Einmal mit, einmal ohne zum Einkaufen: Hier verläuft die Maskengrenze mitten durchs Dorf

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Albert Fässler (70) aus Erlinsbach SO hat schon eine Maske getragen, bevor es Pflicht war. © Bilder: Michael Würtenberg

«Scheibe!», flucht ein Mann. Er wollte im Coop in Erlinsbach SO einkaufen und hat die Maske vergessen. Die ist seit gestern Pflicht in allen Geschäften auf Solothurner Kantonsgebiet. Anders im Aargau. Im Denner und in der Migros ennet dem Bach, in Erlinsbach AG, darf weiterhin ohne Maske eingekauft werden. Ein BMW mit Solothurner Nummernschild fährt auf den Parkplatz vor dem Denner. Fredy Moll steigt aus. Der 76-Jährige trägt eine Maske. «Ich wohne im Kanton Solothurn», sagt er. «Dort tragen wir Maske. Wenn die Aargauer das nicht brauchen, ist das ihr Problem.»

Eine Mutter aus dem Kanton Aargau sieht das anders: «Ich bin froh, hat sich der Aargau gegen eine Maskenpflicht entschieden.» Sie werde den Coop und den Kanton Solothurn wegen der Maskenpflicht meiden; den Kanton Zürich ohnehin. Sie findet: «Im März sind die Ansteckungszahlen gesunken – ohne Maskenpflicht.»

«Einheitliche Vorschriften wären für alle einfacher»

Denner-Mitarbeiterin Evelyne Aebi hat das Gespräch mitgehört. «Es könnte schon sein, dass wegen der Maskenpflicht im Coop mehr Leute von ennet dem Bach im Aargau einkaufen», sagt sie. Für eine Aussage sei es aber noch zu früh. Ausserdem könne es gut sein, dass die Maskenpflicht im Aargau auch noch komme.

Heinz von Arx füllt sein Einkaufswägeli vor dem Denner mit Bier. Eine Maske trägt der Erlinsbacher aus dem Kanton Solothurn nicht. Es sei aber nicht deshalb im Denner einkaufen, stellt von Arx klar. «Mich stört die Maske überhaupt nicht. Im Kanton Solothurn ziehe ich sie automatisch an. Sie ist im Vergleich zum Coronavirus das kleinere Übel.» Was ihn hingegen stört, ist, dass in jedem Kanton andere Regeln gelten. «Einheitliche Vorschriften wären für alle einfacher.»

Melanie Kyburz (30) aus Erlinsbach AG trägt keine Maske, fände es aber sinnvoll.

Melanie Kyburz (30) aus Erlinsbach AG trägt keine Maske, fände es aber sinnvoll. © Bilder: Michael Würtenberg

Im Coop ennet dem Bach liegen bei der Kasse Masken. Die Mitarbeitenden verkaufen sie, wenn jemand nicht an die Maskenpflicht gedacht hat. «Wir machen die Leute darauf aufmerksam, wenn sie ohne Maske den Laden betreten – vor allem weil wir ein spezielles Dorf sind», sagt die Filialleiterin.

Eine Coop-Kundin aus Lostorf SO kommt aus dem Laden. Die Maske hat sie unters Kinn geschoben. Die Maskenpflicht stört sie. «Ich mag es nicht, wenn einem solche Dinge aufgezwungen werden. Ich halte mich daran, aber ich nehme es nicht mehr so ernst. Ich habe keine Angst.» Die 68-Jährige wird aber trotz Maskenpflicht weiterhin im Kanton Solothurn einkaufen. «Diese zehn Minuten mit Maske nehme ich in Kauf und fahre deshalb nicht extra von Lostorf in den Aargau.»

«Ein spezielles Gefühl, mit Maske einzukaufen»

Albert Fässler aus Erlinsbach SO hat die Maske schon getragen, bevor sie Pflicht wurde. «Ich mache das aus Sicherheitsgründen und wegen meines Alters immer, wenn ich an einem Ort mit vielen Menschen bin», erzählt der 70-Jährige vor dem Coop. «Würden das mehr Leute tun, hätten wir vielleicht auch weniger ein Problem.»

Renate Meier aus Erlinsbach AG hingegen hat gestern zum ersten Mal mit Maske eingekauft. «Es ist ein spezielles Gefühl, aber es war mir bewusst, dass die Pflicht irgendwann kommt.» Im Coop werde sie weiterhin einkaufen. «Ich habe schon immer hier eingekauft.»

 
 

Ein «Coop-Kind» ist auch Edwin Bürgi (72) aus Erlinsbach AG. «Ich kaufe auch mit Maske weiterhin im Coop ein.» Dort kennt er das Personal und weiss, wo alles ist. «In Gottes Namen», sagt er. «Wenn es sein muss, ist es halt so. Im Aargau ist es wohl auch nur eine Frage der Zeit.»

Melanie Kyburz, seit kurzem Mutter, wohnt direkt neben der Migros in Erlinsbach AG. Dass im Nachbarkanton seit gestern eine Maskenpflicht gilt, findet sie nicht schlimm. «Es ist eigentlich sinnvoll», sagt die 30- Jährige. «Aber ich bin selber auch nicht konsequent. Wenn ich keine Maske tragen muss, trage ich keine. Deshalb sind Richtlinien nicht schlecht.»

Längst an die Maske gewöhnt hat sich Walter Studer. Der 72-Jährige trug gestern zusätzlich sogar eine Sonnenbrille, um sich vor dem Coronavirus zu schützen. «Ich wohne im Altersheim, dort muss man eine Maske tragen, wenn man rausgeht», erzählt er. Die Erinnerungen an das Besuchsverbot sind ihm noch sehr präsent. Eine Maske zu tragen, sei angenehmer.

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Masken

Ueli Bühler
schrieb am 04.09.2020 08:11
Dieser eigenartige Flickenteppich ist einfach nur noch peinlich. Ein versagen der Politik auf ganzer Linie. Die Masken die keinen Nutzen zu haben scheinen, die verschimmelten und jetzt noch diese verschiedenen Massnahmen. Der Aargau hat schon recht., wenn sie sagen es sei noch keine Ansteckung in einem Einkaufsladen zu verzeichnen gewesen. Aktionismus ist die Devise die hoch im Kurs zu sein scheint in der Politik. Oder man könnte auch Hilflosigkeit sagen.
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