gelte nun, rasch zu handeln, auch, weil das die Aussichten auf einen späteren Zugang zum Impfstoff verbessere.

«Das hat in der Öffentlichkeit nichts zu suchen»

Und dann ist da noch der Auftritt von BAG-Direktor Pascal Strupler vom Donnerstag. Der hat nicht nur die Kantonen, sondern auch Politikern verärgert. Christian Lohr (CVP/TG) sagt, der Auftritt habe ihn «sehr irritiert». Es könne doch nicht sein, dass man den Kantonen an einer Medienkonferenz mitteile, was sie zu tun hätten. «Das hat in der Öffentlichkeit nichts zu suchen», sagt er. Und wenn doch, dann müsse der Absender der Bundesrat sein. Auch Albert Rösti fand den Auftritt «nicht gut». Die Gesundheitsdirektoren wüssten schon, was sie zu tun hätten.

 
Ein Auftritt, der nachhallt: BAG-Direktor Pascal Strupler während seines Auftritt von letzter Woche.

Ein Auftritt, der nachhallt: BAG-Direktor Pascal Strupler während seines Auftritt von letzter Woche.

© Anthony Anex/Keystone

Marcel Dobler kritisiert die Masken-Empfehlung auch inhaltlich, weil sie regionale Unterschiede ignoriert. Und vor allem, sagt der St. Galler, vermisse er eine klare Strategie beim Umgang mit dem Virus – eine Kritik, die immer wieder geäussert wird, etwa auch von Pierre-Yves Maillard, dem ehemaligen Waadtländer Gesundheitsdirektor, der heute für die SP im Nationalrat sitzt. «Bevor nun weitere Massnahmen von verschiedenen Behörden und Experten vorgeschlagen werden, braucht es eine grundsätzliche Strategie, die auf klaren Indikatoren wie der Auslastung der Spitäler basiert», sagt Maillard.

Schon heute setzt der Bund teilweise auf Grenzwerte. Etwa, um die Frage zu klären, bei welchen Infektionszahlen für Einreisende aus einem bestimmten Land eine Quarantänepflicht gilt. In diesem Sinne, sagt FDP-Nationalrat Dobler, müsste die Corona-Politik neu ausgerichtet werden. «Wenn der Bund schon Empfehlungen abgibt, dann muss er klar sagen: Das ist unser Plan, aufgrund dieser Zahlen braucht es jetzt diese Massnahme.»

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Ich Glaube es fast nicht.

Ueli Bühler
schrieb am 06.08.2020 13:39
Ein Kommentar der für mich spricht. Ich Glaubte schon es gäbe nur Hofers Kempis Observers und nicht zu vergessen Rons im Netz. Was mich allerdings Wundert ist das noch keiner ein Wort darüber verloren hat. Mittlerweile wird JEDER Kommentar der geschrieben wird als von mir Qualifiziert. Es wird vergessen das noch andere meinen Compi nutzen könnten! Stellen sie sich vor es ist so. Auf alle Fälle Danke ich Ihnen für Ihre Worte. Und hoffe wieder mal etwas von Ihnen zu lesen.

Guet kei Büehler

B. R.
schrieb am 05.08.2020 13:21
Endlich mal jemand der sieht was hier so abgeht! Leider ist von denen die auf gleicher Welle wie Herr Bühler schwimmen niemand zu hören.

An Hofer ond Glichgsennti

Kei Büehler
schrieb am 04.08.2020 17:37
Langsam aber sicher reicht das Bashing gegen Herr Bühler oder wen auch immer, Sie machen sich immer lächerlicher und das passt eher in den Kindergarten. Auch wenn die Kommentare von gewissen Personen nicht immer verständlich, abweichend von Ihrer Meinung, oder einfach zu zahlreich für Sie sind, mit welchem Recht denken Sie diese Leute ständig diffamieren zu müssen?
Überlesen Sie doch ganz einfach die Ihnen nicht passenden Kommentare stillschweigend!

Die von Herr Bühler eingebrachten Meinungen lese ich (sicher nicht als Einziger) hier jedenfalls lieber als Ihr Geschreibsel, oder denken Sie, dass dies irgendwie unterhaltsam sein soll? Zudem sind ihre verfassten Zeilen selten, wenn überhaupt einmal, auf die von der Zeitung publizierten Artikel bezogen - im Gegensatz zum Veröffentlichten des von Ihnen Angegriffenen.

Jetzt noch die Sommergrippe

B. Hofer
schrieb am 04.08.2020 15:18
Oh, Herr Kurt Bühler, hat Sie eine Sommergrippe erwischt. Aber wenn wir Ihnen als Fachexperte für Grippologie glauben dürfen, ist das sicher «Pipifax» für Sie. Ich bin sicher, morgen bedient uns an dieser Stelle wieder der Chef persönlich - imfau!;-)
P.S. Eine Kiste «Bühlerlockstoff», dass Sie Kurt der Original Bühler sind - die Wette gilt!:)

Klar

Kurt
schrieb am 04.08.2020 14:33
Jetzt da langsam die Tragweite der Massnahmen sichtbar werden. Bekommen Virologen und das BAG kalte Füsse. Übrigens bin ich es leid als Bühler bezeichnet zu werden. Er ist im Moment ausser Gefecht. Sie dürfen mivh aber gerne als Kurt, der ich nun mal bin, weiter Beleidigen.

Notlügen

RuBu
schrieb am 04.08.2020 13:52
Eine Lüge wäre demnach auch gerechtfertigt, wenn die Regierung nach ein paar Wochen bemerkt hätte, dass der Virus niemals so schlimm ist, wie anfangs zu befürchten war. Je länger die Pandemie-Massnahmen aufrecht erhalten wird, umso weniger könnten Verantwortliche dazu stehen, sie werden ja schon jetzt an den Pranger gestellt - wie würde das Volk auf einen bewusst ungerechtfertigten herbei geführten Shutdown reagieren?
Kann der Regierung trotzdem noch weiter geglaubt werden, kommen weitere "Notlügen", aus Angst vor Repression oder weil man Ängste und Gefühle der Bürger mit Lügen "schützen" will?

Das Vertrauen in das BAG bröckelt?

Ruedi Lanz
schrieb am 04.08.2020 10:45
Welches Vertrauen? Seit dem Tag, als in allen Medien verkündet wurde, dass die Masken unnötig seien, weil sie überhaupt nichts nützen würden, reut mich jeder Steuerfranken, der für "Volksbelüger" ausgegeben wird!
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