Adé, NAB: Was das Ende für Kunden, Mitarbeiter und den Aargau bedeutet – der CS-Chef im Interview

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CS-Schweiz-Chef André Helfenstein will 100 Millionen Franken einsparen. © HO

An drei internen Informationsanlässen informieren die CS-Chefs heute die NAB-Mitarbeitenden über das Ende ihrer Bank. Schweiz-Chef André Helfenstein stellt sich den kritischen Fragen der CH-Media-Redaktion - und verspricht: Der Aargau werde innerhalb der CS eine starke Stellung haben.

Was haben Sie gegen den Aargau?

André Helfenstein: Gar nichts, ganz im Gegenteil! Als langjähriger Verwaltungsrat der Neuen Aargauer Bank habe ich das Unternehmen und den Kanton kennen und schätzen gelernt. Doch das Bankgeschäft verändert sich durch die Digitalisierung. Es gilt, einfacher und schneller zu werden.

Das geht nicht mit der NAB?

Mit zwei Marken – NAB und Credit Suisse – ist das schwieriger als mit einer einzigen. Es bestehen Doppelspurigkeiten, die letztlich auch dazu führen, dass weniger Mittel für Investitionen zur Verfügung stehen.

Und da muss die Marke Aargau über die Klinge springen?

Wir bleiben in diesem Kanton durch und durch aargauisch: Dieselben Mitarbeitenden beraten dieselben Kundinnen und Kunden. Es ändert sich auch insofern wenig, als sich die Strategien von NAB und Credit Suisse in den vergangenen Jahren stark angenähert haben.

Fakt ist, dass nicht nur die Marke NAB, sondern auch die Sonderstellung des Kantons im CS-Konzern verschwindet.

Das NAB-Geschäft wird integriert. Aber der Aargau wird in der Credit Suisse die drittgrösste Region sein, nach Zürich und der Romandie. Er hat eine starke Stellung!

Fassen Sie den Aargau, wie dies die UBS tut, mit Solothurn zu einer Einheit zusammen?

Nein. Wir haben neu insgesamt neun Regionen. Der Aargau ist eine eigene Region, und als solche ist sie die Nummer unsere drittgrösste Regioni.

Seit Jahren betonte die NAB die Nähe zur Region. Ist das jetzt nicht mehr gültig?

Doch, absolut! An der Spitze des aargauischen Geschäfts werden weiterhin NAB-Führungskräfte stehen, und wir möchten auch unsere Engagements im Aargau weiterführen.

Gibt es also weiterhin auch die Wahl des «Aargauers des Jahres» - anlässlich des NAB-Awards?

Wir wollen die Engagements weiterführen. Das heisst nicht, dass wir auf Dauer alles beibehalten werden. Heute machen wir im Aargau wesentlich mehr als in anderen Regionen. Wir werden diese spezielle Geschichte sicher würdigen.

Oliver Hegi wird 2018 zum Aargauer des Jahres gewählt.

Oliver Hegi wird 2018 zum Aargauer des Jahres gewählt.

© André Albrecht

Die Digitalisierung gibt es nicht erst seit gestern. Ihre Argumentation für eine Integration der NAB in die CS wäre auch schon vor fünf oder zehn Jahren gültig gewesen. Ist die NAB ein Corona-Opfer?

Nein. Corona beschleunigt die Digitalisierung, aber zugleich setzen wir unsere Strategien sehr langfristig um. Der Zeitpunkt stimmt jetzt, weil die NAB- und die CS-Strategie inzwischen sehr ähnlich geworden sind.

Viele der über 200'000 NAB-Kunden wählten bewusst keine Grossbank, sondern waren früher bei einer der aargauischen Gewerbebanken - und nach deren Fusion bei der NAB. Was tun Sie, damit sie jetzt nicht abspringen?

Wichtig sind hervorragende Angebote, und gerade im KMU-Geschäft ist die CS sehr gut aufgestellt. Davon werden die NAB-Kunden profitieren. Weiter werden wir bei der Integration der NAB transparent informieren, dies auch im persönlichen Kontakt mit den Kunden. Wir wollen zeigen und erklären, was wir können. Dazu zählen wir auf die persönlichen Beziehungen unserer NAB-Mitarbeitenden.

Der oberste NAB-Mitarbeiter, Roland Herrmann, ist nicht mehr CEO.

Er wird seine Rolle als CEO abgeben, aber weiterhin die Umsetzung unserer Strategie unterstützen.

Roland Herrmann.

Roland Herrmann.

© Fabio Baranzini

Wurde er abgesetzt?

Nein. Roland Herrmann hat einen sehr guten Job gemacht. Wir haben seine künftige Rolle im gemeinsamen Gespräch diskutiert und er wird den Übergang begleiten. Roland Herrmann wird heute auch an allen drei Mitarbeiter-Informationsanlässen anwesend sein.

Interimistischer CEO wird jetzt der Zentralschweiz-Chef der CS...

Roger Suter war sechs Jahre bei der NAB. Nun übernimmt er als interimistischer CEO die operative Verantwortung für die Integration. Er leitet heute erfolgreich die CS-Region Zentralschweiz und wird nach der Integration wieder in diese Funktion zurückkehren.

Roberto Belci.

Roberto Belci. © Sandra Ardizzone / AGR

Wer wird danach Chef im Aargau?

Wir werden ab Ende November 2020 zwei Regionenleiter haben: Roberto Belci übernimmt die Leitung des Private Banking sowie die Verantwortung für die Gesamtregion Aargau. Und Robin Wasser das KMU-Geschäft. Beide sind langjährige, erfolgreiche NAB-Persönlichkeiten.

Wie viele Jobs gehen im Aargau bei NAB und CS verloren?

Es gibt Überlappungen, und das führt zu einem Stellenabbau. Dieser wird in der Kundenbetreuung weniger stark ausfallen als in den unterstützenden Funktionen. Mir ist bewusst, dass das von den Betroffenen zuerst einmal verdaut werden muss. Zugleich eröffnen sich neue Chancen innerhalb der Credit Suisse. Wir möchten so vielen Betroffenen wie möglich diese Perspektive geben. Wir haben einen Sozialplan und die Integration wird bis tief ins nächste Jahr hineinreichen, was hilft, für die Neuorientierungen Zeit zu haben

Wie viele der heute 530 Vollzeitstellen der NAB werden übrigbleiben?

Das können wir noch nicht genau sagen. Der Stellenabbau wird etwa gleichverteilt sein zwischen Credit Suisse und NAB. Insgesamt führt der Umbau der Credit Suisse schweizweit zu 100 Millionen Franken Einsparungen. Einiges davon werden wir reinvestieren und neue Stellen schaffen.

Sie nennen keine Zahlen und lassen die Mitarbeiter im Ungewissen?

Nein. Ende Oktober sollen alle Klarheit haben. Wir wollen die Zeit nutzen, um die Mitarbeitenden zu unterstützen.

100 Millionen Einsparungen - das heisst bei Brutto-Lohnkosten von 200’000 Franken pro Mitarbeiter rund 500 Stellen weniger im Aargau.

Diese Rechnung würde, wenn schon, für die ganze Schweiz gelten, nicht nur für den Aargau. Die 100 Millionen Franken Kosteneinsparungen beziehen sich auf das ganze Schweizer Geschäft der CS.

Von den 30 Filialen, die NAB und CS im Aargau haben, bleiben nur 12 übrig. Das klingt nach Kahlschlag.

Durch die Digitalisierung werden wahrscheinlich alle Banken weitere Geschäftsstellen schliessen müssen. Bei uns kommt nun noch die Integration hinzu. Aber die Entwicklung ist unausweichlich, weil die digitale und telefonische Beratung an Bedeutung gewinnt. Wir passen unsere Strukturen dem veränderten Kundenverhalten an.

Welche 12 Standorte bleiben bestehen?

Heute befinden sich die 30 Filialen in 26 Ortschaften; in vier Gemeinden gibt es nebst einer NAB- also auch eine CS-Filiale. Das heisst, dass wir 14 Orte aufgeben werden. Das sind in der Tendenz die kleineren Niederlassungen. Jene, die wir behalten, die möchten wir aufwerten und die Mitarbeitenden weiterentwickeln.

Was passiert in den vier Städten Aarau, Baden, Rheinfelden und Zofingen, wo die CS eigene Filialen hat?

Im Grundsatz werden wir immer die NAB-Gebäude behalten, insbesondere natürlich den Hauptsitz in Aarau.

Welche NAB-Filialen fallen weg?

Darüber werden wir Mitarbeitende in den kommenden zwei Wochen informieren, dann natürlich auch unsere Kunden und die Behörden.

Die NAB-Filiale in Baden bleibt erhalten.

Die NAB-Filiale in Baden bleibt erhalten.

© Alex Spichale / BAD

Sie nehmen den Kunden etwas weg: Eine vertraute Marke und physische Standorte. Was geben Sie ihnen im Gegenzug?

Wir bündeln die Kräfte und können so noch besser auf das veränderte Kundenverhalten eingehen. Gerade die jüngeren Kunden wollen nicht mehr in einer Geschäftsstelle, sondern über neue Kanäle mit uns zusammenarbeiten. Unsere Angebote werden wir ausbauen, weil wir durch die Integration Mittel freimachen, die wir reinvestieren. Im Herbst lancieren wir das Digitalangebot von Grund auf neu. Zudem können wir auch komplexere Kunden umfassender bedienen.

Sie meinen die sehr vermögenden Kunden?

Die Integration nützt den Kunden sowohl im Breiten- wie auch in Bereichen, bei dem Kunden komplexere Beratungsbedürfnisse haben. Für letztere investieren wir in Spezialisten, und wir können die Stärke der globalen Bank einbringen, da diese Kunden oft internationale Ansprüche haben.

Wird es für Kleinkunden günstiger oder teurer?

Wir werden bei den Konditionen wettbewerbsfähig sein und beim digitalen Angebot auch einen Teil der Ersparnisse an unsere Kunden weitergeben können.

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