Schulpflege-Befürworter klagen: «Der Verband, der seine Basis ignoriert»

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Grossrätin Maya Bally (l.) hat viele Rückmeldungen von Lehrern erhalten, die die Schulpflege erhalten wollen. Für Lehrerpräsidentin Kathrin Scholl ist die Umfrage der Schulpflege-Präsidenten jedoch nicht aussagekräftig. Bild: Chris Iseli und Severin Bigler

Am 27. September stimmt der Aargau über die Abschaffung der Schulpflege ab. Während der Verband Aargauischer Schulpflegepräsidenten die Vorlage bekämpft, haben sich die Vorstände des Schulleiterverbands und des Lehrerverbands für die Abschaffung ausgesprochen. Der Schulpflegepräsidenten-Verband wollte aber wissen, was die Lehrkräfte und Schulleiter selbst über die Abschaffung der Schulpflege denken. Deswegen hat er im Juni eine Umfrage an alle Schulen verteilt.

Nun liegen die Ergebnisse vor. Teilgenommen haben 2016 Lehrerinnen und Lehrer (rund ein Drittel aller Lehrkräfte) und 222 Schulleiter (rund die Hälfte). Von den Befragten lehnen 58 Prozent die Abschaffung der Schulpflege ab, 42 Prozent sind dafür. «Das zeigt, dass eine Mehrheit der Lehrer und Schulleiter gegen die Vorlage ist», sagt Maya Bally, CVP-Grossrätin und Mitglied des Komitees «Nein zur Abschaffung der Schulpflege».

Der Lehrerverband verzichtete auf eine Mitgliederbefragung

Die Schulpflege-Befürworter üben daher scharfe Kritik an den Vorständen des Schulleiter- und des Lehrerverbands. Die Umfrage zeige, dass sie die Ja-Parole entgegen der Mehrheit ihrer Mitglieder beschlossen hätten. «Offensichtlich haben es die Verbände verpasst, bei ihren Mitgliedern abzuholen, wo sie stehen und was sie für sich als wichtig erachten», schreibt das Komitee in einer Mitteilung mit dem Titel «Der Verband, der seine Basis ignoriert». Das Komitee gegen die Abschaffung der Schulpflege kritisiert besonders den Vorstand des Lehrerverbands. «Der Auslöser für die Umfrage waren Rückmeldungen von mehreren Lehrpersonen, die sich über das Ja des Lehrerverbands zur Abschaffung der Schulpflege mokierten, weil sie diese Haltung nicht teilen und nie zu ihrer Meinung befragt wurden», sagt Maya Bally.

Kathrin Scholl, Präsidentin des Lehrerverbands und SP-Grossrätin, widerspricht: «Aufgrund dieser Umfrage kann man nicht sagen, dass eine Mehrheit der Lehrerinnen und Lehrer dagegen ist.» Wenn nur ein Drittel an der Umfrage mitmache, sei dies mathematisch falsch. Der Lehrerverband habe der Vorlage in der Geschäftsleitung und im Verbandsrat klar zugestimmt. Es sei allerdings richtig, dass der Verband nicht alle Mitglieder befragt habe. «Für die Lehrerschaft ist die Abschaffung der Schulpflege keine absolut entscheidende Frage. Deswegen wäre es unverhältnismässig gewesen, alle Mitglieder anzufragen», erklärt Scholl. Da der Vorstand aber wisse, dass die Meinungen der Lehrer geteilt seien, habe er sich entschlossen, keine offizielle Stellungnahme abzugeben. Die Mitglieder des Vorstands würden sich als Privatpersonen für ein Ja engagieren, so Lehrerpräsidentin Scholl.

Scholls Parteikollegin Colette Basler vom Schulpflegepräsidenten-Verband sieht das anders. Sie habe in der Umfrage 400 Kommentare erhalten, viele von Lehrern. Das zeige ein «gigantisches Mitteilungsbedürfnis». Die Teilnehmer der Umfrage befürchteten mit der Abschaffung der Schulpflege eine Machtkonzentration beim Schulleiter, grösseren Arbeitsaufwand auch für die Lehrer und den Verlust eines wichtigen Bindeglieds zwischen Gemeinde und Schule.

Das Nein-Komitee zur Abschaffung der Schulpflege kritisiert ebenfalls den Aargauischen Schulleiterverband. In der Umfrage hätten sich mehrere Schulleiter darüber beklagt, dass niemand je nach ihrer Meinung gefragt habe. «Der Schulleiterverband hat sehr wohl seine Mitglieder zur Schulpflege befragt», widerspricht dessen Präsident Philipp Grolimund.

Der Schulleiterverband hat eine eigene Umfrage gemacht. Gemäss Grolimund nahmen 60 Prozent der Mitglieder teil, davon befürworteten 75 Prozent die Abschaffung der Schulpflege. Nicht alle Schulleiter des Kantons sind jedoch Mitglieder des Verbands. Deshalb, so Grolimund, sei es gut möglich, dass gewisse nie zu ihrer Meinung befragt worden seien. «Da aber praktisch alle Schulen des Kantons bei uns vertreten sind, können wir sagen, dass eine deutliche Mehrheit der Schulleitungen für die Abschaffung ist», so der Schulleiterpräsident.

Nahmen vor allem Gegner der Vorlage an der Umfrage teil?

Dass die Umfrage des Schulpflegepräsidenten-Verbandes zu einem anderen Ergebnis kam, erklärt Grolimund damit, dass wohl besonders diejenigen Schulleiter an der Umfrage teilgenommen hätten, die gegen die Vorlage seien.

Basler und Bally betonen, dass die Umfrage unkommentiert versandt und dafür nicht zusätzlich mobilisiert wurde. Sie bezweifeln deshalb, dass mehr Gegner als Befürworter der Vorlage die Umfrage ausgefüllt hätten. 

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Inkopetenz

Matthias Buchwalter
schrieb am 17.08.2020 09:02
@Arnold Sepp
Sie machen da eine spannende Aussage. Wen also die inkompetenten Schulpfleger/innen dieses Amt nur als Sprungbrett brauchen, dann enden diese ja im Gemeinderat. Ich denke mal, dass diese auch dann noch inkompetent sind, oder nicht? Und dieses inkompetente Mitglied im Gemeinderat ist dann für die Schule zuständig. Was Herr Arnold haben wir denn nun gewonnen?

Abschaffung der Schulpflegen

Arnold Sepp, Küngoldingen
schrieb am 15.08.2020 10:14
Als ehemaliger Schulpsychologe machte ich die Erfahrung, dass viele Stufenvertreter in der Schulpflege (SP) recht inkompetent waren. Daher hielt ich mich nur noch an die Präsidentinnen und Präsidenten. Ich gewann den Eindruck, dass viele Mitglieder die SP als Sprungbrett in ein "besseres" Amt missbrauchen. Schulleiterinnen und Schulleiter sind in der Regel kompetenter, kommen aus medias res und kennen den Schulbetrieb bestens.
Auch für das Finazielle braucht es keine Schulpflege. Dafür ist ja ein Mitglied des Gemeinderates zustädig.
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