Was tun bei Zugunfall im Tunnel? – Rettungskräfte üben für den Ernstfall

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Eine «verletzte» Person wird bei der Rettungsübung im Tunnel in Sicherheit gebracht. Bild: SBB

Es ist ein Horrorszenario für die Einsatzkräfte: Ein Personenzug kollidiert im Bözbergtunnel mit einem stehenden Bauzug. 150 Personen müssen evakuiert und versorgt werden. Zum Glück ist es an diesem Samstag nur eine Übung, an der die SBB-Rettungsdienste, die Kantonspolizei, mehrere Feuerwehren aus der Region, der medizinische Rettungsdienst und weitere Organisationen teilnahmen, um die Zusammenarbeit für den Ernstfall zu perfektionieren. Rund 400 Rettungskräfte, 50 Übungsleitende, Betriebspersonal und Beobachtende sowie 150 Figurantinnen und Figuranten waren im Einsatz.

Corona-Schutzkonzept als Zusatzherausforderung

Die Planungsarbeiten haben bereits mehrere Monate vor der Übung begonnen. Eine zusätzliche Herausforderung stellte das Schutzkonzept aufgrund der Coronasituation dar – die Medien konnten an der Übung nicht anwesend sein. An den Tunneleingängen konnten die Beteiligten die Hände waschen und desinfizieren, es bestand eine Maskentragpflicht und die Kontaktdaten wurden registriert. Die Übung war so angelegt, dass eine personelle Trennung zwischen den Seiten Effingen und Schinznach-Dorf bestand, sodass eine möglichst geringe Durchmischung der im Einsatz stehenden Personen gewährleistet werden konnte. «Ein Ernstfall in dieser Grössenordnung kommt zum Glück nur selten vor», sagt Philipp Zimmermann, SBB Projekt- und Übungsleiter. Umso wichtiger sei es, gemeinsam die Bewältigung einer solchen Katastrophe durchzuspielen.

Heinz Meier, Abteilungschef Stationierte Polizei, ist zufrieden mit dem Einsatz, auch wenn er betont: «Ich war selbst Beübter und hatte im Vorfeld, wie es auch im Ernstfall wäre, wenig Informationen. Die Übungsbeobachter werden ein detailliertes Fazit ziehen.» Er hatte einen guten Eindruck. «Das Zusammenspiel funktioniert, wir arbeiten ja auch bei kleineren Einsätzen eng zusammen.» Das Wichtigste bei so einem Grossereignis sei es, «rasch die Chaosphase zu überwinden».

«Alle haben die Maske jederzeit aufbehalten»

Diese «Chaosphase» erwähnt auch Andreas Fahrni, Kommandant Stüpunktfeuerwehr Frick: «Bei so vielen Beteiligten ist besonders die Kommunikation eine Herausforderung.» Zu Beginn werde auf einer gemeinsamen Frequenz gefunkt, dann ein Funkplan erstellt. «Das hätte vielleicht noch etwas schneller gehen können», hält er als Negativpunkt fest. Insgesamt ist er aber sehr zufrieden. «Ganz besonders gefreut hat mich, dass sich alle ans Schutzkonzept gehalten haben, und dies trotz der hohen Temperaturen und der anstrengenden Arbeit – alle haben die Maske jederzeit aufbehalten.» Die Motivation bei der Feuerwehr war gross, es sei schon eine spezielle Gelegenheit, im Bözbergtunnel zu üben, erklärt Fahrni. Rund 50 Leute hätten sich für den Einsatz gemeldet, etwas mehr als 30 wurden aufgeboten.

Darum fand die Rettungsübung im Tunnel statt

Die Übung im Bözbergtunnel, die den Namen «Sissle 20» trägt, konnte erfolgreich abgeschlossen werden. Die SBB musste als Betreiberin Bözbergtunnels zeigen, dass die vorhandenen Einsatz- und Evakuationsprozesse funktionieren. Dies ist notwendig, damit der Tunnel in Betrieb genommen werden kann. Im Fokus standen unter anderem die Alarmierungsabläufe, die Zusammenarbeit der beteiligten Akteure sowie das Fluchtwegkonzept und das Verhalten des Instandhaltungspersonals. Ab Ende Jahr bis 2022 wird der bestehende alte Bahntunnel zu einem Dienst- und Rettungsstollen umgebaut. Vor dessen Inbetriebnahme findet eine weitere Rettungsübung statt, die noch wesentlich grösser dimensioniert sein wird. (dko)

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Erstversorgung in der Übung durch Rettungskräfte. Bild: SBB
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