In diesen Legebatterien brüten die Nationalräte ihre politischen Ideen aus

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Aus dem Blickwinkel eines Parlamentariers: Die Arbeitsplätze der National- und Ständeräte wurden mit Plexiglaswänden ausgestattet. Im Bild ist der Nationalratssaal. © Peter Schneider / KEYSTONE

Zwei Sessionen lang tagte das Parlament zuletzt in den geräumigen Hallen der Bernexpo - wegen des Coronavirus. Die Meinungen der Politikerinnen und Politiker über das Exil waren geteilt. Böse Zungen behaupten: Die Geschaffigen fanden die Bernexpo toll, weil man viel Ruhe und Platz fand, um zu arbeiten. Die Gemütlichen, die an der Session vor allem das Soziale schätzen, fanden die Örtlichkeit einen Graus.

Viel Plexiglas aus der Schweiz

Nun, das ist Vergangenheit. Am Montag kehrt das Parlament für die Session ins Bundeshaus zurück. Dieses wurde für 200'000 Franken coronakonform hergerichtet. In der Wandelhalle wurden einige Arbeitsplätze und Sitzgelegenheiten entfernt, im Restaurant Galerie des Alpes die Tische ausgedünnt. Auf den engen Wendeltreppen herrscht zudem Einbahnverkehr. Es gibt zusätzliche Rednerpulte, damit die Mikrofone zwischen den Wortmeldungen gereinigt werden können. Am kompliziertesten präsentiert sich jedoch die Situation in den Ratssälen. Dort sind die Verhältnisse enge, die Distanzregel von 1,5-Metern Abstand kann zwischen den Plätzen der Ratsmitglieder nicht eingehalten werden. Deshalb wurden Schutzinstallationen aus Plexiglas (aus der Schweiz natürlich) montiert. So sollen die Parlamentarier vor dem Virus geschützt werden. Das Tragen einer Maske wird dringend empfohlen, ist aber nicht obligatorisch. Andreas Wortmann, Leiter Infrastruktur des Bundeshauses, also quasi der Hausmeister, erklärt, die Verwaltungsdelegation des Parlaments könne den Ratsmitgliedern das Tragen der Masken nicht vorschreiben. Er setze aber auf die Kraft der sozialen Überzeugung und gehe davon aus, dass die Mehrheit der Ratsmitglieder eine Maske tragen werde.

Mit dem Zundhölzli-Trink gegen die Angst vor Aerosolen

Bleibt die Frage nach den Aerosolen, die bei der Übertragung des Virus eine Rolle spielen. Denn die Plexiglaskabäuschen sind nach oben offen. Gemäss Wortmann gibt es zwei Punkte, welche dieses Risiko minimieren. Zum einen werde die Frischluft von unten nach oben gezogen und Filter würden sie von Aerosolpartikeln reinigen. Zum andern schütze die Maske. Wartmann demonstrierte dies mit dem Zündhölzli-Trick. Er zog eine Schutzmaske an und zündete im Nationalratssaal, was sonst natürlich strengstens verboten ist, ein Streichholz an und versuchte es, auszublasen. Trotz mehreren Anläufen gelang ihm dies nicht. Das zeige: Mit der Maske gehe Luft raus, aber eben nicht explosionsartig. Deshalb sei die Maske im Bundeshaus dringendst empfohlen.

Weniger schlimm als befürchtet, aber ...

Bereits seit längerem werden die Kommissions- und auch Fraktionssitzungen wieder im Bundeshaus durchgeführt. Auch dort wurden Plexiglaswände montiert. Die Rückmeldungen? Die Parlamentarier seien positiv überrascht, sagt Wortmann. Weniger schlimm als befürchtet, aber unangenehm, laute das Fazit. Tatsächlich klagen Ratsmitglieder, dass die Sitzungen wegen den Plexiglaswänden mühsam seien. Denn diese spiegeln. Die Kommissionspräsidenten und die Bundesräte sehe man nicht mehr. Und ein Politiker meinte kürzlich: «Ich fühle mich wie ein Huhn in einer Legebatterie.» Ein Kollege gab zurück: «Du hast noch Glück, du bist schlanker als ich. Ich komme fast nicht in die Kabäuschen rein!»

Offen ist, wie sich die Plexiglaswände vor allem im engeren Nationalratssaal auf die Politkultur auswirken werden. Beobachter rechnen damit, dass sich die Nationalräte noch weniger im Saal aufhalten werden. Immerhin dürfte dafür der Lärmpegel sinken.

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