Es gibt Naturschätze auf Reidens Gemeindegebiet zu entdecken

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Beim namenlosen Weiher im Altental oberhalb von Langnau blüht der Blutweiderich. Bild: Marc Benedetti

Heute wird der erste Naturschutzverein von Reiden aus der Taufe gehoben (siehe Box unten). Schon bisher kümmerte sich eine lose Gruppe von Naturliebhabern um kleine Natur-Oasen auf Reider Gemeindegebiet, pflegte diese und entfernte invasive Neophyten. Ein Pionier in diesem Bereich ist der pensionierte Reider Oberstufenlehrer Beat Schwegler. Vor 20 Jahren begann er mit Gefährten das Gebiet Weihermatt in Reiden zu unterhalten. Er, der Richenthaler Markus Bieri und der Reider Heinz Haltiner bilden heute den harten Kern der Gruppe, welche «NaturReiden» gründen wird.  Das Trio hat uns an einem Sommerabend einige der Kleinode auf Gemeindegebiet entdecken lassen. 

Waldrandaufwertung am Mühliwaldweiher

Als Erstes geht’s zum Mühliwaldweiher. Er liegt am Waldrand hoch über Richenthal. «Vor 30 Jahren wurden zwei Weiher hier erstellt», erklärt Markus Bieri. 2019 hat man diese teilweise revitalisiert. Mit Primarschülern zusammen haben er und der Förster eine Waldrand-Aufwertung realisiert. «Der Kanton unterstützt das», weiss Bieri. «Einzelne Fichten wurden gefällt, mit anfallendem Geäst Asthaufen erstellt und einheimische Sträucher gesetzt.» Hier wächst allerlei.  Kennen Sie zum Beispiel die Straucharten Elsbeere, den Schwarzdorn (auch Schlehe genannt) oder das Pfaffenhütchen? Aus deren zähen Holz wurden früher Orgelpfeifen, Schuhnägel und Stricknadeln gefertigt. 

Bieri weist auf einen morschen Baumstrunk beim Weiher hin: «Ein wertvoller Lebensraum für Käfer und Blindschleichen.» Der eine Weiher ist mit Teichrosen bedeckt. Eine Libelle fliegt vorbei. Ein idyllischer, stiller Ort. «Unschön ist nur die kanadische Wasserpest», bemerkt Bieri. Das ist die dunkel-schleimige Pflanzenschicht auf der Wasseroberfläche. Gelbe Schwertlilien gedeihen ebenfalls – diese sind aber erwünscht. «Wir planen hier einen Pflegeeinsatz im November», sagt Bieri. Er ist beruflich als Geomatiker tätig und kann fast jede Pflanze hier beim Namen nennen.

Haltiner pflegt die Wege bei der Weihermatt

«Markus Bieri und Beat Schwegler wissen sehr viel über die Natur», wirft Hans Haltiner ein, als wir mit dem Auto zum nächsten Ort fahren. «Ich lerne täglich dazu», fügt der pensionierte Finanzchef eines Industriebetriebs hinzu. Er wohnt in der Nähe der Weihermatt in Reiden und pflegt dort die Wege, damit Spaziergänger das Gebiet umrunden können. Es geht nun nach Langnau weiter, ins Altental, zu einem Weiher, der eigentlich keinen Namen hat. «Wir nennen ihn einfach Altentalweiher», sagt Markus Bieri. Die Männer stapfen durchs hohe Gras. «Vorsicht, der Bach.» Die Naturfreunde suchen ein Bänklein, das hier irgendwo steht. Doch alles ist überwachsen. Da ist es ja! «In Coronazeiten spazieren viele Leute gerne in der Natur», sagt Beat Schwegler, «deshalb sollte man den Ort hier besser zugänglich machen.» Im Weiher spiegelt sich die tiefstehende Sonne, Blutweiderich blüht am Weiher-Ufer.

Die Naturschützer waren im Altental auch anderweitig aktiv. Im März halfen sie zum ersten Mal frühlaichenden Amphibien über die Strasse. «Überälüpfä», nennen sie die Aktion. Der Werkdienst von Reiden half ebenfalls mit. Die Strasse sei zwar nicht viel befahren, dennoch endeten viele Tiere sonst unter Autoreifen. Rund zehn Helfer und Helferinnen stellten Sperren entlang der Strasse auf, sammelten die Tiere ein und trugen sie über die Strasse. Rund 2400 Tiere habe man so retten können. Beat Schwegler: «80 Prozent davon waren Erdkröten.»

Als letzte Etappe besichtigen wir die Weihermatt in Reiden. Dort bewirtschaftet Landwirt Dominik Aregger die Naturschutzflächen zu unterschiedlichen Zeitpunkten. «Wir unterhalten rund 40 Vogelnistkästen in diesem Gebiet», sagt Markus Bieri. Im Januar würden sie von den Bäumen geholt und geputzt. Das sei wichtig, wegen der Parasiten. Ins Auge fällt eine schöne alte Stieleiche im Gebiet. «So eine bietet Lebensraum für 1000 verschiedene Lebensarten», sagt Bieri. Spaziergänger kommen uns entgegen – das Naherholungsgebiet in Siedlungsnähe ist begehrt. Heinz Haltiner hat mit dem Rasenmäher dafür gesorgt, dass man wieder durchlaufen kann. «Wir sollten den Weg Heinz-Haltiner-Weg nennen und dir einen Orden geben», scherzen die Kollegen. Wieder ernst verweist Beat Schwegler auf den Erfolg der Pflegearbeiten in der Weihermatt. «Wir haben hier einige Jahre lang Drüsiges Springkraut entfernt. Nur wenn man dranbleibt, kann man diese Neophyten dauerhaft bekämpfen.» Heute haben Brennnesseln ihren Platz eingenommen.

Naturschutzverein hat bereits Auftrag gefasst

Heute abend wird der Naturschutzverein «NaturReiden» im Hotel Sonne gegründet. Rund 60 Personen bekundeten Anfang Jahr Interesse, beizutreten und sich im Verein zu engagieren (wir berichteten). Wegen der Corona-Krise musste die Gründung aber verschoben werden. Der Verein wird sich in Reiden für Naturschutzanliegen engagieren, Lebensräume für Tiere und Pflanzen pflegen und Exkursionen durchführen. «NaturReiden» erhielt bereits einen Leistungsauftrag der Gemeinde für fünf Naturgebiete, die grösstenteils der Einwohnergemeinde gehören: Weihermatte (stehendes Gewässer, im Inventar der Naturobjekte regionaler Bedeutung des Kantons Luzern/INR), Altental (stehendes Gewässer, im INR), Steinbock (Felsen und Felsfluren, im INR), Gungel (Feuchtgebiet, im INR) und der Mühliwaldweiher (stehendes Gewässer, lokales Objekt). Der Verein wird die Gebiete beobachten, Veränderungen festhalten und allfällige Pflege initiieren. «Immer in Absprache mit schon bestehenden Bewirtschaftern und anderen Akteuren», betont Markus Bieri. Der Verein werde Pflegekonzepte erarbeiten. Geplant ist auch, die Naturschönheiten für die Öffentlichkeit zu dokumentieren. (ben)

Markus Bieri, Heinz Haltiner und Beat Schwegler im Altental oberhalb von Langnau. Bilder: Marc Benedetti
Der namenlose Weiher im Altental ist heute fast nicht zugänglich, weil alles zugewachsen ist.
Am Mühibachweiher oberhalb von Richenthal.
Naturschätze auf Reidens Gemeindegebiet.
Der morsche Baumstrunk ist Lebensraum für Insekten.
Der Baumstrunk.
Die Asthaufen am Waldrand beim Mühlibachweiher sind ebenfalls ein Lebensraum.
Teichrosen am Mühlibachweiher.
Ein sogenannter C-Falter.
Die Weihermatt in Reiden.
An der Weihermatt: Heinz Haltiner hat Gras auf dem Weg gemäht, damit man durchlaufen kann.
Die Weihermatt in Reiden.
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