Gewerbeverbands-Präsident: «Das ist eine Ohrfeige für den Kanton und die Unternehmen im Aargau»

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Kurt Schmid, Präsident des Aargauischen Gewerbeverbandes, ist enttäuscht über das Aus für die NAB © AZ

Kurt Schmid ist wütend und enttäuscht, das hört man gut, wenn man mit ihm über das Verschwinden der Neuen Aargauer Bank (NAB) spricht. «Das ist eine Ohrfeige für den Kanton und die Unternehmen im Aargau», sagt der Präsident des Aargauischen Gewerbeverbandes. Dass die Führung der Credit Suisse (CS) in Zürich entschieden habe, die NAB vollständig zu integrieren, sei «kreuzfalsch und unverständlich», sagt Schmid. Er sei ziemlich frustriert über den Entscheid, die NAB vollständig in die CS zu integrieren und verstehe die Massnahme nicht. «In den letzten Jahren hat die NAB ja stets hohe Gewinne erzielt, es gibt also keinen Grund, sie nun aufzulösen.»

Gewerbler wollen nicht zur Credit Suisse

Die Neue Aargauer Bank sei ein Teil der Identität des Kantons, dies unterschätzten die CS-Manager aus seiner Sicht massiv. «Ich habe jetzt schon Rückmeldungen von Mitgliedern, die mir klar sagen, dass sie keine Grossbank, sondern eine Aargauer Bank als Partner wollen», sagt Schmid. Natürlich sei die NAB schon bisher im Besitz der CS und der Einfluss aus Zürich auf die Entscheidungen im Aargau wohl gross gewesen, räumt er ein. «Aber es gab einen eigenständigen Verwaltungsrat, der mit Aargauer Persönlichkeiten besetzt war, das waren mit Josef Bürge, Josef Meier und Peter Bühlmann gut verankerte Leute, die ein Gespür für den Kanton hatten.» Künftig werde der Aargau einfach eine Geschäftseinheit der CS sein, ohne eigenen Verwaltungsrat «und mit viel weniger Mitarbeitern», sagt Schmid.

Er hätte nie damit gerechnet, dass die NAB verschwinde - und noch letztes Jahr äusserte sich der damalige Verwaltungsratspräsident Josef Meier ähnlich. In einem Interview mit der AZ sagte Meier im Mai 2019 auf die Frage, ob die NAB selber bestimmen könne, wie viele Filialen sie betreibt, oder ob das im Hauptquartier der Muttergesellschaft Credit Suisse in Zürich entschieden werde: «Wir sind eine eigenständige Bank mit einer eigenen Strategie, einer eigenen Kredit- und Anlagepolitik. Wir werden über Ziele geführt und nicht über Diktate. Die Credit Suisse hat ein grosses Interesse, dass es der NAB im Aargau gut geht. Der Verwaltungsrat kann zusammen mit der Geschäftsleitung am besten entscheiden, was nötig ist, damit es gut läuft.»

«Bisher gab es eine gesunde Konkurrenz»

Bei der Wahl einer Bank seien neben dem Dienstleistungsangebot auch Vertrauen und die persönliche Beziehung zum Berater wichtig. «Mit der Integration der NAB in die CS wird viele anonymer, das schätzen manche Gewerbler gar nicht», sagt Schmid. Er als Treuhänder und Präsident des Gewerbeverbandes habe die Situation im Aargau mit zwei starken Banken immer sehr geschätzt. «Es gab eine gesunde Konkurrenz, der Markt spielte, für die KMUs gab es gute Konditionen, und wir als Verband haben Anlässe mit der AKB und der NAB gemacht.»

Die wichtigste Veranstaltung, die Gewerbeverband und Neue Aargauer Bank gemeinsam durchführten, war der traditionelle Neujahrsapéro im Kultur- und Kongresszentrum Aarau. Dort kamen im Januar jeweils mehr als 500 Gäste aus Wirtschaft und Politik zusammen – doch ob dies auch nächstes Jahr noch so ist, steht in den Sternen. «Ich bin nicht gerade optimistisch, dass die CS solche Engagements weiterführt», sagt Kurt Schmid. Er werde dieses Thema an einer Vorstandssitzung des Gewerbeverbandes am Mittwochnachmittag aufnehmen, erklärt der Präsident.

Für Kurt Schmid hat das Verschwinden der NAB auch einen persönlichen Aspekt: «Ich habe einst selber eine Lehre bei der Gewerbebank Baden gemacht, die später in die NAB integriert wurde», sagt der Gewerbeverbands-Präsident. Zudem habe er NAB-Aktien gehabt, die er eigentlich nicht habe abgeben wollen. «Ich hätte diese Aktien lieber behalten, aber bei der vollständigen Übernahme durch die CS war dies nicht möglich», bedauert Schmid.

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