Russland will im Oktober mit Corona-Impfungen beginnen – doch irgendwas ist faul an der Sache

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An ihnen wurde der Impfstoff aus dem staatlichen Gamaleja-Institut getestet: Russische Probanden bei einer Pressekonferenz in Moskau. © Keystone

So unterschiedlich sie sind, eines haben Russen und Amerikaner gemein: Sie wollten immer schon schneller sein als der jeweils andere. Bei zentralen Errungenschaften hatten die Amerikaner die Nase bislang meist vorn: erste Atombombe (1945), erster Mann auf dem Mond (1969), erstes Smartphone (2007). Die Russen standen – bis aufs Rennen um den ersten Satelliten, das sie mit ihrem «Sputnik 1» 1957 gewannen – meist als Verlierer da.

Beim Wettlauf um den Titel der schnellsten Supermacht könnte Moskau jetzt aber aufholen. Mindestens, wenn man den russischen Quellen glaubt. Das Riesenreich liess am Wochenende verlauten, dass man bereits im Oktober mit einer Impfkampagne gegen das Coronavirus starten werde. Zuerst sollen Ärztinnen und Lehrer mit dem neuen Impfstoff versorgt werden, danach auch alle anderen 145 Millionen Russen.

Dass ausgerechnet Russland die Nase im Rennen um das Coronawundermittel vorne haben soll, erstaunt Beobachter. Die russische Regierung schien lange überfordert mit dem Virus, schob die Verantwortung auf lokale Behörden ab, führte trotz hoher Ansteckungsgefahr Militärparaden durch und hatte zuletzt mit stark steigenden Infektionszahlen zu kämpfen. 850'000 Russen haben sich bereits mit dem Virus infiziert, mehr als 14'000 sind an Covid-19 verstorben.

US-Virologe warnt die russischen Forscher

Doch Alexander Gintsberg, der Direktor des Instituts Gamaleja in Moskau, berichtet jetzt stolz, man habe einen Impfstoff – und er habe ihn bei sich persönlich bereits getestet.

Basis für den Virenkiller sei ein russisches Mittel gegen Ebola und nicht etwa gestohlene Forschungsdaten. Russische Hacker hatten laut amerikanischen, kanadischen und britischen Behörden in den vergangenen Wochen verschiedentlich versucht, an ausländische Labordaten zu kommen.

An dieser Darstellung gibt es Zweifel. Laut der Weltgesundheitsbehörde WHO sind derzeit nur sechs der weltweit über 100 Corona-Impfstoff-Projekte in der entscheidenden Phase III, in der ihre Wirksamkeit an Menschen getestet wird. Ein russisches Projekt ist nicht darunter. Das hat auch Anthony Fauci, der Direktor des US-Instituts für Infektionskrankheiten zur Aussage verleitet: «Ich hoffe, die Russen testen den Impfstoff gründlich, bevor sie ihn an irgend jemanden verabreichen.»

 
Warnende Worte für die Russen: US-Starvirologe Anthony Fauci.

Warnende Worte für die Russen: US-Starvirologe Anthony Fauci.

© Keystone

 

Ob Moskau den Warnruf vom geopolitischen Kontrahenten hört oder letztlich doch dem Erfolgsdruck nachgibt, wird sich im Oktober zeigen. Klar ist: Die russische Regierung braucht eine baldige Erfolgsmeldung, um nicht weiter an Zustimmung zu verlieren. Russland habe die seit Jahren schwächelnde Wirtschaft dank geringer Auslandschulden und dem gut gefüllten «Nationalen Wohlfahrtsfonds» zwar bislang einigermassen abfedern können, schreibt der Zürcher Russlandexperte Jeronim Perović in einem Beitrag für das Center for Security Studies der ETH. «Wenn das Einkommen der Bürger mit Andauern der Krise aber weiter sinkt, könnte der unausgesprochene ‹Pakt› des Staates mit der Gesellschaft – Loyalität gegenüber dem Regime im Gegenzug für Sicherheit und Wohlstand – ins Wanken geraten», glaubt Perović. Ein Impfstoff wäre da hilfreich.

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